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Luxusuhren Ihre nächste Luxusuhr kaufen Sie im Internet

Uhren aus der Manufaktur Nomos Glashütte sind künftig auch auf einst verpönten Graumarkt-Webseiten offiziell zu kaufen - um den Graumarkt einzudämmen. Quelle: imago

Jahrelang stemmten sich die Hersteller von Luxusuhren gegen den Onlinehandel. Nun brechen an allen Stellen langsam die Dämme. Und zwei deutsche Unternehmen sind ganz vorne dabei.

Roland Schwertner gehört zu den Menschen, die mit Worten unangenehme Neuigkeiten als frohe Botschaft überbringen können. Eine solche erhielten unlängst die Juweliere, die die Uhren aus Schwertners Manufaktur Nomos in Glashütte verkaufen.

Auf knapp zwei DIN-A4-Seiten erläutert Schwertner, warum er nach 2010 ein weiteres Mal seine wichtigen Handelspartner ein weiteres Mal wohl irritieren bis verärgern wird. Damals öffnete Nomos auf seiner Webseite einen eigenen Webshop. Schwertner erinnert in seinem Brief, dass schon vor acht Jahren viele Juweliere den Schritt „zunächst nicht verstehen mochten“. Dabei habe der Online-Shop „zum Wohle aller“ gewirkt.

Nun muss Schwertner einen Schritt schmackhaft machen, der auf den ersten Blick noch gravierender wirkt: Die Marke wird ihre Neu-Uhren künftig auf dem Portal chronext verkaufen, während gebrauchte und generalüberholte Modelle auf Chrono24 angeboten werden sollen. Die Ladengeschäfte werden damit ausgelassen, die Ware direkt an die Online-Händler geliefert.

Was im Zeitalter Amazons wie eine Marginalie wirkt, ist in Wahrheit Bote einer Entwicklung, gegen die sich bis vor kurzem noch sowohl die Hersteller als auch die Händler von Luxusuhren gewehrt haben: Luxusuhren für fünfstellige Summen im Internet zu kaufen. Chronext und Chrono24 haben ihr Geschäftsmodell aufgezogen, indem sie als nicht lizensierte Händler Uhren wiederum von Juwelieren aufkauften, die diese entweder nicht loswurden oder für deren Verkauf sie wenig Chancen sahen. Mit teils erheblichem Rabatt landeten diese Uhren damit sichtbar im Markt.

Das war ein Dorn im Auge einer Industrie, die sich nicht allein illegaler Raubkopien, sondern auch der üblichen Marktmechanismen erwehrte. Der Preis ist die heilige Kuh von Rolex, Breitling oder Cartier, die Uhren verkaufen, die vor allem eines sind: überflüssig. Es sind Luxusprodukte, deren Preisgestaltung in den Hochzeiten nur eine Richtung kannte: aufwärts. Zuteilungen, Limitierungen – die Begehrlichkeit aufrecht zu erhalten ist die Lebensversicherung für ein Produkt, dessen Leistung jeder billige Quarzwecker besser erfüllt.

Da stört es, wenn im fein austarierten Spiel zwischen Hersteller, Händler und Kunde die Risse in der schönen heilen Welt sichtbar werden, Überproduktionen den Markt schwemmen und der Kunde nicht nur guten beraten, sondern auch gern einen sehr guten Preis haben will.

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