Lufthansa-Streik Jetzt haben die Piloten selbst das Kabinenpersonal gegen sich

Erneut droht die Vereinigung Cockpit der Lufthansa mit Streik. Das stößt selbst Gewerkschafts-Kollegen sauer auf. Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals, UFO, findet kritische Worte für die Drohung zur 13. Streikrunde.

Die Flugbegleiter der Lufthansa fürchten bei neuen Streiks der Piloten einen Jobabbau. Quelle: dpa

Die Lufthansa-Führung ist sauer, die Passagiere sind genervt. Und nun reagieren auch die Vertreter der Kabinen-Crews gereizt. Zu den jüngsten Streikdrohungen der Vereinigung Cockpit (VC) findet die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO deutliche Worte. 

Dass es keinen Einstieg in die Verhandlungen zu einer Gesamtlösung gegeben hat, sei “nicht hilfreich” wettert Uwe Hien, Tarifverantwortlicher bei UFO. “Verhärtete Positionen, die weiter einzementiert werden, führen letztlich dazu, dass Arbeitsplätze der gesamten Lufthansa bedroht werden. In diesen turbulenten Zeiten des Konzernumbaus braucht es einen starken Einigungswillen auf beiden Seiten des Verhandlungstisches.“ Es bestünde die Gefahr, so Hien, dass weitere Arbeitskämpfe als einzige Antwort die Richtung der arbeitgeberseitigen Hardliner im Konzern unnötig befeuert. 

Mit anderen Worten: Das starrsinnige Verhalten der Piloten gefährdet in den Augen des UFO-Gewerkschafters die finanzielle Lage des Konzerns - und damit auch Arbeitsplätze, die rigiden Sparmaßnahmen zum Opfer fallen könnten.

Piloten-Streiks bei der Lufthansa

Dass UFO öffentlich so auf Distanz zu Cockpit geht, überrascht. Auch zwischen dem Kabinenpersonal und der Kranichlinie drohte noch im Juni die Eskalation des lange schwelenden Tarifkonflikts. Der gemeinsame Feind schien mit Konzernlenker Carsten Spohr ausgemacht. 

Doch die als gemäßigt geltende Kabinen-Gewerkschaft und der Luftfahrt-Konzern kehrten ohne Streik an den Verhandlungstisch zurück. Einen Ort, an dem zuletzt auch Lufthansa und VC aufeinander trafen. 

Sah es im August noch so aus, als könnten sich beide Seiten einigen, ist nun klar: die Fronten sind verhärtet. Zwar hat VC der Lufthansa nach eigenen Angaben Einsparmöglichkeiten in Höhe von einer halben Milliarde Euro angeboten. Doch in mindestens einem entscheidenden Punkt war bislang keine Einigung zu erzielen. 

Der Streit dreht sich nur zum Teil um die Frage, bis zu welchem Alter Lufthansa-Piloten fliegen müssen, ehe sie in den finanziell gesicherten Vorruhestand gehen können - und wie der Job vergütet wird. VC kritisiert auch, dass Flugzeuge im Rahmen des Konzernumbaus bei der Lufthansa ins Ausland ausgeflaggt werden. Damit würden nämlich auch Arbeitsplätze aus Deutschland verschoben werden - und dadurch aus der Tarifbindung fallen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Im Juli hatte VC angeboten, innerhalb des Lufthansa-Tarifvertrags niedrigere Gehaltstarife für Piloten der geplanten Billig-Plattform Eurowings zu akzeptieren, aber darauf bestanden, dass Lufthansa die geplante Ausflaggung von Fliegern an ausländische Gesellschaften aufgibt. In diesem Punkt scheint es auf beiden Seiten keine Bewegung zu geben. 

Lufthansa-Chef Spohr hat bereits deutlich gemacht, dass er so schnell nicht klein beigeben wird. “Ich hoffe, es wird keine neuen Streiks geben; aber wenn wir das durchstehen müssen, um das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen, dann werden wir das tun", sagte er am Mittwoch. 

Machen die Piloten ernst, wäre es der 13. Streik seit April 2014. Die Gewerkschaft will den neuerlichen Arbeitskampf wie bislang einen Tag zuvor ankündigen. In bisherigen zwölf Streikrunden hat sie dem Unternehmen nach Lufthansa-Angaben mehr als 300 Millionen Euro Schaden zugefügt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%