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Lufthansa Carsten Spohr verteidigt neue Preisstrategie

Während die Lufthansa mit neuen, umstrittenen Preissystemen daran arbeitet, wettbewerbsfähiger zu werden, gibt es zumindest an der Pilotenfront Hoffnung: in Tarifverhandlungen nähern sich Airline und Piloten wieder an.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Quelle: REUTERS

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hat seine neue Preisstrategie erneut verteidigt. Es handele sich dabei um einen wichtigen Schritt im "Kampf um die Zukunftsfähigkeit", sagte der Konzernchef am Dienstagabend im Gespräch mit Journalisten in Frankfurt. Nur so sei die Lufthansa auch zukünftig dem harten Wettbewerb in der Branche gewachsen. "Wenn die Low-Cost-Airlines in die Drehkreuze gehen, sind wir vorbereitet", sagte Spohr.

Grund für den höheren Wettbewerbsdruck ist unter anderem die Deutschland-Expansion des Billigrivalen Ryanair. Während auf den Strecken innerhalb Europas die Billigflieger der Lufthansa das Leben schwer machen, sind es auf der Langstrecke die Airlines aus den Golfstaaten wie Emirates oder Ethihad. In Europa will die Lufthansa dem Problem mit einem neuen Ticketsystem begegnen. Dieses ist umstritten, vor allem Geschäftskunden sorgen sich, in Zukunft mehr zahlen zu müssen.

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Für Spohr überwiegen dagegen die Vorteile der Dreiteilung des Economy-Tarifs innerhalb Deutschlands und Europas in Light, Classic und Flex. "Die Kunden bezahlen nur, was sie nutzen", sagt Spohr. Er glaube, dass viele das so wollen. Dennoch räumt er ein, dass der Wettbewerbsdruck für die Kranich-Airline immer größer wird. Für einige Flugzeuge habe man keine Strecken mehr und entsprechend auch zu viele Piloten, erklärt der Lufthansa-Chef. Es gäbe Strecken, die die Fluglinie gerne anbieten würde, die aber aufgrund der großen Konkurrenz nicht wirtschaftlich wären.

Gespräche mit Piloten wieder aufgenommen

Grund zur Sorge der Geschäfts- und Vielflieger waren auch immer wieder die streikfreudigen Lufthansa-Piloten. Hier gab Spohr leichte Entwarnung. "Ich bewerte es sehr positiv, dass Cockpit nach mehreren Jahren der Verhandlungen erstmals mit einem Angebot auf uns zugekommen ist, das Kosteneinsparungen beinhaltet", sagte der Konzern-Chef. Cockpit habe eingesehen, dass die Lufthansa in dem Streit um die Frühpension für 5400 Piloten und den Ausbau der Billigfluglinie Eurowings auch nach zahlreichen Streiks nicht nachgebe.

Nach einer schnellen Einigung sieht es dennoch nicht aus. Die Gespräche mit der Gewerkschaft seien wieder aufgenommen. An die von Cockpit erhoffte schnelle Einigung in einem Monat glaube er aber nicht. "Der Termin Anfang September für eine Lösung des Konflikts ist nicht realistisch aufgrund der Komplexität der Themen", sagte Spohr.

Anfang Juli war eine Schlichtung zuletzt in der Vorbereitung gescheitert. Wenige Wochen später boten die Piloten an, ein vom Vorstand angebotenes Bündnis für Wachstum und Beschäftigung mitzutragen. So ist Cockpit bereit, die Pilotengehälter mit anderen Airlines zu vergleichen. Auch bei der Frührente kommt die Gewerkschaft der Kranich-Fluglinie entgegen. Im Gegenzug soll die Lufthansa Jobs und Aufstiegsperspektiven für alle in Deutschland bei Lufthansa angestellten Piloten garantieren und das Ausflaggen von Cockpitarbeitsplätzen stoppen. Knackpunkt ist hier, dass der Vorstand die neue Billigtochter Eurowings in Österreich ansiedelt. Cockpit fürchtet dort niedrigere Löhne und einen Verlust an Mitsprache, da die Gewerkschaft nur in Deutschland Tarifverträge abschließen kann.

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Aus Sicht der Lufthansa ist der rasche Ausbau von Eurowings allerdings überlebenswichtig, um den Vormarsch der Billigrivalen Ryanair und Easyjet zu stoppen. Eurowings soll mit 30 bis 40 Prozent niedrigeren Kosten fliegen als die Lufthansa selbst - also auf Easyjet-Niveau.

Eine Einigung mit der Gewerkschaft wäre auch kostenseitig positiv, denn die bisherigen Streiks waren für die Lufthansa teuer. Im ersten Halbjahr 2015 summierten sich die Gewinneinbußen auf 100 Millionen Euro. Ohne die Belastungen will die Lufthansa in diesem Jahr einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) von mehr als 1,5 Milliarden Euro einfliegen. "Es wäre das beste Ergebnis in der Lufthansa-Geschichte", sagte Spohr.

Verständlich, dass der Konzernchef den hohen Gewinn mehrfach nannte. Unerwähnt blieb allerdings der Hauptgrund für das gute Ergebnis: der niedrige Ölpreis. Kerosinpreise sind der größte Kostentreiber, die Airline dürfte im laufenden Jahr rund 200 Millionen Euro an Treibstoffkosten einsparen.

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