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Lufthansa Der geborgte Boom

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"Fast schon eine Zeitenwende"

Fast neu für die Lufthansa ist dagegen das Entgegenkommen vieler Geschäftspartner - insbesondere das der Flughäfen. Mag die Kranichlinie auch nach außen hin immer wieder das Klagelied steigender Gebühren anstimmen. „Das Entgegenkommen von Frankfurt zuerst gegenüber Ryanair und in Folge dessen gegenüber der Lufthansa ist schon eine kleine Zeitenwende“, so ein Flughafenmanager.

Allerdings: Keine von Spohrs Aufschwung-Stützen steht auf sicheren Beinen. So erfolgreich die bisherigen Einsparungen auch waren, diese Früchte sind geerntet. Um mehr rauszuholen, müssten neue Ideen kommen - etwa beim Verkauf von Extras neben dem Ticket. Doch die bisherigen Angebote gerade über eine stärkere Digitalisierung sind vergleichsweise schwer umzusetzen. Zudem verlangen sie neue, schlankere Arbeitsweisen. Damit tut sich das Traditionsunternehmen Lufthansa noch schwer.

Dazu wecken die hohen Gewinne naturgemäß die Wünsche der Belegschaft nach höheren Gehältern. „Ertragsrekorde und Abbauprogramm passen nicht zusammen“,  heißt es etwa bei der Industriegewerkschaft Luftverkehr.

Zumindest ebenso schnell kann der Rückenwind durch externe Faktoren drehen. So halten Analysten ein weiteres Absinken des Ölpreises für unwahrscheinlich. Dagegen könnte es spätestens im nächsten Jahr nach oben und spürbar über die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar für die gängige Maßeinheit Barrel gehen.

Die Flugpreise sind bereits unter Druck geraten. Schon jetzt muss die Lufthansa für den Rest des Jahres ihre Tickets öfter als geplant mit Rabatt verkaufen. Das dürfte bald noch häufiger der Fall sein.

Der bislang fast zehn Jahre lange konjunkturelle Aufschwung könnte an Schwung verlieren, wenn sich EU und Großbritannien nicht auf einen Kompromiss beim Brexit einigen. Darunter würde die Lufthansa wohl nicht direkt leiden. Allerdings haben Billigflieger wie Ryanair und Wizzair angekündigt, ihre Flieger von den britischen Inseln aufs europäische Festland zu verlagern. Das würde die Preise weiter drücken. Dazu wird ein weiteres Vordringen der Langstreckenbilligflieger wie Norwegian oder der isländischen Wow Air für Überkapazität und Preiskampf auf dem Nordatlantik sorgen.

Wie real die Gefahr ist, zeigt die Lufthansaaktie. Bis Juli hatte sich der Kurs gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Seitdem ist er um mehr als zehn Prozent gefallen.

Daher wäre es keine Überraschung, wenn Spohr derzeit vor allem Kraft für den Herbst schöpft - und die Bilanz für die ersten neun Monate 2017 Ende Oktober kurz vor den bayerischen Herbstferien zur Beruhigung aller wieder selbst präsentiert.

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