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Lufthansa Clinch der Vorstände bei Lufthansa gefährdet Sanierung

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Der Junge aus dem Ruhrpott


Was Stewardessen hassen
Stewardess der Lufthansa Quelle: AP
Platz 10: Nach bestimmten Getränkemarken verlangen„Haben Sie noch ein anderes Bier als Heineken?“ „Entschuldigung, aber ich mag keine Pepsi.“ Mit Sätzen wie diesen bringen Passagiere immerhin vier Prozent der befragten Flugbegleiter auf die Palme. Quelle: dapd
Platz 9: Beschwerden über die Temperatur Auf dem Heimflug vom sonnigen Urlaubsdomizil in die verregnete Heimat ist man eigentlich immer falsch gekleidet. Doch allzu laut beschweren sollte man sich offenbar nicht, will man nicht den Zorn der Flugbegleiter auf sich ziehen. Immerhin sechs Prozent sind genervt von frierenden oder schwitzenden Passagieren. Quelle: AP
Platz 8: Nach einem anderen Essen fragenNicht nur in der Ersten Klasse sind viele Passagiere unzufrieden, wenn nicht das richtige Essen gereicht wird. Immerhin sechs Prozent der Flugbegleiter sind genervt von Beschwerden, wenn es dem Passagier nicht schmeckt. Quelle: dapd
Platz 7: Hinterlassen von Abfall in den SitztaschenEin Kaugummi gegen den Druck auf den Ohren, ein Rätselheft, um die Zeit ohne Smartphone überbrücken zu können. Wenn die Passagiere das Flugzeug verlassen, bleibt nur der Müll zurück - und nervt sieben Prozent aller Flugbegleiter. Quelle: dapd
Platz 6: Nach mehr Decken und Kissen verlangenSo komfortabel wie an Bord dieses A380 von Singapore Airlines geht es auf den meisten Flügen nicht zu. Passagiere die trotzdem nach zusätzlichen Decken verlangen, müssen nicht mit dem Verständnis des Personals rechnen. Acht Prozent nerven solche Nachfragen. Quelle: AP
Platz 5: Reden währen der Sicherheitsdemonstration„Im unwahrscheinlichen Fall einer Landung auf dem Wasser...“ Seien wir ehrlich: Schon nach wenigen Flügen können die meisten Passagiere die Sicherheitsanweisungen mitbeten. Gesetzliche Pflicht sind sie trotzdem - und wer quatscht nervt immerhin neun Prozent aller Flugbegleiter. Quelle: dapd

Denn so sehr Spohr sein Image als Sonnyboy und Junge aus dem Ruhrpott mit Vorliebe für Pils vom Fass pflegt: Er ist Machtmensch und traut sich den Vorstandsvorsitz zu. Während Franz argumentierte, baute Spohr seine Stellung aus, holte aus dem Reich von Personalvorstand Stefan Lauer den Billigflieger Germanwings unter seine Fittiche und Teile der Verantwortung für andere Töchter wie Swiss.

Zudem knüpfte der Pilot mit Lizenz für Airbus-Mittelstreckenmaschinen ein Netz aus Getreuen. Er erweiterte die Führungsriege seines Passagiergeschäfts zu einer Art Nebenspitze des Konzerns mit eigener Presseabteilung sowie eigenen Vorständen für Finanzen und Personal, parallel zu den Ressorts der Holding. Dazu ist Spohr mit vielen im Konzern eng vernetzt, nicht zuletzt mit dem heutigen Aufsichtsrats- und früheren Vorstandschef Jürgen Weber, als dessen Assistent Spohr einst begann.

Die zentralen Schwachpunkte der Lufthansa

Franz kann da nicht mithalten. Er begann seine Karriere bei Lufthansa, wechselte dann aber zur Deutschen Bahn und ist für viele Lufthanseaten so „keiner von uns“. Franz’ Getreue sind vor allem Leute von außen wie Finanzchefin Simone Menne, die von der im Januar verkauften britischen Tochter BMI kam und Tür an Tür mit Franz arbeitet, sowie IT-Chef Christoph Kollatz und Strategiechef Sadiq Gillani.

Um wieder den Steuerknüppel zu übernehmen, zeigt Franz nun seine Macht, um Spohr zum Sparen zu zwingen. Dem Passagiergeschäft drohen in diesem Jahr Verluste. Führende Mitarbeiter berichten, derzeit brächten nur 40 Prozent aller Routen Geld. „Sinken die Personalkosten nur um fünf Prozent, wären es 60 bis 65 Prozent“, sagt ein Mitarbeiter der Finanzabteilung.

Image als Rausschmeisser

Spohr soll also das Sparprogramm vorantreiben. „Die Passage arbeitet bei Score langsamer als andere Geschäftsfelder. Wir werden das Ergebnisniveau nicht als dauerhaften Zustand dulden“, rüffelte Finanzchefin Menne Spohr Ende Oktober öffentlich. Auf den Hinweis, der Abwesende könne sich nicht wehren, setzte Franz noch eins drauf und verglich Spohrs Stellung mit der von Swiss-Chef Harry Hohmeister, obwohl der vom Rang her eine Stufe unter Spohr steht und die Swiss nicht mal ein Viertel von Spohrs Bereich umsetzt. „Das war früher undenkbar“, urteilt ein Zeuge.

Die Rekorde des Dreamliners
Dreamliner Quelle: dapd
Dreamliner Quelle: REUTERS
Dreamliner Quelle: REUTERS
Dreamliner Quelle: AP
Auslieferungen des Dreamliners50 Dreamliner wurden bereits ausgeliefert. Die beiden japanischen Gesellschaften ANA (17) und JAL (7) kommen mit 24 Maschinen fast auf die Hälfte aller bisher gelieferten Jets. Darüber hinaus haben auch United Airlines, Air India (beide je 6), Qatar Airways (5), Ethiopian Airlines (4), LAN Airlines (3) und LOT aus Polen (2) die Boeing 787 in ihren Flotten. In Deutschland hat bislang keine Fluggesellschaft den Dreamliner. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt, die 2015 ausgeliefert werden sollen. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. Quelle: dpa
Vorstellung des DreamlinersAls der Dreamliner am 15. Dezember 2009 das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war zwar ein Meilenstein geschafft. Aber... Quelle: dpa
Dreamliner Quelle: dapd

Anfang November engagierte Franz dann die Beratung McKinsey zur Sanierung von Spohrs Reich. „Die sollen mit ihrem Image als Rausschmeißer wohl dafür sorgen, dass mehr Tabus fallen“, vermutet ein Berater von der Konkurrenz. Franz engagierte die „Meckies“ an Spohr vorbei, der das Mandat ausschreiben wollte – eine Klatsche. „McKinsey gilt in der Branche als rotes Tuch – die glänzen mehr durch Forschheit als durch Fachkenntnis“, sagt der Berater: „Wenn McKinsey-Leute nun gestandenen Lufthansa-Vorständen das Fluggeschäft erklären, könnte das ein paar gute YouTube-Videos abgeben.“

Spohrs Dilemma: „Macht das Fluggeschäft Verlust, kann er sich kaum offen widersetzen und aus Eitelkeit die Sanierung gefährden“, sagt ein Spitzenmanager. Aber er könne sich auch nicht durch radikalen Umbau „zu Franz’ Bluthund machen, ohne unbeliebt zu werden und seine Chancen auf den Chefposten zu schmälern“. Somit bleibt Spohr nur, weiter zu lavieren.

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Den Konflikt müsste der Aufsichtsrat lösen. Doch dort herrscht ausgerechnet jetzt ein Vakuum. „Aufsichtsratschef Weber kann sich zum Ende seiner Amtszeit im Mai 2013 offenbar nicht zu einem Machtwort entschließen, weil er dem designierten Nachfolger Wolfgang Mayrhuber nicht ins Handwerk pfuschen will“, klagt ein Top-Lufthanseat: „Doch noch ein halbes Jahr Sanierung mit angezogener Handbremse können wir uns nicht leisten.“

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