Lufthansa-Streik Billigjobs oder gar keine Jobs

Die Lufthansa-Beschäftigten müssen eine Abwertung ihrer Jobs und niedrigere Gehälter hinnehmen. Der Streik wird daran nichts ändern – sonst sind die Arbeitsplätze in Gefahr.

Für die Lufthansa-Beschäftigten gibt es nur eine Alternative zu niedrigeren Löhnen. Quelle: dpa

Lufthansas Kabinenpersonal als „fliegende Kellner“ zu bezeichnen galt als verpönt. Schon vom Gehalt her wurden die Flugbegleiter mit dem Kranich an der Uniform als qualifizierte Facharbeiter für Sicherheit und Service eingestuft.

Künftig ist der Begriff – schon vom Gehalt her – wohl angemessen. Denn auch wenn sich die Flugbegleiter der Lufthansa-Gruppe durch den für heute angekündigten Streik gegen die Abwertung ihrer Jobs und Gehälter wehren: Am Ende werden die meisten von ihnen künftig kaum besser bezahlt als Kellner, und das ohne Trinkgeld. Ihre Tätigkeit wird von einer Lebensstellung mit Rentenanspruch und Absicherung bei Arbeitsunfähigkeit zum Job auf ein paar Jahre.

Das liegt nicht an Konzernchef Carsten Spohr, auch wenn ihn die Gewerkschaft angesichts des diesjährigen Rekordgewinns als herzlosen Aktionärsbüttel darstellt, der Mitarbeiter mit rüden Methoden in Zweitjobs und Altersarmut zwingt. Schuld ist schlicht der Markt, zuvorderst die effizienteren Konkurrenten. Ausländische Wettbewerber, allen voran Billiglinien wie Ryanair, fliegen günstiger, weil bei ihnen die von den Lufthanseaten so heftig verteidigten Gehälter und Betriebsrenten noch nie galten. Und uns Kunden ist der teuer produzierte Service einer Lufthansa eben keinen nennenswerten Aufpreis mehr wert. Hinzu kommt – und das hat nichts mit Markt zu tun –, dass viele Staaten ihre Airlines subventionieren.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

Für die Lufthansa-Beschäftigten gibt es nur eine Alternative zu niedrigeren Löhnen: weniger Jobs, durch Streichung unrentabler Flüge wie bei Air France oder durch Verlagerung von Strecken auf schlechter zahlende Lufthansa-Töchter wie Swiss und Austrian. Die Veränderungen kämen im Galopp und erstmals in der Konzerngeschichte mit Kündigungen im großen Stil. Damit verengt sich für die Flugbegleiter das komplizierte Problem auf eine einfache Frage: Soll Lufthansa künftig vor allem Billigpersonal einstellen – oder gar keins mehr?

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