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Lufthansa Entscheidungstage für den Kranich

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Der Sparplan – und ein enormer Stellenabbau

Vorstandschef Spohr will den Anteilseignern ein Sparkonzept präsentieren. Darin wird es um Kürzungen im Flugbetrieb gehen, um den Verkauf von Unternehmensteilen, um energisches Verhandeln mit Zulieferern, um Verzicht beim Flugzeugkauf – und um einen gigantischen Stellenabbau. Denn den rechnerischen Überhang in der Coronakrise beziffert der Konzern auf 22.000 Vollzeitstellen, die Hälfte entfalle auf Deutschland. Zur Erinnerung: Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 138.000 Mitarbeiter weltweit. „Nach unseren aktuellen Annahmen über den Geschäftsverlauf der kommenden drei Jahre haben wir allein bei Lufthansa perspektivisch keine Beschäftigung für jeden siebten Piloten und jeden sechsten Flugbegleiter sowie zahlreiche Mitarbeiter am Boden“, sagte jüngst Personalvorstand Michael Niggemann. Lufthansa wolle aber möglichst viele Mitarbeiter halten und betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.

Wie tief die Einschnitte wirklich ausfallen werden, wird derzeit mit der Vereinigung Cockpit (VC) für die Piloten, der Flugbegleitergewerkschaft UFO und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verhandelt. Ergebnisse sollen eigentlich am Montag vorliegen. Aber selbst bis zum Dienstagmittag zeichnete sich noch keine Einigung bei den noch laufenden Verhandlungen mit VC und UFO ab.

Dass der Ausgang der Verhandlung schmerzhaft sein wird, ist unausweichlich.

Die Lufthansa musste in der Coronakrise ihr Flugprogramm maximal minimieren, Millionen gebuchte Tickets erstatten und zeitweise Verluste von bis zu einer Million Euro verbuchen – pro Stunde. Ein beispielloser Absturz, der die Airline auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte belasten wird, egal wie hart die Sparmaßnahmen ausfallen werden. Denn die Zukunft sieht düster aus.

Natürlich: Corona hat alle Airlines weltweit unvorbereitet vom Himmel geholt. Viele Konkurrenten aber werden wohl deutlich besser und schneller wieder in die Luft kommen. Echte Höhenflüge wird es auf längere Sicht ohnehin nicht geben, zu hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Urlauber und besonders Geschäftsreisende nicht sofort in Scharen zurück an Bord wollen. Die besten Chancen haben nach einer großen Analyse der WirtschaftsWoche Billigflieger wie Ryanair, Easyjet und Wizz Air. „Sie werden mit der neuen Lage besser zurechtkommen“, glaubt etwa Daniel Roeska, Analyst des New Yorker Brokerhauses Bernstein. Sie seien von weniger Schulden belastet, arbeiteten effizienter, stünden nicht so stark unter dem Einfluss der Politik – und dürften sich daher schneller erholen.

Die Aufräumarbeiten nach dem Corona-Schock

Da hilft es wenig, dass die Kunden schon jetzt ungeduldig und zornig werden. Angesichts Tausender gestrichener Flüge und geplatzter Reisen haben die Beschwerden von Verbrauchern über Fluggesellschaften und die Deutsche Bahn in der Corona-Zeit deutlich zugenommen, berichtete am Wochenende das Handelsblatt. Besonders in der Kritik steht dabei natürlich die größte Linie Deutschlands – mit der Abwicklung der zahlreichen Beschwerden und Forderungen ist sie offenbar völlig überfordert.

„Von einem Unternehmen wie der Lufthansa, das eine Milliardenhilfe des Staates bekommen soll, erwarte ich, dass es seine Kunden nicht im Regen stehen lässt“, sagte der tourismuspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Paul Lehrieder (CSU), dem Blatt. Tressel betonte, die Rückzahlung der Kundengelder müsse „eine Bedingung für jede staatliche Hilfe für Fluggesellschaften werden“. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller äußerte sich ähnlich.

Bis Donnerstag stehen der Lufthansa ereignisreiche Tage bevor. Danach fängt die Arbeit an.

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Die Coronakrise zerstört das Wachstumsdogma der Airlines. Kunden können kurzfristig mit Sonderangeboten rechnen – langfristig mit Abstrichen beim Service. Profitieren dürften Billigflieger und britische Linien.

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