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Luftfahrtriese hat endlich Zeit fürs Wesentliche EADS benennt sich in Airbus um

EADS-Chef Tom Enders will den Luftfahrtkonzern in Airbus umbenennen. Das wirkt banal, ist aber der überfällige Auftakt zu einem überfälligen Umbau - und das Ende vieler Witze im Bereich Social Media.

EADS-Chef Thomas Enders will Europas größten Luftfahrtkonzern in Airbus umbenennen. Das hat gute Gründe. Quelle: REUTERS

Wenn es um einen entscheidungsfreudigen Manager ohne Scheu vor großer Öffentlichkeit wie EADS-Chef Thomas Enders still geworden ist, erwarten alle den ganz großen Wurf. Und der 54-Jährige hat geliefert. Der forsche ehemalige Luftlandesoldat will Europas größten Luftfahrtkonzern umbenennen: EADS nennt sich wie die wichtigste Tochter künftig Airbus.

Zudem wird das Rüstungsgeschäft neu geordnet, wie der Konzern am Mittwoch in München mitteilte. Dafür werden die bisherige Raumfahrtsparte Astrium, die Wehrtochter Cassidian und der Bereich Airbus Military zusammengelegt und firmieren künftig unter dem Namen Airbus Defence & Space. Sitz der neuen Sparte wird München, Chef wird der bisherige Cassidian-Leiter Bernhard Gerwert. Auch die Hubschrauber-Tochter Eurocopter bekommt einen neuen Namen und wird neben Airbus, Airbus Defence & Space als Airbus Helicopters die dritte Division des Boeing-Rivalen.

Wo EADS der Konkurrentin Boeing voraus ist
Finanzen – Stärke der BilanzVorteil: BoeingDie Amerikaner verdienen derzeit nicht nur deutlich mehr Geld. Der Nachsteuergewinn lag mit gut vier Milliarden US-Dollar dreimal so hoch wie bei der EADS. Boeing hat auch die größere finanzielle Substanz. Doch wenn die EADS ihren Kurs beibehält und es keine weiteren größeren Pannen bei neuen Flugzeugprogrammen gibt, könnte sich die Lage bis 2015 ändern. Quelle: REUTERS
Kleine ZivilflugzeugeVorteil: EADSBei den Flugzeugen für die Kurz- und Mittelstrecke ist der A320 derzeit das Maß aller Dinge. Kein Flugzeug hat sich so schnell verkauft wie dessen sparsame Neuauflage mit dem Zusatz NEO. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Zwar bietet Boeing nach eigenen Angaben mit der dann fünften Auflage seines Bestseller 737 mit dem Kürzel MAX ein zumindest ähnlich gutes Flugzeug. Doch noch sind die meisten Airlines skeptisch. Uns selbst wenn hier Klarheit herrscht, dürfte NEO noch bis Ende des Jahrzehnts leicht vor MAX liegen. Quelle: dpa/dpaweb
Große ZivilflugzeugeVorteil: BoeingHier hat Boeing seit gut 40 Jahren die Nase vorn. Dafür sorgte zuerst der Jumbojet 747, der sowohl bei der Größer als auch bei der Eichweite die Maßstäbe setzte. Ab 1995 folgte dann die 777, die nur zwei Triebwerke hatte und darum deutlich günstiger flog als ihr viermotoriger Airbus-Widersacher A340.  Nun bedient Boeing den Markt für Flugzeuge zwischen 300 und 400 Plätzen praktisch alleine. Und bei den kleineren Fliegern hat nach Milliardenteuren Verspätungen nun der Siegeszug des neuen Leichtbaumodells 787 begonnen. Airbus hingegen kann mit der A330 die Lücke nicht füllen und bis der Sparflieger A350 Geld bringt vergehen noch mindestens zwei bange Jahre. Bei den ganz großen Maschinen hat  Airbus zwar mehr A380 verkauft als Boeing 747-8. Doch am Ende verdienen die Europäer wegen der deutlich höheren Entwicklungskosten damit auch nicht mehr Geld. Quelle: REUTERS
HubschrauberVorteil: EADSHier ist Boeing gut, aber EADS einfach bei weitem besser. Denn die Eurocopter genannte Tochter arbeitet als erster Teil des Konzerns so wie es sich der neue Chef Tom Enders sicher für die ganze EADS vorstellt: Weltmarktführer, viel Produktion im Dollarraum, eine wachsende Marge  und ein hoher Anteil im Servicegeschäft. Der Vorsprung wird bleiben, wenn Eurocopter-Chef Lutz Bertling kein Fehler passiert,  Quelle: dpa
RaumfahrtVorteil: unentschiedenHier liegen die Kontrahenten praktisch gleichauf. Boeing hat Vorteile im Militärgeschäft und besonders bei den Satelliten. Das bröckelt zwar, ist aber am Ende immer noch lukrativer als die vor allem im Zivilbereich aktive EADS-Tochter Astrium. Die hat jedoch ein bemerkenswertes Restrukturierungsprogramm hinter sich und könnte schon bald in Führung gehen. Quelle: dpa
Rüstung konventionellVorteil: BoeingAuch wenn Boeing daheim in den USA nur der zweitgrößte Rüstungskonzern hinter Lockheed Martin ist, am Ende kauft das amerikanische Verteidigungsministerium deutlich mehr Kampfflugzeuge ein als die Europäer. Dazu tun sich die Amerikaner leichter mit Exporten, denn dank der vielen Auslandseinsätze der US-Streitkräfte tragen US-Waffen das Gütesiegel Im Kampf bewährt.“  Darum hat Boeing deutlich die Nase vorne gegenüber der EADS-Tochter Cassidian Quelle: dpa
Rüstung ZukunftsgeschäftVorteil: EADSHier liegt die EADS-Tochter Cassidian leicht in Führung. Weil Europas Armeen schon früher als ihre US-Kameraden die Orders kürzten und die Exportchancen traditionell mäßig waren, müsste die in München ansässige Rüstungsabteilung der EADS schon früh in neue Geschäftsfelder vorstoßen, die sie zudem leichter exportieren konnte. Darum ist sie heute bei Dingen wie Internetsicherheit und Grenzüberwachung relativ gut im Geschäft. Dafür sorgt auch, dass Cassidian die vier Heimatländer Deutschland, Frankreich Großbritannien, Spanien hat und bei Aufträgen aus Schellenländern immer ein Land vorschieben kann, dass beim Auftraggeber zumindest als neutral gilt. Quelle: dpa

Natürlich wirkt die Umbenennung auf den ersten Blick ein wenig banal. Doch am Ende ist das Umtaufen überfällig und hat viele gute Gründe. Zum einen hilft es dem Konzern, endlich ernst genommen zu werden. Denn wer immer sich den Namen ausgedacht hat, die Person hatte von Globalisierung keine Ahnung. Wahrscheinlich war damals die Vorgabe, dass er möglichst in keinem Land und keiner Sprache Sinn macht.

Denn so genial "Airbus" oder zuvor "Eurocopter" für das Hubschraubergeschäft als Namen waren, weil sie in praktisch allen Sprachen selbsterklärend sind, so sehr ist der Name "EADS" auch nach 14 Jahren für den ein oder anderen Witz gut. Das beginnt damit, dass ihn jeder nur nach längerer Übung richtig aussprechen kann als "I-ÄH-De-ES". Anfänger hingegen nennen das Unternehmen "Iiiihds" im anglophilen Teil der Welt oder "eds" im frankophonen. Und fast keiner weiß, dass EADS für "European Aircraft..." äh, Entschuldigung "European Aeronautic Defense and Space Company" steht.

Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich

Und dann gehen die Witze meist erst los, denn gerade in den USA steht EADS für alles Mögliche. Mit den größten Humor (und die meiste Geduld) hat in den vergangenen Jahren David Eads bewiesen. Der App-Entwickler aus Chicago hat sich bereits in der Frühphase des Kurz-Blogdienstes Twitter das Kürzel @eads gesichert - und wusste nicht, was auf ihn zukommt. Weil EADS, der Konzern, in Sachen neue Medien etwas länger brauchte, musste er mit Kürzeln wie @eadspress, @eadsgroup oder @eadsna vorliebnehmen - und Eads, der mit @eads, wunderte sich über die vielen hundert Kontaktversuche und Nennungen.

Einige waren da weniger gelassen. Die Twitterin @eadaoinwbu taugt Eads sicher nicht als Markenbotschafterin, begrüßt sie ihre Besucher doch mit einem "You're tacky and I hate you"  (übersetzt: "Du bist billig und ich hasse dich").

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