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Lufthansa Carsten Spohr - ein Jahr im Feuer

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Die fünf Ablenkungen

So sehr Spohr auch seine Agenda vorantrieb, fast immer blies ihm ein stärkerer Gegenwind als erwartet ins Gesicht. Das zwang den Lufthansa-Chef zu unliebsamen Steuerbewegungen und lenkte ihn von seinen eigentlichen Plänen ab:

Juni 2014, Finanzen

Fallende Gewinne erzwangen mehr Überzeugungsarbeit bei Investoren. Der Kurs der Aktie sackte seit seinem Amtsantritt von fast 20 auf zeitweise elf Euro. Denn Spohr kassierte die Gewinnprognosen des Konzerns. Wegen der Nullzinsen in Europa musste er mehr Geld in den Kapitalstock der Betriebsrenten packen. Dazu drückte die schwächelnde Konjunktur die Einnahmen der besonders auf ausländische Kunden angewiesenen Lufthansa. Zusätzlich sorgte in diesem Jahr das billige Öl für mehr Ausgaben, weil die Lufthansa ihren Spritbedarf zuvor zu höheren Preisen abgesichert hat.

September 2014, Belegschaft

Die Sparprogramme ärgerten die Mitarbeiter und zwangen Spohr zu ungewohnt intensiver Beziehungspflege. Statt Vorschusslorbeeren für den gelernten Piloten als Chef gab es von der Belegschaft die kalte Schulter. Die Piloten streikten zwölf Mal binnen Jahresfrist und auch Flugbegleiter und Bodenpersonal meuterten, weil immer mehr Strecken der Marke Lufthansa künftig von den Billigmarken mit deutlich schlechter bezahltem Personal geflogen werden sollen.

Herbst 2014, Service

Die Einsparungen beim Kundendienst, enger bestuhlte Maschinen und Knausern im Vielfliegerprogramm verärgerten die Kunden und nötigten Spohr zu mehr Werbetouren vor allem bei Großkunden. Dann sorgte der Übergang vieler Lufthansaflüge auf die Billigtochter Germanwings für weiteren Ärger, auch wenn es nur für Kunden mit den billigsten Tickets spürbare Veränderungen gab. Dass nun ab Herbst aus Germanwings Eurowings wird, überforderte endgültig die Geduld vieler Passagiere.

Januar 2015, Gegenwind aus der Politik

Immer mehr Auflagen erforderten zusätzliche Lobbyarbeit des obersten Lufthanseaten. Während Regierungen in den USA oder den Golfstaaten ihre Linien zumindest weniger behindern, wenn nicht gar offen unterstützen, hatte Spohr es schwerer. Trotz guter Vorzeichen wurde er die deutsche Sondersteuer auf Flugtickets ebenso wenig los wie die wachsenden Auflagen bei Flughafenausbau und Nachtflügen. Und trotz aller Anstrengungen wollten die Regierungen in Brüssel und Berlin den Hilfen von Etihad bei Air Berlin keinen Riegel vorschieben.

März 2015, Fragen zur Sicherheit

Der Absturz des Germanwings-Flugs schockierte nicht nur die Mitarbeiter. Die wochenlange Diskussion um mögliche Fehler bei der medizinischen Überwachung des selbstmordgefährdeten Co-Piloten nagte in den Augen vieler Kunden am zuvor makellosen Ruf der Lufthansa in Sachen Sicherheit.

So sehr der Absturz auch den Konzern erschüttert: Ausgerechnet dieser schlimmste Vorfall in der Konzerngeschichte beginnt nun die Wende einzuleiten.

Als erstes entspannte der Absturz das Verhältnis zwischen Spohr und der Belegschaft und hier besonders gegenüber den Piloten. „Galt zuvor, dass sich keiner mehr vorstellen konnte, wie der hoffnungslos verfahrene Konflikt entspannt werden konnte, erkannten nun alle: Es gibt größere Probleme als den alten Tarifzwist“, heißt es in Kreisen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. „Da drückten beide Seiten auf die große Pausentaste.“

Bereits in der vergangenen Woche bot VC-Chef Ilja Schulz öffentlich an, „neu über die Sachen nachzudenken.“ Kurz zuvor hatten seine Mitglieder zwei als weniger kampflustig geltende neue Vorstände gewählt. Dazu wurde klar, dass der als Hardliner – und rotes Tuch für Spohr  - bekannte Thomas von Sturm das VC-Gremium für die Tarifverhandlungen verlassen wolle.

Am vergangenen Mittwoch zog Spohr nach. Auf der Hauptversammlung der Lufthansa bot er an, nun über alle offenen Fragen im Rahmen einer Gesamtschlichtung zu reden. Dagegen hatte sich Spohr lange gewehrt, vor allem, weil er sich von den Piloten ungern in die Planung seines Billiggeschäfts reinreden lassen wollte. „Mitte Mai könnte die erste offizielle Runde starten“, erwartet ein Gewerkschafter.

Eine mögliche Einigung mit den Flugzeugführern wäre ein entscheidender Betrag bei der Sanierung und damit ein gutes Zeichen für seine gebeutelten Investoren. Denn ein neuer Tarifvertrag würde nicht nur für niedrigere Kosten bei Gehältern und Betriebsrenten sorgen. Die Hilfe der Piloten erlaubt auch neue sparsamere Arbeitsweisen, etwa wenn die Flugzeugführer bei Bedarf bei allen Konzerntöchtern fliegen dürfen statt wie bisher nur bei ihrer Marke. Dazu ist sogar wie in den USA eine gemeinsame politische Front gegen die staatlich geförderten Linien vom Golf möglich.

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