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Lufthansa Clinch der Vorstände bei Lufthansa gefährdet Sanierung

Der Machtkampf im Vorstand der Fluggesellschaft eskaliert und gefährdet die überfällige Sanierung. Bis zum Wechsel an der Aufsichtsratsspitze droht ein halbes Jahr Agonie.

Die größten Baustellen der Lufthansa
1. UnternehmensorganisationWährend andere Fluglinien wie British Airways bereits massiv Personal abgebaut haben, leistet sich die Lufthansa in vielen Bereichen Doppelarbeiten. So haben nicht nur das Fluggeschäft, sondern auch die großen Töchter wie das Wartungsgeschäft eigene große Hauptverwaltungen. Dazu werkeln etwa die EDV-Abteilung des Fluggeschäfts parallel zu den Fachleuten der konzerneigene IT-Tochter Lufthansa Systems und legen einander nicht selten eher Steine in den Weg als die beste Lösung zu suchen. Quelle: Reuters
2. UnternehmenskulturDie Lufthansa gibt fürs Personal pro Flugkilometer mindestens ein Drittel mehr aus als wichtige Wettbewerber. Das liegt unter anderem an vielen alten Privilegien. So hat die Linie aus ihrer Zeit als Behörde das System übernommen, dass die Gehälter steigen je länger ein Mitarbeiter zum Unternehmen gehört. Dazu ist die Lufthansa in den vergangenen Jahren eher durch Zukäufe als organisch gewachsen. Dadurch kamen vor allem besser bezahlte Mitarbeiter dazu und weniger Berufseinsteiger, die das Durchschnittsgehalt drücken. Quelle: dpa
3. Hohe Eigenständigkeit der Tochtergesellschaften Ob Frachtgeschäft, Cateringküchen oder Fluggeschäft: die einzelnen Tochtergesellschaften dürfen weitgehend ohne Vorgaben aus der Zentrale arbeiten. So leisten sich nicht nur alle Töchter eigene Einkaufsabteilungen, obwohl ein zentraler Einkauf in der Regel bessere Preise bekäme. Die einzelnen Fluglinien organisieren ihren Service auch nach eigenen Regeln. Statt den Ticketverkauf zentral zu koordinieren, jagen sich die einzelnen Gesellschaften gerade in Krisenzeiten gegenseitig Kunden ab. Quelle: Pressebild
4. Umständliche Fliegerei Billigflieger kommen mit ein oder zwei Flugzeugtypen aus und bekommen dadurch beim Einkauf, der Ausbildung des Personals und der Wartung der Maschinen Mengenrabatte. Die Lufthansa hingegen hat in ihrer Flotte mindestens zehn verschiedene Typen und fliegt entsprechend teurer. Quelle: dpa
5. Hohe Fertigungstiefe Während andere Fluglinien längst ihr Wartungsgeschäft und die Flugküchen abgestoßen haben, legt die Lufthansa Wert auf ihre Rolle als 'Aviationkonzern', zu deutsche: Komplettanbieter. Zwar verdienen die Töchter - allen voran die Werften der Lufthansa Technik - gutes Geld. Doch weil der Kranich seine Maschinen nicht zu anderen Werkstätten schicken kann, zahlt er dem Vernehmen nach im Schnitt mehr als andere Linien. Quelle: Pressebild
6. Zu einheitliches ProduktEgal ob innerdeutscher Kurzstreckenhüpfer oder eine lange Strecke nach Istanbul: Lufthansa will auf allen Strecken als Lufthansa mit einem Premiumprodukt präsent sein und nicht die konzerneigene Edel-Billiglinie Germanwings fliegen lassen – auch wenn die Kundschaft etwa von Köln nach Berlin vor allem preisbewusst Economy Class bucht und auf Lounges oder Schaumwein an Bord wenig Wert legt. Erste Ansätze, das zu ändern gibt es allerdings. Auf einigen Europastrecken übernimmt seit 1. Juli 2013 Germanwings bisherige Routen der Lufthansa. Quelle: dpa/dpaweb
7. Verlustbringende Zukäufe Dass Swiss als erste übernommene Fluglinie bis heute eine Ertragsperle ist, erweist sich im Nachhinein als Fluch. Denn die guten Zahlen der Schweizer ließen alle glauben, dass jeder Zukauf mit ein paar Umbauten zu einer kleinen Swiss werden kann. Doch stattdessen schreiben die Töchter wie Austrian Verluste oder drohen wie Brussels Airlines in die roten Zahlen zu rutschen. Quelle: AP

Am kommenden Donnerstag werden Lufthansa-Chef Christoph Franz und Passage-Vorstand Carsten Spohr – er leitet das Fluggeschäft unter der Marke Lufthansa – sich geben, als wären sie ein Herz und eine Seele. Dann werden die beiden im Glasturm Triangle in Köln-Deutz das neue Germanwings-Konzept präsentieren. Unter ihrer Billigmarke will Europas umsatzstärkste Airline ab Neujahr das Fluggeschäft abseits der Drehkreuze Frankfurt und München organisieren. Laut Insidern werden die ersten Reihen im Germanwings-Flieger dann zum Premiumbereich, der gegen Aufpreis mehr Platz und kostenlose Verpflegung bietet – für dem Vernehmen nach 30 Euro zusätzlich.

Im Alltag läuft es zwischen Franz und Spohr weniger harmonisch. „Inzwischen sind alle Anzeichen eines Machtkampfs zu beobachten, bei dem einer den anderen öffentlich rüffelt und beide Wagenburgen bauen“, sagt ein hochrangiger Lufthansa-Manager: „Das hemmt die Sanierung.“

Die Baustellen bei der Lufthansa

Als Franz und Spohr Anfang 2011 die Konzernführung übernahmen, waren sie sich einig, dass die Lufthansa günstiger fliegen muss, will sie die wachsende Konkurrenz durch Billigflieger und Golf-Airlines überstehen. Dazu braucht die Linie aus Sicht von Franz von 2014 an eine operative Rendite von acht Prozent des Umsatzes und Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro. „Doch beim Weg dahin zogen Franz und Spohr praktisch an jeder Gabelung in eine andere Richtung“, urteilt der Manager.

Pilot Spohr, Analytiker Franz

Das liegt vor allem am Naturell. Franz ist analytisch, geduldig, legt begrenzten Wert auf Äußerlichkeiten und sieht Flugzeuge eher nüchtern als Arbeitsplatz mit Bett. Daher bereitete er sein im Februar vorgestelltes Sparprogramm Score lange vor und warb dafür in vielen Diskussionsrunden.

Die größten Flughäfen Europas
Platz 8: London Gatwick Quelle: AP
Platz 9: Barcelona El Prat Quelle: dapd
Platz 8: Fiumicino, Rom Quelle: Reuters
Platz 6: Istanbul, Atatürk-Airport Quelle: REUTERS
Platz 6 München Quelle: dpa
Platz 5: 49,7 Millionen: Madrid-Barajas Quelle: Reuters
Platz 4: Amsterdam - Schiphol Quelle: Reuters

Der charismatische Spohr schätzt moderne Anzüge und hätte – typisch Pilot – gern gleich nach Amtsantritt ohne Brimborium den Kurs der Lufthansa geändert. „Er leidet, wenn Franz selbst auf Vorstandssitzungen diskutiert, bis ein Kompromiss da ist, und – wenn’s länger dauert – den Pizzaservice ruft“, erzählt ein Spohr-Vertrauter.

Uneins sind beide beim Umbau des Fluggeschäfts. Franz fordert eine Runderneuerung inklusive Abstrichen beim Service. Die aber scheut Spohr, weil sie für ihn das Erlebnis Fliegen, die Marke Lufthansa und am Ende die Erträge schädigen.

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Die Duz-Kollegen kamen klar, bis im Frühjahr die Stimmung kippte. Die Beschäftigten nervt die Unsicherheit über das Sparprogramm, und an ihnen lassen die Kunden Frust über sinkenden Sitzkomfort und Einschränkungen beim Vielfliegerprogramm aus. Als Franz Leiharbeiter einstellen und Tausende Leute entlassen wollte, gab es Streiks. Dazu steigen trotz Sparens die Betriebskosten. Franz versuchte, Spohr unter Druck zu setzen. Schließlich schreibt das Fluggeschäft die schlechtesten Zahlen. Doch er biss auf Granit.

Der Junge aus dem Ruhrpott


Was Stewardessen hassen
Stewardess der Lufthansa Quelle: AP
Platz 10: Nach bestimmten Getränkemarken verlangen„Haben Sie noch ein anderes Bier als Heineken?“ „Entschuldigung, aber ich mag keine Pepsi.“ Mit Sätzen wie diesen bringen Passagiere immerhin vier Prozent der befragten Flugbegleiter auf die Palme. Quelle: dapd
Platz 9: Beschwerden über die Temperatur Auf dem Heimflug vom sonnigen Urlaubsdomizil in die verregnete Heimat ist man eigentlich immer falsch gekleidet. Doch allzu laut beschweren sollte man sich offenbar nicht, will man nicht den Zorn der Flugbegleiter auf sich ziehen. Immerhin sechs Prozent sind genervt von frierenden oder schwitzenden Passagieren. Quelle: AP
Platz 8: Nach einem anderen Essen fragenNicht nur in der Ersten Klasse sind viele Passagiere unzufrieden, wenn nicht das richtige Essen gereicht wird. Immerhin sechs Prozent der Flugbegleiter sind genervt von Beschwerden, wenn es dem Passagier nicht schmeckt. Quelle: dapd
Platz 7: Hinterlassen von Abfall in den SitztaschenEin Kaugummi gegen den Druck auf den Ohren, ein Rätselheft, um die Zeit ohne Smartphone überbrücken zu können. Wenn die Passagiere das Flugzeug verlassen, bleibt nur der Müll zurück - und nervt sieben Prozent aller Flugbegleiter. Quelle: dapd
Platz 6: Nach mehr Decken und Kissen verlangenSo komfortabel wie an Bord dieses A380 von Singapore Airlines geht es auf den meisten Flügen nicht zu. Passagiere die trotzdem nach zusätzlichen Decken verlangen, müssen nicht mit dem Verständnis des Personals rechnen. Acht Prozent nerven solche Nachfragen. Quelle: AP
Platz 5: Reden währen der Sicherheitsdemonstration„Im unwahrscheinlichen Fall einer Landung auf dem Wasser...“ Seien wir ehrlich: Schon nach wenigen Flügen können die meisten Passagiere die Sicherheitsanweisungen mitbeten. Gesetzliche Pflicht sind sie trotzdem - und wer quatscht nervt immerhin neun Prozent aller Flugbegleiter. Quelle: dapd

Denn so sehr Spohr sein Image als Sonnyboy und Junge aus dem Ruhrpott mit Vorliebe für Pils vom Fass pflegt: Er ist Machtmensch und traut sich den Vorstandsvorsitz zu. Während Franz argumentierte, baute Spohr seine Stellung aus, holte aus dem Reich von Personalvorstand Stefan Lauer den Billigflieger Germanwings unter seine Fittiche und Teile der Verantwortung für andere Töchter wie Swiss.

Zudem knüpfte der Pilot mit Lizenz für Airbus-Mittelstreckenmaschinen ein Netz aus Getreuen. Er erweiterte die Führungsriege seines Passagiergeschäfts zu einer Art Nebenspitze des Konzerns mit eigener Presseabteilung sowie eigenen Vorständen für Finanzen und Personal, parallel zu den Ressorts der Holding. Dazu ist Spohr mit vielen im Konzern eng vernetzt, nicht zuletzt mit dem heutigen Aufsichtsrats- und früheren Vorstandschef Jürgen Weber, als dessen Assistent Spohr einst begann.

Die zentralen Schwachpunkte der Lufthansa

Franz kann da nicht mithalten. Er begann seine Karriere bei Lufthansa, wechselte dann aber zur Deutschen Bahn und ist für viele Lufthanseaten so „keiner von uns“. Franz’ Getreue sind vor allem Leute von außen wie Finanzchefin Simone Menne, die von der im Januar verkauften britischen Tochter BMI kam und Tür an Tür mit Franz arbeitet, sowie IT-Chef Christoph Kollatz und Strategiechef Sadiq Gillani.

Um wieder den Steuerknüppel zu übernehmen, zeigt Franz nun seine Macht, um Spohr zum Sparen zu zwingen. Dem Passagiergeschäft drohen in diesem Jahr Verluste. Führende Mitarbeiter berichten, derzeit brächten nur 40 Prozent aller Routen Geld. „Sinken die Personalkosten nur um fünf Prozent, wären es 60 bis 65 Prozent“, sagt ein Mitarbeiter der Finanzabteilung.

Image als Rausschmeisser

Spohr soll also das Sparprogramm vorantreiben. „Die Passage arbeitet bei Score langsamer als andere Geschäftsfelder. Wir werden das Ergebnisniveau nicht als dauerhaften Zustand dulden“, rüffelte Finanzchefin Menne Spohr Ende Oktober öffentlich. Auf den Hinweis, der Abwesende könne sich nicht wehren, setzte Franz noch eins drauf und verglich Spohrs Stellung mit der von Swiss-Chef Harry Hohmeister, obwohl der vom Rang her eine Stufe unter Spohr steht und die Swiss nicht mal ein Viertel von Spohrs Bereich umsetzt. „Das war früher undenkbar“, urteilt ein Zeuge.

Die Rekorde des Dreamliners
Dreamliner Quelle: dapd
Dreamliner Quelle: REUTERS
Dreamliner Quelle: REUTERS
Dreamliner Quelle: AP
Auslieferungen des Dreamliners50 Dreamliner wurden bereits ausgeliefert. Die beiden japanischen Gesellschaften ANA (17) und JAL (7) kommen mit 24 Maschinen fast auf die Hälfte aller bisher gelieferten Jets. Darüber hinaus haben auch United Airlines, Air India (beide je 6), Qatar Airways (5), Ethiopian Airlines (4), LAN Airlines (3) und LOT aus Polen (2) die Boeing 787 in ihren Flotten. In Deutschland hat bislang keine Fluggesellschaft den Dreamliner. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt, die 2015 ausgeliefert werden sollen. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. Quelle: dpa
Vorstellung des DreamlinersAls der Dreamliner am 15. Dezember 2009 das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war zwar ein Meilenstein geschafft. Aber... Quelle: dpa
Dreamliner Quelle: dapd

Anfang November engagierte Franz dann die Beratung McKinsey zur Sanierung von Spohrs Reich. „Die sollen mit ihrem Image als Rausschmeißer wohl dafür sorgen, dass mehr Tabus fallen“, vermutet ein Berater von der Konkurrenz. Franz engagierte die „Meckies“ an Spohr vorbei, der das Mandat ausschreiben wollte – eine Klatsche. „McKinsey gilt in der Branche als rotes Tuch – die glänzen mehr durch Forschheit als durch Fachkenntnis“, sagt der Berater: „Wenn McKinsey-Leute nun gestandenen Lufthansa-Vorständen das Fluggeschäft erklären, könnte das ein paar gute YouTube-Videos abgeben.“

Spohrs Dilemma: „Macht das Fluggeschäft Verlust, kann er sich kaum offen widersetzen und aus Eitelkeit die Sanierung gefährden“, sagt ein Spitzenmanager. Aber er könne sich auch nicht durch radikalen Umbau „zu Franz’ Bluthund machen, ohne unbeliebt zu werden und seine Chancen auf den Chefposten zu schmälern“. Somit bleibt Spohr nur, weiter zu lavieren.

In Arbeit
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Den Konflikt müsste der Aufsichtsrat lösen. Doch dort herrscht ausgerechnet jetzt ein Vakuum. „Aufsichtsratschef Weber kann sich zum Ende seiner Amtszeit im Mai 2013 offenbar nicht zu einem Machtwort entschließen, weil er dem designierten Nachfolger Wolfgang Mayrhuber nicht ins Handwerk pfuschen will“, klagt ein Top-Lufthanseat: „Doch noch ein halbes Jahr Sanierung mit angezogener Handbremse können wir uns nicht leisten.“

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