Lufthansa-Streik Tarifkonflikt mit Schlichterspruch beigelegt

Der Tarifkonflikt zwischen Lufthansa und der Kabinengewerkschaft Ufo ist beigelegt. Die Gewerkschaft muss sich das Ergebnis allerdings noch per Urabstimmung bestätigen lassen.

Die größten Baustellen der Lufthansa
1. UnternehmensorganisationWährend andere Fluglinien wie British Airways bereits massiv Personal abgebaut haben, leistet sich die Lufthansa in vielen Bereichen Doppelarbeiten. So haben nicht nur das Fluggeschäft, sondern auch die großen Töchter wie das Wartungsgeschäft eigene große Hauptverwaltungen. Dazu werkeln etwa die EDV-Abteilung des Fluggeschäfts parallel zu den Fachleuten der konzerneigene IT-Tochter Lufthansa Systems und legen einander nicht selten eher Steine in den Weg als die beste Lösung zu suchen. Quelle: Reuters
2. UnternehmenskulturDie Lufthansa gibt fürs Personal pro Flugkilometer mindestens ein Drittel mehr aus als wichtige Wettbewerber. Das liegt unter anderem an vielen alten Privilegien. So hat die Linie aus ihrer Zeit als Behörde das System übernommen, dass die Gehälter steigen je länger ein Mitarbeiter zum Unternehmen gehört. Dazu ist die Lufthansa in den vergangenen Jahren eher durch Zukäufe als organisch gewachsen. Dadurch kamen vor allem besser bezahlte Mitarbeiter dazu und weniger Berufseinsteiger, die das Durchschnittsgehalt drücken. Quelle: dpa
3. Hohe Eigenständigkeit der Tochtergesellschaften Ob Frachtgeschäft, Cateringküchen oder Fluggeschäft: die einzelnen Tochtergesellschaften dürfen weitgehend ohne Vorgaben aus der Zentrale arbeiten. So leisten sich nicht nur alle Töchter eigene Einkaufsabteilungen, obwohl ein zentraler Einkauf in der Regel bessere Preise bekäme. Die einzelnen Fluglinien organisieren ihren Service auch nach eigenen Regeln. Statt den Ticketverkauf zentral zu koordinieren, jagen sich die einzelnen Gesellschaften gerade in Krisenzeiten gegenseitig Kunden ab. Quelle: Pressebild
4. Umständliche Fliegerei Billigflieger kommen mit ein oder zwei Flugzeugtypen aus und bekommen dadurch beim Einkauf, der Ausbildung des Personals und der Wartung der Maschinen Mengenrabatte. Die Lufthansa hingegen hat in ihrer Flotte mindestens zehn verschiedene Typen und fliegt entsprechend teurer. Quelle: dpa
5. Hohe Fertigungstiefe Während andere Fluglinien längst ihr Wartungsgeschäft und die Flugküchen abgestoßen haben, legt die Lufthansa Wert auf ihre Rolle als 'Aviationkonzern', zu deutsche: Komplettanbieter. Zwar verdienen die Töchter - allen voran die Werften der Lufthansa Technik - gutes Geld. Doch weil der Kranich seine Maschinen nicht zu anderen Werkstätten schicken kann, zahlt er dem Vernehmen nach im Schnitt mehr als andere Linien. Quelle: Pressebild
6. Zu einheitliches ProduktEgal ob innerdeutscher Kurzstreckenhüpfer oder eine lange Strecke nach Istanbul: Lufthansa will auf allen Strecken als Lufthansa mit einem Premiumprodukt präsent sein und nicht die konzerneigene Edel-Billiglinie Germanwings fliegen lassen – auch wenn die Kundschaft etwa von Köln nach Berlin vor allem preisbewusst Economy Class bucht und auf Lounges oder Schaumwein an Bord wenig Wert legt. Erste Ansätze, das zu ändern gibt es allerdings. Auf einigen Europastrecken übernimmt seit 1. Juli 2013 Germanwings bisherige Routen der Lufthansa. Quelle: dpa/dpaweb
7. Verlustbringende Zukäufe Dass Swiss als erste übernommene Fluglinie bis heute eine Ertragsperle ist, erweist sich im Nachhinein als Fluch. Denn die guten Zahlen der Schweizer ließen alle glauben, dass jeder Zukauf mit ein paar Umbauten zu einer kleinen Swiss werden kann. Doch stattdessen schreiben die Töchter wie Austrian Verluste oder drohen wie Brussels Airlines in die roten Zahlen zu rutschen. Quelle: AP

Nach einem langen und harten Arbeitskampf hat die Lufthansa einen neuen Tarifvertrag mit ihren Flugbegleitern geschlossen. Das Unternehmen und die Kabinengewerkschaft Ufo stimmten dem Schlichterspruch des ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup zu, der seit September den Konflikt schlichtet. Zuvor hatten die Flugbegleiter die Airline schon dreimal bestreikt. Erneute Streiks sind noch nicht vom Tisch, denn die Ufo-Mitglieder müssen den Schlichterspruch in einer Urabstimmung noch annehmen. 50 Prozent von ihnen müssen bis zum 10. Dezember zustimmen.

Die Flugbegleiter erhalten neben einer Einmalzahlung von 320 Euro in Summe Gehaltssteigerungen von knapp vier Prozent. Überproportional profitieren kurzfristig Beschäftigte, weil die Eingangsstufen abgeschafft werden. Zusätzlich gibt es einen Kündigungsschutz bis Ende 2014 und Bestandsschutz für Kollegen, die zur Billigtochter Germanwings wechseln müssen. "Das ist gerade in Zeiten, wo in anderen Teilen des Konzerns Arbeitsplätze abgebaut werden, sehr wichtig" sagte Nicoley Baublies, Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo.

Die Stewardessen erhalten außerdem ab Januar 2013 eine Lohnerhöhung von 3,95 Prozent für zwei Jahre. Die Lufthansa hält den Abschluss für teuer erkauft. "Der Kompromiss ist für die Lufthansa sehr schmerzhaft", sagte Lufthansa-Passagevorstand Peter Gerber. Die Mehrkosten beliefen sich für den Konzern brutto auf 33 Millionen Euro - allein für den Streik im Spätsommer.

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Ein Zustimmung der Flugbegleiter zum Deal wird allerdings nicht einfach, denn die Stimmung ist gereizt. Der strikte Sparkurs, den die Airline verfolgt, wurde zuletzt sogar noch verschärft. Die Airline will einen Teil ihres Europaverkehrs von der Billigtochter Germanwings erledigen lassen. Dort verdienen die Bordkräfte weniger als beim Mutterkonzern. Außerdem werden wegen der Kürzung der Flugkapazitäten noch 2000 Flugbegleiter weniger gebraucht.

Die Gewerkschaft hatte Gehaltserhöhungen von fünf Prozent bei einer Laufzeit von 15 Monaten gefordert. Dagegen hatte die Lufthansa eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten.


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