Lufthansa Carsten Spohrs Suche nach der Stabilität

Die Lufthansa kämpft mit großen Problemen. Auf der Hauptversammlung versucht Konzernchef Carsten Spohr Ruhe in den Konzern zu bringen. Er deckelt Investitionen und geht im Tarifkonflikt auf seine streitbaren Piloten zu.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht auf der Hauptversammlung der Lufthansa Group. Quelle: AP

Es hätte Carsten Spohrs großer Moment werden können. Einer, in dem er als großer Lenker gefeiert wird. Als einer, der die Lufthansa wieder auf Kurs bringt und mit den ersten Schritten im größten Investitionsprogramm der Konzerngeschichte den richtigen Weg einschlägt.

Doch bei Spohrs Premiere als Vorstandschef auf der Lufthansa-Hauptversammlung gab es wenig Grund zur Euphorie. Stattdessen ging es vor allem darum, für Ruhe zu sorgen. Sein erstes Jahr als Konzernlenker war ein schwieriges. Mit dem Germanwings-Unglück fand es im März einen schrecklichen Tiefpunkt.

Der Schock über die Katastrophe ist längst nicht überwunden, die Betroffenheit auch bei den Aktionären groß. "Niemand auf Erden ist in der Lage, das unsagbare Leid wieder gutzumachen", sagt Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber. Spohr spricht von "Fassungslosigkeit, Entsetzen und Trauer".

Die wichtigsten Kennzahlen der Lufthansa

Trotzdem muss sich Deutschlands größte Fluglinie wieder mit aller Kraft den Problemen des Kerngeschäfts zuwenden. Und die sind groß: Der Umsatz stagniert. Die Ergebnismarge der Lufthansa liegt mit 3,18 Prozent weiter unter der von Billiglinien wie Ryanair (13,07 Prozent) und Easyjet (12,83 Prozent). Das Betriebsergebnis der Lufthansa ist im vergangenen Geschäftsjahr deutlich gefallen. Nach Berechnung nach dem Handelsgesetzbuch machte Lufthansa 732 Millionen Euro Minus – und strich seinen Aktionären deshalb die Dividende.

Nicht nur die ausbleibende Ausschüttung  treibt diese auf die Barrikaden. Sie wollen wissen, wie Spohr die drängenden Probleme in Griff kriegen will, die die Lufthansa seit Jahren belasten: Die Preiskämpfe mit Billiglinien wie Ryanair haben den Ticketpreis im Passagiergeschäft fallen lassen. Die arabischen Golf-Linien mischen den Wettbewerb zusätzlich auf und setzen die Lufthansa unter Druck. Viele Strecken sind wenig profitabel und die Stimmen, die eine Schrumpfkur im Passagiergeschäft für den richtigen Weg halten, mehren sich.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

Von einer grundsätzlichen Kursänderung will Spohr nichts wissen. In seiner Rede vor den Aktionären hielt er am Mittwochmorgen an der Weiterentwicklung des bisherigen Programms fest. „Wir brauchen finanzielle Stabilität mit einer gesunden Profitabilität. Gleichzeitig müssen wir unsere Flotte und unsere Infrastruktur kontinuierlich modernisieren und die dafür notwendigen Investitionen sicherstellen“, sagte der Lufthansa-Chef.

Das Zukunftskonzept fußt auf drei Säulen: Mit der neugeschaffenen Marke Eurowings will Spohr die breite Masse mit Billig-Flügen in Europa und auf der Langstrecke versorgen. Die Kernmarke Lufthansa selbst soll zur Fünf-Sterne-Linie werden und höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Etwas, dass bislang nur einer Handvoll Linien aus Asien und den Konkurrenten aus dem Mittleren Osten gelungen ist. Die Service-Töchter der Lufthansa - darunter Technik, Fracht und Catering - sind schon jetzt Umsatz- und Profitbringer des Konzerns.

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