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Lufthansa Details für neue Fluglinie, Streik kostete rund 100 Millionen Euro

Exklusiv

Lufthansa-Chef Christoph Franz will in der kommenden Woche dem Aufsichtsrat erstmals Details für die geplante neue Fluglinie für den Europaverkehr präsentieren.

Die größten Baustellen der Lufthansa
1. UnternehmensorganisationWährend andere Fluglinien wie British Airways bereits massiv Personal abgebaut haben, leistet sich die Lufthansa in vielen Bereichen Doppelarbeiten. So haben nicht nur das Fluggeschäft, sondern auch die großen Töchter wie das Wartungsgeschäft eigene große Hauptverwaltungen. Dazu werkeln etwa die EDV-Abteilung des Fluggeschäfts parallel zu den Fachleuten der konzerneigene IT-Tochter Lufthansa Systems und legen einander nicht selten eher Steine in den Weg als die beste Lösung zu suchen. Quelle: Reuters
2. UnternehmenskulturDie Lufthansa gibt fürs Personal pro Flugkilometer mindestens ein Drittel mehr aus als wichtige Wettbewerber. Das liegt unter anderem an vielen alten Privilegien. So hat die Linie aus ihrer Zeit als Behörde das System übernommen, dass die Gehälter steigen je länger ein Mitarbeiter zum Unternehmen gehört. Dazu ist die Lufthansa in den vergangenen Jahren eher durch Zukäufe als organisch gewachsen. Dadurch kamen vor allem besser bezahlte Mitarbeiter dazu und weniger Berufseinsteiger, die das Durchschnittsgehalt drücken. Quelle: dpa
3. Hohe Eigenständigkeit der Tochtergesellschaften Ob Frachtgeschäft, Cateringküchen oder Fluggeschäft: die einzelnen Tochtergesellschaften dürfen weitgehend ohne Vorgaben aus der Zentrale arbeiten. So leisten sich nicht nur alle Töchter eigene Einkaufsabteilungen, obwohl ein zentraler Einkauf in der Regel bessere Preise bekäme. Die einzelnen Fluglinien organisieren ihren Service auch nach eigenen Regeln. Statt den Ticketverkauf zentral zu koordinieren, jagen sich die einzelnen Gesellschaften gerade in Krisenzeiten gegenseitig Kunden ab. Quelle: Pressebild
4. Umständliche Fliegerei Billigflieger kommen mit ein oder zwei Flugzeugtypen aus und bekommen dadurch beim Einkauf, der Ausbildung des Personals und der Wartung der Maschinen Mengenrabatte. Die Lufthansa hingegen hat in ihrer Flotte mindestens zehn verschiedene Typen und fliegt entsprechend teurer. Quelle: dpa
5. Hohe Fertigungstiefe Während andere Fluglinien längst ihr Wartungsgeschäft und die Flugküchen abgestoßen haben, legt die Lufthansa Wert auf ihre Rolle als 'Aviationkonzern', zu deutsche: Komplettanbieter. Zwar verdienen die Töchter - allen voran die Werften der Lufthansa Technik - gutes Geld. Doch weil der Kranich seine Maschinen nicht zu anderen Werkstätten schicken kann, zahlt er dem Vernehmen nach im Schnitt mehr als andere Linien. Quelle: Pressebild
6. Zu einheitliches ProduktEgal ob innerdeutscher Kurzstreckenhüpfer oder eine lange Strecke nach Istanbul: Lufthansa will auf allen Strecken als Lufthansa mit einem Premiumprodukt präsent sein und nicht die konzerneigene Edel-Billiglinie Germanwings fliegen lassen – auch wenn die Kundschaft etwa von Köln nach Berlin vor allem preisbewusst Economy Class bucht und auf Lounges oder Schaumwein an Bord wenig Wert legt. Erste Ansätze, das zu ändern gibt es allerdings. Auf einigen Europastrecken übernimmt seit 1. Juli 2013 Germanwings bisherige Routen der Lufthansa. Quelle: dpa/dpaweb
7. Verlustbringende Zukäufe Dass Swiss als erste übernommene Fluglinie bis heute eine Ertragsperle ist, erweist sich im Nachhinein als Fluch. Denn die guten Zahlen der Schweizer ließen alle glauben, dass jeder Zukauf mit ein paar Umbauten zu einer kleinen Swiss werden kann. Doch stattdessen schreiben die Töchter wie Austrian Verluste oder drohen wie Brussels Airlines in die roten Zahlen zu rutschen. Quelle: AP

„Franz will dem Gremium erstmals Details vorstellen, wie er sich die Neuorganisation des hoch defizitären Fluggeschäfts abseits der großen Drehkreuze Frankfurt und München vorstellt“, erfuhr die WirtschaftsWoche aus arbeitnehmernahen Aufsichtsratskreisen. Gewerkschafter erwarten, dass Franz den Mitarbeitern „kaum akzeptable Opfer abfordern“ werde.

In dem neuen Geschäftsfeld mit dem Arbeitstitel „Direct4U“ will die Lufthansa den konzerneigenen Billigflieger Germanwings zusammenführen mit dem Verkehr, den der Konzern von und nach Städten wie Düsseldorf, Hamburg oder Berlin unter der Marke Lufthansa betreibt. Die neue Fluglinie, an der die Lufthansa seit Ende 2011arbeitet, soll bis zu 40 Prozent niedrigere Kosten haben als die heutige Lufthansa. Damit will der Konzern seine Chancen stärken im Wettbewerb mit den Billigfliegern wie Easyjet oder Ryanair.

Für hohe Mehrkosten hat laut Aufsichtsratskreisen der Ausstand der Flugbegleiter in den vergangenen Wochen gesorgt. Wie die Wirtschaftswoche aus den Kreisen erfuhr, könnte der Streik die Lufthansa bislang rund 100 Millionen Euro gekostet haben. Dafür sorgte neben den unmittelbaren Ausgaben etwa für Personal und Übernachtungen für gestrandete Passagiere auch, dass viele Kunden auch an streikfreien Tagen vorsichtshalber bei der Konkurrenz gebucht haben. Die Handhabung des Streiks durch die Lufthansa-Führung sorgt deshalb für Unmut in Teilen des Aufsichtsrats. „Franz und sein Team haben die Gewerkschaft unterschätzt und am Ende eine teure Niederlage eingefahren“, kritisiert ein Vertreter der Kapitalseite.

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