Lufthansa und Eurowings Der große Wandel hat begonnen

Die Lufthansa ist derzeit im Aufwind, das zeigen die Quartalszahlen: Im Sommer lief es besser als erwartet. Jetzt aber geht es erst richtig rund: Der Konzern steckt mitten im Umbau und mit dem Start der neuen Eurowings läuft eine große Wette auf die Zukunft. Was das für Passagiere, die Konkurrenz und Lufthansa selbst bedeutet.

Lufthansa-Tochter Eurowings sorgt für gute Stimmung in der Luft. Quelle: dpa/Montage

Wie sieht es derzeit bei der Lufthansa aus?
In den wichtigen Sommermonaten hat sich Deutschlands größte Airline gut geschlagen, das geht aus den jüngsten Quartalszahlen hervor. Die Flieger waren voll, der Sprit billig - der Betriebsgewinn stieg um 51 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Der Konzern hebt sogar die Jahresprognose an. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) soll ohne die Kosten von Streiks dieses Jahr nun auf 1,75 Milliarden Euro bis 1,95 Milliarden Euro steigen. Der Chef der Airline zeigt sich höchst zufrieden. „Die Neuausrichtung der Lufthansa Group materialisiert sich nun auch in guten Ergebnissen“, sagte Carsten Spohr. „Keine Frage, der niedrige Ölpreis hat diese Entwicklung begünstigt, die Verbesserung geht aber über diesen Effekt hinaus.“
An der Börse sah es schon in den vergangenen Wochen wieder besser aus. Nach einem Kurstief von gerade mal 10,25 Euro Ende August, notiert die Aktie derzeit wieder jenseits der 14-Euro-Hürde und immer mehr Analysten empfehlen das Papier auch wieder zum Kauf. Am Morgen nach Bekanntgabe der Quartalszahlen drehten die Aktien nach einer positiven Handelseröffnung allerdings ins Minus und verloren am Donnerstag 4,1 Prozent auf 13,70 Euro.

Also ist alles prima?
Nein. So gut die jüngsten Zahlen auch sind, Deutschlands größte Airline steht unter Druck. Zwar dürfte am Jahresende mit rund eineinhalb Milliarden Euro Gewinn mehr Geld in der Kasse bleiben als in den vergangenen Jahren. Doch das ist zu wenig, um die nötigen Ausgaben für neue Flugzeuge und besseren Service zu finanzieren. Die sind aber nötig, um einigermaßen gegen die wachsende Konkurrenz bestehen zu können. “Wir müssen um mindestens so viel besser sein wie wir wegen der höheren Kosten am Standort Deutschland teurer sein müssen”, lautet die Vorgabe von Konzernchef Carsten Spohr.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa


Die Lufthansa wird von den Golf-Carriern Emirates, Etihad und Qatar sowie den mächtigen US-Airlines einerseits und Billigfliegern vom Typ Ryanair andererseits in die Zange genommen. Der Wettbewerb verschärft nicht nur den Kampf um jeden Kunden, er lässt die Ticketpreise im Schnitt um bis zu drei Prozent im Jahr fallen. “Wir müssen uns modernisieren“, hat Carsten Spohr zuletzt. Stimmen die Rahmenbedingungen nämlich irgendwann nicht mehr, steht Lufthansa mit runtergelassenen Hosen da.

Wie reagiert Lufthansa auf diesen Druck?
Mit einer der größten Umbau-Aktionen der Firmengeschichte. Was sich schon Spohrs Vorgänger im Amt auf die Fahnen geschrieben hatten, setzt der studierte Wirtschaftsingenieur um: der Konzern-Riese soll endlich kundenfreundlicher, schlanker und flexibler werden. Spohr will die die Kosten der Fluggesellschaft senken und sie stärker zentralisieren. Allein die Umstrukturierung des Managements - 150 Stellenstreichungen inklusive - soll bis 2019 die jährlichen Kosten um eine halbe Milliarde Euro senken.


Die nach außen auffälligsten Entwicklungen betreffen die beiden wichtigsten Marken: Die Kernmarke Lufthansa soll dank einiger Innovationen ihren Ruf als Qualitätslinie aufrechterhalten und möglichst noch in diesem Jahr die Höchstwertung “Fünf Sterne” des renommierten britischen Marktforschers Skytrax erhalten - als erste Linie in Europa. Dazu will Spohr über einen Ausbau der Billigmarke Eurowings neue Kunden gewinnen, die Billig-Angreifer abwehren sowie mit Hilfe der neuen Langstrecken-Plattform, wie es ein Lufthansa-Manager ausdrückt, “die Kunden wieder aus den A380 von Emirates locken”.

Das kosten Billig-Tickets im Schnitt



Durchschnittspreise für Tickets im Frühjahr 2015

Quelle:LowCostMonitor 2015 DLR // Stand Januar 2015



Was steckt hinter Eurowings?
Für Konzernchef Spohr ist Eurowings eine Revolution. Unter dem Namen der bislang vor allem im Regionalverkehr aktiven Tochter will er eine mächtige Billig-Airline erschaffen. Die neue Eurowings soll mit einer Flotte von zunächst rund 100 Jets Europas drittgrößte Billiglinie werden und das traditionelle Fluggeschäft der Lufthansa als eine zweite Säule ergänzen, auch wenn sie neben den gut 400 Fliegern der Kranich-Marke noch etwas mager anmuten mag. Eurowings ist Spohrs große Wette auf die Zukunft: Hier soll künftig das Wachstum stattfinden.

Was passiert mit Germanwings?
Mit dem Wechsel auf den Winterflugplans am vergangenen Sonntag ist das Geschäft der bisherigen Lufthansa-Billigtochter auf Eurowings übergegangen. Germanwings bleibt als eine Plattform, weil Spohrs Vorgänger dies den Piloten vor ein paar Jahren praktisch garantierte. Doch wenn die Piloten mit der Zeit auf Jobs bei der Marke Lufthansa wechseln oder das Unternehmen verlassen, sinkt die Zahl der Germanwingsflieger und verschwindet ganz. “Spätestens in fünf Jahren wird es unter der Marke Germanwings keine Flüge mehr geben“, sagte Lufthansavorstand Karl Ulrich Garnadt zuletzt im Interview mit der FAZ.
Ohnehin wird die die neue Billiglinie die alte an Größe und Bedeutung übertrumpfen. Anders als Germanwings fliegt Eurowings zum Beispiel nicht nur innerhalb Europas sondern auch auf der Langstrecke - in der Wintersaison 2015/2016 stehen Ziele in der Karibik, Asien sowie Dubai auf dem Plan.

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