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Lufthansa Chaos und Halbwahrheiten

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Verdrängtes Thema

Lufthansa Quelle: dpa

Daran schüren die Gerüchte nun die Zweifel. Denn das jetzt vorgestellte Konzept vom Umbau mit weniger und schlechter bezahltem Personal erinnert an die US-Linien und hat dort zwar zu niedrigeren Preisen, aber zu schlechterem Service geführt. Und so sehr Konzernchef-Franz oder Carsten Spohr als Leiter des Fluggeschäfts auch das Gegenteil beschwören, im Alltag ist der Eindruck ist ein anderer. Mangels einer klaren Kommunikation bleibt hängen: Da werden mal eben quasi über Nacht die Preise für Gratisflüge im Bonus-Programm Miles & More angehoben. Und wenn sich die Betroffenen beschweren, gibt es keine Entschuldigung und Kulanzangebote, sondern eine ungewohnte Hartherzigkeit.

Auch beim Eindruck, Lufthansa werde zum Billigflieger, ließ Lufthansa Halbwahrheiten ins Kraut schießen. Auch wenn Germanwings alteingessenen Lufthanseaten und Senator-Vielfliegern für etwas minderwertiges halten – die Linie ist kaum mit Ryanair vergleichbar. Wer zuzahlt, bekommt einen besseren Service als in der Lufthansa Business Class und das oft für weniger Geld als in der Lufthansa Economy.

Darum braucht die Lufthansa garantiert keine neue Billiglinie neben Germanwings und schon gar kein „Direct 4 You“, wie ein neuer Flugdiscounter vielleicht in den Präsentationen der Berater aber garantiert nicht im Flugbetrieb heißt. Was sie braucht ist einen Umbau des Europaverkehrs, der dem Vernehmen nach im Jahr allein für mindestens 300 Millionen Euro Verlust sorgt. Das Thema hat die Lufthansa jahrelang schlicht verdrängt, weil dem frühere Konzernchef Wolfgang Mayrhuber die Präsenz der Marke Lufthansa und die üppigen Arbeitsweisen wichtiger waren als Gewinn. Und die Gewerkschaften haben dem natürlich nicht widersprochen.

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Dafür gibt es derzeit keinen besseren Ort als Germanwings. Denn auf den Kurzstrecken gibt es außer ein paar Mitarbeitern großer politischer Verbände - praktisch keine Business-Class-Kunden mehr. Wer an einem Werktag morgens etwa von Köln nach Berlin fliegt, sieht eine Mini-Business-Class. Die hat zehn Sitze, weil der Trennvorhang zur Holzklasse sich nicht weiter nach vorne schieben lässt, und von denen sind höchstens zwei besetzt. Da kann den Flug auch gleich Germanwings machen. Und auch die Zubringer zu den Drehkreuzen kann letztlich Germanwings machen, wenn auch die Maschinen dann vielleicht das Lufthansa-Logo tragen. Aber der Service lässt sich relativ leicht um Extras wie Verpflegung oder Lounge-Zugang erweitern.

Das ist alles keine Horrorvorstellung und zumindest für die Passagiere auch kein schlechterer Service. Aber das gilt es dann auch mal zu kommunizieren.

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