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Lufthansa Neue Gebühr bestraft Fremdbucher

Die Lufthansa führt eine neue Extrabuchungsgebühr ein. Das könnte die Fluglinie eine Milliarde Euro Umsatz kosten – und Vielflieger ihre Privilegien bei Miles & More.

Lufthansas Extrabuchungsgebühr könnte das Unternehmen teuer zu stehen kommen. Quelle: dpa Picture-Alliance

Auf wenig reagiert Lufthansa-Chef Carsten Spohr so unwirsch wie auf den Vorwurf, er spare fast nur am Personal: „Wir können gar nicht anders, als in allen Bereichen effizienter zu werden.“ Sein jüngstes Sparprojekt trifft tatsächlich nicht die Belegschaft. Probleme macht es trotzdem: Statt hoher Ersparnisse drohen Umsatzverluste von mehr als einer Milliarde Euro. Und es steht Ärger mit Vielfliegern ins Haus, die Privilegien im Bonusprogramm Miles & More verlieren.

Anfang Juli hatte Spohr eine neue Gebühr für alle Lufthansa-Fluglinien verkündet. 16 Euro muss jeder Passagier zahlen, der vom 1. September an Flüge nicht online auf der Lufthansa Seite bucht, sondern über Reservierungssysteme wie Amadeus, die in Reisebüros, Konzernreisestellen und auf Urlaubs- Web-Sites Standard sind. Das soll gut jährlich 250 Millionen Euro Jahr bringen – ein Drittel des operativen Gewinns im Jahr 2014.

Dass Online-Reiseseiten wie Expedia über die Gebühr schimpfen, war abzusehen: Sie fürchten, dass andere Fluglinien nachziehen und Urlauber mit der Aussicht auf Ersparnis direkt auf ihre Seiten locken.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

Nun aber protestieren auch Lufthansas wertvollste Kunden. „Unsere Mitglieder haben in einer Umfrage die deutliche Bereitschaft gezeigt, Reisen zu anderen Airlines zu steuern, wenn Lufthansa die Pläne wie angekündigt umsetzt“, sagt Dirk Gerdom, Präsident des Geschäftsreiseverbands VDR und Vice President Global Mobility beim Softwareriesen SAP.

Lufthansa droht herber Umsatzverlust

Das träfe die Linie hart. Von den gut zwei Milliarden Euro, die die 550 VDR-Mitglieder der Lufthansa jährlich überweisen, könnten sie künftig bis zu 50 Prozent bei anderen Airlines lassen. Das brächte der Fluglinie gut eine Milliarde Euro Umsatzverlust, vor allem bei den teuren Tickets der First und Businessclass, ohne die sich fast kein Langstreckenflug rechnet.

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Der VDR-Schwenk träfe auch die Vielflieger im Lufthansa-Bonusprogramm Miles & More. Buchen ihre Arbeitgeber sie auf andere Linien, verlieren sie die begehrten Statuskarten mit bevorzugter Abfertigung oder Zugang zu Wartelounges mit Verpflegung. Nachgeben will Lufthansa nicht. „Wir rechnen nicht mit weniger Buchungen“, sagt Vertriebschef Jens Bischof. Er verweist darauf, dass Lufthansa als Amadeus-Alternative künftig eigene Firmen-Web-Seiten anbietet.

Das ist dem VDR zu wenig. Auf den LH-Firmenseiten müssten die Unternehmen Daten für Abrechnung oder Verwaltung manuell eingeben. „Das wäre ein Aufwand in mehrstelliger Millionenhöhe“, erwartet Ralph Rettig, VDR-Vize und Reisemanager beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen.

So droht Spohr eine Machtprobe wie mit den Piloten. „Nur haben bisher Firmenkunden anders als die Piloten solche Konflikte immer gewonnen“, so ein Branchenkenner.

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