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Lufthansa Carsten Spohr - ein Jahr im Feuer

Ein Jahr Lufthansa unter Carsten Spohr: Was der Vorstandsvorsitzende beim Start mal vorhatte, was ihm bei seinen Plänen dazwischenkam – und was er jetzt dringend umsetzen muss.

Viele Baustellen für Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Auf der Hauptversammlung kam unter anderem die Schlichtung in den offenen Tariffragen zur Sprache. Quelle: dpa Picture-Alliance

Im Sommer 2013 muss Carsten Spohr gedacht haben, sein Leben könne kaum besser werden. Sein damaliger Chef Christoph Franz wollte den Job als Vorstandsvorsitzender der Lufthansa früher als gedacht aufgeben, um Verwaltungsratspräsident beim Schweizer Pharma-Konzern Roche zu werden. Damit war der Weg an die Spitze von Europas größter Airline für Spohr endlich frei. Auf den Posten hat der heute 48-Jährige lange hingearbeitet, spätestens seit er 1995 Assistent beim damaligen Lufthansa-Chef Jürgen Weber wurde.

Im Frühjahr 2015 ist von Spohrs Sommerfreude wenig geblieben. Falls der für seinen kräftigen Humor und die Fähigkeit zum richtigen Wort gleichermaßen bekannte Sohn des Ruhrpotts am 1. Mai sein erstes Dienstjahr als Chef überhaupt feiert, dann bestenfalls verhalten.

Die wichtigsten Kennzahlen der Lufthansa

Dafür sorgt natürlich vor allem der Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 im März, der den Airliner wie alle knapp 120.000 Lufthanseaten ins Mark traf. Keine Fluggesellschaft lebt so sehr eine im positiven Sinne fast paranoide Sicherheitskultur wie die Linie mit dem Kranich im Logo.

Doch den lebensfrohen Manager trifft es darüber hinaus, dass sein erstes Jahr im Traumjob auch ohne dieses Unglück in fast jeder Hinsicht anders gelaufen ist, als er es sich vorgestellt hat.

Bei seiner Berufung Anfang 2014 wusste der studierte Wirtschaftsingenieur zwar, dass er das Unternehmen entschlacken, den Reformstau lösen und den Gewinn verbessern musste. Und auch, dass dies schwer würde gegen den wachsenden Wettbewerb von Billigfliegern, Fluglinien vom persischen Golf wie Emirates und die grundsanierten Linien aus den USA.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

Doch all das wirkte vor einem Jahr noch vergleichsweise leicht. Spohr hoffte, er könne den Schwung des von seinem Vorgänger Franz aufgesetzten Sparprogramms Score durch seine mitreißende Art beschleunigen. Er dachte, die angespannte Stimmung im Konzerninneren beruhigen und mit einer klaren Servicestrategie aus mehr Komfort für Premiumkunden und mehr Billigtickets für Schnäppchenjäger neue Kunden gewinnen zu können.

Das hat der Lufthansa-Chef leider bestenfalls im Ansatz erreicht. „Was immer sich Spohr auch - ganz entgegen seinem natürlichen Optimismus - als schlimmsten Fall vorgestellt hatte“, sagt ein führender Lufthanseat, „am Ende kam es fast in jeder Hinsicht schlimmer.“

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