Lufthansa Warum ein Etihad-Einstieg Unsinn wäre

Ein Gerücht sorgt für Schlagzeilen: Demnach will Etihad bis zu 40 Prozent der Lufthansa kaufen, heißt es. Der Deal wäre nicht nur rechtlich unmöglich. Er würde die Lufthansa schwächen - in der beginnenden Branchenkrise.

Quelle: dpa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann einem fast leidtun. In den vergangenen Wochen startete er eine ganze Serie sinnvoller Änderungen: Er ließ seine Billigtochter Eurowings Teile von Air Berlin und Brussels übernehmen, stellte Dutzende neuer Routen vor und initiierte eine aufwändige Schau rund um die Digitalisierung der Fluglinie. Trotzdem fiel die Aktie von Ende November bis Mitte Januar um rund 15 Prozent.

Als der Kurs am Dienstagmorgen plötzlich um bis zu 8 Prozent nach oben schoss, bedeutete es bloß neuen Ärger. Ein eigentlich überholtes Gerücht war der Auslöser: Etihad aus Abu Dhabi wolle über eine Kapitalerhöhung 30 Prozent bis 40 Prozent der Lufthansa-Anteile kaufen, schrieb "Il Messaggero".

Das Gerücht kursierte bereits seit Dezember und nun nahm es die italienische Zeitung ohne Angabe von Quellen auf. Prompt lobten es Analysten - wie der sonst sachverständige Andrew Lobbenberg von der Investmentbank HSBC - die "industrielle Logik". Lobbenberg forderte gar, "Lufthansa sollte reden".

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Das sollte Lufthansa nicht. Ein solcher Deal mit Etihad wäre nicht weniger als kompletter Unsinn. "Finanzbeteiligungen zwischen den Fluglinien sind derzeit ausgeschlossen", sagte denn auch eine mit den Lufthansa-Planungen vertraute Person am späten Nachmittag der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Grund ist nicht allein, dass am Ende noch jede Linie, an der sich Etihad beteiligt hat, über kurz oder lang an den Rand der Insolvenz rutschte. Es gibt andere Punkte, die dagegen sprechen:

1. Der Einstieg würde für gewaltige rechtliche Probleme sorgen

Natürlich kann die Lufthansa wie jede europäische Fluglinie abseits des Billigsektors eine Kapitalerhöhung mit bis zu zwei Milliarden Euro Volumen gut brauchen. Immerhin braucht Carsten Spohr, der gerade auch den Job als Finanzchef mitmacht, jede Menge Geld für neue Flugzeuge und deren Ausstattung. Doch angesichts der niedrigen Zinsen für Anleihen ist eine Kapitalerhöhung der Weg, der den meisten Ärger verspricht.

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Denn würde Etihad wirklich 30 Prozent und mehr der Anteile halten wollen, müsste das Unternehmen nach geltendem Recht den restlichen Aktionären ein Abfindungsangebot machen und in etwa die gleichen Bedingungen bieten.

Dabei bestünde das Risiko, dass viele die Offerte annähmen und Etihad am Ende die Mehrheit der Anteile hätte. Damit würde Lufthansa sofort die Flugrechte in alle Staaten mit Ausnahme der Vereinigten Arabischen Emirate verlieren. Lufthansa wäre dann ein arabisches Unternehmen. Und laut dem internationalen Luftfahrtrecht dürfen zwischen zwei Staaten mit wenigen Ausnahmen nur Linien aus dem Start- oder dem Zielland fliegen.

Aus diesem Grund blieb Etihad bei seinem Air-Berlin-Einstieg wohl auch sichtbar unter der 30-Prozent-Marke

2. Ein Deal lenkt die Lufthansa-Führung von wichtigeren Aufgaben ab

Eine solch große Partnerschaft bedeutet eine Menge Arbeit. Neben den rechtlichen Problemen müssten Lufthansa und Etihad ihre Zusammenarbeit gründlich neu regeln. „Bisher galt Etihad als Erzfeind, weil sie uns mit hohen Subventionen die Passagiere abjagten“, so ein Lufthanseat. „Dazu gelten Verhandlungen mit arabischen Investoren als schwierig, weil viele Dinge mit der Staatsführung abgestimmt werden müssen und es für jede Belastung noch einen vorzeigbaren Vorteil geben muss.“ Dazu könnten mehr Flüge an den Golf zählen, auch wenn solche Verlustrouten nicht zur effizienzgetriebenen Lufthansa passen.

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