Lufthansa unterliegt bei Ita Airways: „Jeder, der diese Airline nicht bekommt, kann sich glücklich schätzen“
Weg ist der Flieger: Lufthansa unterliegt bei ITA Airways Gebot.
Foto: imago imagesAls Carsten Spohr heute Morgen die Nachricht bekam, dass er wider Erwarten nun doch nicht die italienische Staatslinie Airways kaufen darf, hatte Hans Rudolf Wöhrl einen besonderen Trost. „Jeder der diese Airline nicht bekommt, kann sich glücklich schätzen“, postete der fränkische Unternehmer im Forum einer Fachzeitschrift. Wöhrl sollte es wissen, denn er gehört dank der Übernahmen etwa der Deutschen BA oder des Ferienfliegers LTU zu den erfahrensten Airline-Käufern.
Auch wenn sich Wöhrl nicht genau zu den Gründen geäußert hat, ahnen Branchenkenner, warum die geplatzte Übernahme für die Lufthansa keine Niederlage ist. „Ich höre hier in der Verwaltung keine Entsetzensschreie“, sagt ein Insider. „Denn ein Einstieg wäre unter den jetzigen Umständen mehr Ärger als er Wert ist.“
Zwar hätte sich die Lufthansa mit der Übernahme eine starke Stellung im nach Deutschland und Großbritannien drittwichtigsten Reisemarkt in Europa gesichert. Insbesondere die vielen Geschäftsreisenden im Norden des Landes hätte der immer noch ertragsschwache Konzern gut brauchen können. Denn das würde den Rückgang in seinem Kerngeschäft Business Travel wettmachen.
Doch die Einnahmen hätte die Lufthansa wohl teuer erkaufen müssen. Als die Frankfurter Airline im vorigen Jahr ihren Einstieg bei Ita avisierte, war klar, dass der sich nur rechnet, wenn die deutsche Airline die Abläufe bei Ita ändern und auf eine Art Fernsteuerung aus ihrer Frankfurter Zentrale umstellen kann. Das gilt jedoch als fast unmöglich. Denn laut ihrem Übernahmekonzept hätte Lufthansa nur 20 Prozent des Unternehmens gekauft. 60 Prozent hätte die italienisch-schweizer Reederei MSC gehalten und weitere 20 Prozent der italienische Staat.
Und der dürfte sich künftig stärker einbringen als bisher erwartet. Denn nach Lage der Dinge könnte nach den Neuwahlen Ende des Monats eine Allianz der rechten Parteien die Regierung stellen, unter Führung von Giorgia Meloni und ihrer Post-Faschistischen Partei „Fratelli d‘Italia“ (übersetzt: Brüder Italiens). Und die wollte Ita eigentlich gar nicht verkaufen. Nun hat sie angedeutet, zumindest die Kontrolle nicht an ausländische Investoren zu geben. „Da hätte die Lufthansa dann wohl wegen jeder Kleinigkeit in Rom fragen müssen", sagt ein Insider. "So lässt sich kein Unternehmen führen.“
Zumal größere Umbauten nötig sind. Denn Ita verliert derzeit reichlich Geld. Und die Aussichten sind angesichts der unsicheren Konjunktur eher düsterer geworden.
Darum kann Spohr wohl gut damit leben, dass er nicht zum Zug kommt. Zwar kann die Lufthansa jetzt weniger stark wachsen als geplant. Aber der italienische Markt wäre ohnehin nicht ganz verloren. Denn auch das Gewinnerkonsortium um den Finanzinvestor Certares und Air France wird die gleichen Probleme mit der Regierung in Rom haben und Ita nicht umbauen können, wie es nötig wäre. Damit könnte die Linie bald wieder ähnliche Verluste schreiben wie Alitalia. Dann müsste sie die Wachstumspläne stoppen wie den Aufbau der Langstrecke von heute 15 auf 35 Langstrecken-Flugzeuge. Am Ende könnte ITA sogar schrumpfen oder gar ganz verschwinden. Dann nämlich, wenn die nötigen Hilfen selbst einer nationalistischsten Regierung zu teuer wären – oder weil die EU wie schon bei Alitalia weitere Subventionen untersagt.
Darum kann Spohr erstmal abwarten – und sich um andere Dinge kümmern. „Das Management hat angesichts des aktuellen Flugchaos, der möglichen Streiks sowie dem Mix aus Inflation und schwächelnder Konjunktur ja auch ohne eine Übernahme genug zu tun", sagt ein Insider.
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