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Lufthansa-Einstieg in ItalienBleiben Sie hart, Herr Spohr!

Wenn für Lufthansa die Übernahme des Alitalia-Nachfolgers Ita ein Erfolg wird, muss der deutsche Marktführer die Linie umbauen – und sich in der römischen Regierung ein wenig unbeliebt machen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Rüdiger Kiani-Kreß 10.01.2023 - 16:10 Uhr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sollte sich beim Ita-Deal eine Ausstiegsklausel sichern.

Foto: dpa

Läuft alles wie geplant, erreicht Lufthansa-Chef Carsten Spohr bald sein unternehmerisches Traumziel. Denn bis Monatsende könnte der bekennende Italienfan endlich die dortige Staatslinie ITA übernehmen. Auf den ersten Blick geht mit dem Einstieg beim Alitalia-Nachfolger nach rund zwei Jahrzehnten eine Art dramatische Liebesgeschichte glücklich zu Ende, die zeitweise mehr an eine Verwechslungskomödie erinnerte als einen kühlen Businessdeal.

Doch auch wenn Lufthansa bereits ITA-Flüge vermarktet: Die Geschichte voller Leidenschaften, verschmähten Anträgen und in letzter Minute von übel meinenden Widersachern gestoppten Versuchen ist noch nicht vorbei. Sicher, die rechtsnationale Regierung unter Führung von Premierministerin Giorgia Meloni hat in einem Dekret zum Verkaufsprozess kurz vor Weihnachten die wichtigsten Forderungen der Deutschen praktisch akzeptiert. Danach bekäme Lufthansa auch mit einem Minderheitsanteil die faktische Kontrolle und müsste deutlich weniger zahlen als ursprünglich geplant. Doch nicht zuletzt die Erfahrung aus dem bisherigen Verkaufsprozess der ITA und zuvor von Alitalia zeigt, dass nichts wirklich sicher ist.

Denn Zusagen der einen Regierung wurden gebrochen, als die Regierung wechselte. Das kann wieder passieren, wenn Melonis Koalition endet, oder auch nur wackelt. Denn Luftfahrtunternehmen sind politisch besonders emotionale Betriebe. Sie repräsentieren nicht nur ihre Heimat und verbinden sie mit dem Rest der Welt. Wie die Lufthansa immer wieder erfahren hat, sind Airlines auch große Arbeitgeber mit starken Gewerkschaften, die sich öffentlichkeitswirksam gegen Veränderungen wehren können.

Und es stehen reichlich Veränderungen bei ITA an. Denn damit die Linie in der Lufthansa erfolgreich wird, so wie Swiss oder nach Jahren auch Austrian, muss das von der Beratung McKinsey begleitete Übernahme-Team sie genau in die Gruppe einpassen. Das geht nicht ohne Kürzungen und Umbauten. Doch die bisherigen Pläne der ITA-Führung weisen in eine andere Richtung.

Zwar ist die Linie auf einen Bruchteil der Alitalia geschrumpft, aber das bisherige Management will mit Rückendeckung der Regierung die Flotte bis 2025 von gut 60 Jets auf mehr als 100 Flugzeuge vergrößern. Das ist nicht nur der wohl ehrgeizigste Ausbauplan der Branche. Er kollidiert auch mit der Erholung der Lufthansa, die wohl auch 2025 kleiner ist als vor der Coronakrise.

Dazu geht es ums Geld. Der Ausbau ist letztlich die Ansage, dass sich ITA den an Billigflieger wie Ryanair und Easyjet verlorenen Verkehr innerhalb Europas in Teilen zurückholen will. Weil die Flugdiscounter jedoch extrem effizient arbeiten, geht das nur über Kampfpreise. Und die daraus resultierenden Verluste darf die Regierung wegen des EU-Beihilferechts nicht übernehmen und Lufthansa dürfte dazu ebenfalls nur sehr begrenzt bereit sein.

Zuletzt gibt es eine strategische Frage. ITA und Teile der Regierung möchten das Drehkreuz von Rom nach Mailand verlagern. Im Norden gibt es mehr gut zahlende Geschäftsreisende und dort lässt sich der Langstreckenverkehr Richtung USA und Asien besser sammeln. Doch Lufthansa hat sich den Markt Norditalien bereits über München oder Zürich gesichert. Für mehr Wachstum will Spohr eher Rom als Umsteigepunkt für Flüge nach Afrika oder Lateinamerika.

Am Ende bleibt für den Lufthansa-Chef nur eines: Die Übernahme akzeptieren und sich gleich unbeliebt machen. Denn er muss deutlich signalisieren, dass er in allen drei Punkten hart bleiben wird – weil er es muss. Und sich eine Ausstiegsklausel sichern.

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