Lufthansa-Streik Flugbegleiter drohen mit weiteren Ausständen

Nach dem härtesten Streik in der Lufthansa-Geschichte können Fluggäste aufatmen - vorerst. Denn auf einer Abschlussdemonstration droht die Gewerkschaft Ufo schon wieder mit neuen Streiks.

Momentaufnahme der Demo am Freitag - Ufo droht der Lufthansa schon mit neuen Streiks. Quelle: REUTERS

Zum Abschluss ihres Rekordstreiks haben die Flugbegleiter der Lufthansa mit neuen Arbeitsniederlegungen gedroht. Der Vorstand müsse ein deutliches Zeichen für eine neue Führungskultur setzen, verlangte der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, am Freitag bei der Kundgebung zum Streikabschluss vor der Frankfurter Konzernzentrale. „Wenn sich nichts ändert, sind jederzeit Streiks wieder möglich“, sagte er unter dem Jubel der Menge.

Ein konkretes Datum nannte Baublies nicht. Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens forderte die Belegschaft auf, gemeinsam zu Lösungen zu kommen. „Wir wollen eine starke Lufthansa.“ Finanzvorstand Simone Menne führte aus, dass die zuletzt gestiegenen Gewinne des Dax-Konzerns allein auf die günstige Entwicklung des Ölpreises zurückzuführen sei, nicht auf Einsparungen beim Personal.

Zu der Kundgebung nach sieben Streiktagen hatten Ufo und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) aufgerufen, während von Verdi nur einzelne Mitglieder ohne Vorstandsaufruf ihre Solidarität mit den Streikenden kundtaten. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf insgesamt etwa 1000.

Essen und Getränke – nach drei Stunden Wartezeit
Grundsätzlich gibt es nur dann Geld, wenn die Fluggesellschaft für die Verspätungen, Umbuchungen oder Flugannullierungen selbst verantwortlich ist. Beispiele sind etwa technische Probleme oder Schwierigkeiten, rechtzeitig Crews vor Ort zu schaffen. Quelle: REUTERS
Doch nicht für alles können die Airlines in die Pflicht genommen werden. Kein Anspruch auf Entschädigung besteht etwa bei Streiks oder Verzögerungen durch Wetter. Quelle: dpa
Vorhersehbare Folgen der Witterung, auf die Airline reagieren kann, setzen die Fluggastrechte nicht außer Kraft. Kommt es zum Beispiel bei der Enteisung der Maschinen zu Verzögerungen, müssen die Fluggesellschaften zahlen. Quelle: dpa
Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach der Strecke, die geflogen wird. Das meiste Geld gibt es bei Langstrecken ab 3500 Kilometern. Dann kann der Fluggast 600 Euro fordern. Bei Strecken zwischen 1500 und 3500 Kilometern werden 400 Euro fällig, darunter 200 Euro. Quelle: dpa
In allen Fällen gilt: Geld gibt es erst dann, wenn die Verspätung mindestens drei Stunden beträgt. Quelle: dpa
Auch bei Verspätungen etwa wegen des Wetters oder wegen eines Streiks haben bestimmte Fluggäste Rechte. So müssen sie ausreichend mit Essen und Getränken versorgt werden. Zudem haben sie das Recht auf ein kostenloses Telefonat. Bei sehr langen Wartezeiten muss sogar eine Hotelübernachtung gestellt werden. Quelle: AP
Die genannte Unterstützung richtet sich nach der Flugstrecke und der Dauer der Verspätung. Die Regel greift bei Kurzstrecken unter 1500 Kilometern erst ab einer Wartezeit von zwei Stunden, zwischen 1500 bis 3500 Kilometern ab drei Stunden und bei noch längeren Flügen nach vier Stunden. Quelle: dpa

Eine Lösung in dem Konflikt ist nach Ansicht von Lufthansa-Vorstand Karl Ulrich Garnadt ohne Vermittlung durch Dritte nicht machbar. „Ohne Mediator werden wir es nicht schaffen“, sagte Garnadt auf der Jahrestagung des Luftfahrt-Presse-Clubs am Freitag in Köln. „Wir können den Mitarbeitern die Besitzstände nicht einfach wegnehmen.“ Es ginge für die Lufthansa aber jetzt darum, Bedingungen zu schaffen, die das Unternehmen sich noch in zwanzig oder dreißig Jahren leisten könne. Das sei aber nicht möglich mit den Konditionen, die noch von 1960 stammten.

Die Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle forderte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erneut einen runden Tisch zu den offenen Rentenfragen, um die sich auch der Flugbegleiter-Streik dreht. Teilnehmen sollten das Unternehmen und die drei Gewerkschaften Ufo, VC und Verdi, sagte das Verdi-Vorstandsmitglied. Dazu habe es im April erste Sondierungen gegeben, die aber nicht weiter verfolgt worden seien. Verdi habe von Beginn an gefordert, die Dinge gemeinsam zu lösen, die alle Beschäftigten angehen. Das sei bei den Betriebsrenten der Fall. Die Übergangsversorgung für den Vorruhestand gibt es hingegen nur für das fliegende Personal.

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Die Lufthansa will nach Angaben von Volkens den Vorschlag prüfen. Das Unternehmen wolle zu einer Lösung am Verhandlungstisch kommen. „Wir wollen, dass Sie Teil der Zukunft der Lufthansa sind“, rief die Personalchefin den Demonstranten zu.

Der Streik sollte in der Nacht zum Samstag auslaufen, wie Baublies noch einmal erklärte. Die Lufthansa musste wegen des am Freitag vergangener Woche gestarteten Ausstands rund 4700 Flüge streichen, auf die mehr als 550 000 Passagiere gebucht waren. Am Wochenende wollte Lufthansa möglichst schnell wieder zum Normalbetrieb zurückkehren und insbesondere sämtliche Langstreckenverbindungen in die Luft bringen. Auf Kurz- und Mittelstrecken könne es allerdings noch vereinzelte Ausfälle geben, sagte ein Unternehmenssprecher.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr konnte auf die Proteste nicht direkt reagieren. Der Vorstandsvorsitzende nehme in Paris an den Ehrungen für die Helfer der Germanwings-Katastrophe teil, wie ein Sprecher bestätigte.

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