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Lufthansa-Cargo-Chef zu China „Wir fliegen noch, weil die Nachfrage da ist“

Peter Gerber ist seit Mai 2014 Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Cargo AG. Zur Lufthansa kam der Manager bereits 1992. Quelle: REUTERS

Chinas Wirtschaft ruht größtenteils auf Anweisung aus Peking – Vorsichtsmaßnahmen wegen des Coronavirus. Lufthansa Cargo fliegt dennoch weiterhin zwischen China und Europa. Der Chef der Logistiktochter Peter Gerber spricht im Interview über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Flugbranche, seine wichtigste Fracht und wie er seine Mitarbeiter schützt.

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WirtschaftsWoche: Herr Gerber, die Verbreitung des Coronavirus zwingt immer mehr Unternehmen in China ihre Produktion anzupassen. Wie trifft das die Transportbranche?
Peter Gerber: Viele Transportunternehmen und auch wir müssen unser Angebot anpassen. Dafür sorgt zum einen, dass in vielen Fabriken in China die Produktionspause nach dem Neujahrsfest verlängert wurde. Darum ist die Nachfrage derzeit geringer. Aber auch das Angebot ist geringer. Wir haben bislang viele Güter von und nach China nicht nur in unseren eigenen Frachtern transportiert, sondern in den Frachträumen der Passagierflugzeuge befördert. Weil etwa die Linien des Lufthansakonzerns derzeit keine Passagierflüge anbieten, entfällt diese Möglichkeit derzeit. Darum haben wir mit einem Sonderflugplan die Frachter-Verbindungen vom und ins Chinesische Festland aufrecht erhalten.

Lufthansa hat wie viele andere Fluglinien Passagierverbindungen in die Region China eingestellt. Sie fliegen aber noch. Warum?
Weil die Nachfrage noch da ist. Außerdem können wir dann schneller reagieren, wenn nach dem Ende der aktuellen Lage die Nachfrage wieder zunimmt.

Welche Güter werden noch geflogen und welche nicht?
Wir befördern zurzeit verstärkt Hilfsgüter und medizinische Ausrüstung wie Atemschutzmasken, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel. Im Übrigen sehen wir keine wesentliche Veränderung im Mix, der wie sonst etwa Maschinen, Ersatzteile und temperatursensible Pharmazeutika enthält.

Was erwarten Sie als weitere Entwicklung?
Im Moment ist es schwer abzuschätzen, wie sich die Lage konkret weiterentwickelt. Grundsätzlich hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass auf längere Produktionspausen häufig Nachfragespitzen folgen. Im Moment ist es aber noch zu früh zu sagen, ob und wann wir diese in China sehen werden.

Sie haben ihren Flugplan nun erneut angepasst. Warum?
Uns ist es wichtig, auch in dieser Ausnahmesituation zumindest ein Grundangebot sicherzustellen. Denn auch in schwierigen Zeiten wollen wir unseren Beitrag zum Welthandel leisten. Dafür müssen wir die Lage sehr aufmerksam beobachten und flexibel reagieren.

Ist das nicht zu gefährlich für Ihre Piloten und die Mitarbeiter vor Ort?
Wir tun alles für die Sicherheit unserer Mitarbeiter. Zu den Vorsichtsmaßnahmen zählen die Zwischenlandungen in Nowosibirsk mit zusätzlichen Crewwechseln, so dass längere Aufenthalte der Crews in China vermieden werden. Das erhöht den Personalaufwand, ist aber im Frachtbereich machbar. Denn im Unterschied zu Passagierfluglinien haben wir keine Kabinenbesatzung. Wir stellen zudem für alle Mitarbeiter Schutzmasken und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Der Einsatz unseres fliegenden Personals auf diesen Strecken erfolgt darüber hinaus auf freiwilliger Basis und unsere entsandten Mitarbeiter und ihre Familien vor Ort können auf Wunsch nach Deutschland zurückkehren.

Bereits vor der aktuellen Krise hat Lufthansa Cargo unter der geringeren Frachtmenge gelitten. Was bedeutet die aktuelle Entwicklung für Ihr Unternehmen?
Das lässt sich in der Gesamtrechnung im Moment noch nicht abschätzen. Die ausgeprägte Volatilität ist aber ein grundsätzliches Merkmal der Luftfracht.

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