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M1 Kliniken und Medidate Neue Anbieter wollen am Schönheits-Boom mitverdienen

Von der steigenden Nachfrage nach Schönheits-OPs wollen neue Anbieter profitieren. Die M1 Kliniken expandieren mit ambulanten Beauty-Zentren.

Ein Schönheitschirurg setzt das Skalpell an: Die Augenlidstraffung gehört nach der Brustvergrößerung zu den häufigsten Schönheitsoperationen. Quelle: dpa

FrankfurtWie man im Geschäft mit der Schönheit ein lohnendes Business-Modell aufbaut, dafür hat M1-Kliniken-Vorstand Patrick Brenske folgende Formel gefunden: Man fokussiere sich auf einen wachsenden Markt, konzentriere sich dort auf die am häufigsten durchgeführten Schönheitsoperationen und biete diese deutlich günstiger als die Konkurrenz an.

Den neuesten Jahreszahlen des börsennotierten Unternehmens nach zu urteilen, scheint das Konzept aufzugehen: Denn die M1 Kliniken konnten nach eigenen Angaben ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 31 Prozent auf 47,2 Millionen Euro steigern. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EBT) erhöhte sich 2017 um 36 Prozent auf 7,4 Millionen Euro.

Die Treiber dieser Entwicklung sind die Fachzentren unter der Flagge M1 Med Beauty. Mit „Botox to go“, der Schönheitsspitze für Zwischendurch, starteten die M1 Kliniken vor sechs Jahren in der Berliner Fasanenstraße ihr neues Beauty-Angebot. Mittlerweile ist die Kette auf 19 ambulante Zentren in Deutschland angewachsen, plastische Chirurgie wird zudem in einer chirurgischen Fachklinik in Berlin angeboten.

„Wir bewegen uns in einem reinen Selbstzahlermarkt. Eine Analyse der GfK AG hat gezeigt, dass die Nachfrage nach Schönheitsbehandlungen sehr preissensitiv ist. Wenn sich die Preise halbieren, könnte sich der Markt um den Faktor zehn erhöhen. Das war der Ansatz für uns, mit günstigen Preisen in den Markt zu gehen,“ sagt Vorstand Brenske.

Die M1 Kliniken gehören mehrheitlich der Beteiligungsgesellschaft MPH Healthcare AG, die Brenskes Vater aufgebaut hat. Knapp ein Viertel der Aktien sind im Streubesitz. Bevor der Absolvent der Frankfurt School of Finance 2015 Vorstand bei den M1 Kliniken wurde, verantwortete der 33-Jährige einige Jahre Einkauf und Vertrieb des ebenfalls zur MPH gehörenden Pharmaunternehmens Haemato AG.

Den Markt der Schönheitsbehandlungen und Operationen in Deutschland taxieren Branchenexperten auf zwei bis zweieinhalb Milliarden jährlich. Er wächst derzeit pro Jahr zweistellig. Laut Statistik der Internationalen Gesellschaft der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie (ISAPS) wurden 2016 in Deutschland rund 336.000 Operationen und Schönheitsbehandlungen wie Unterspritzungen durchgeführt.

Da in dieser Statistik aber nur die Arbeit der rund 1200 plastisch-ästhetischen Chirurgen erfasst wird, dürfte die Zahl der tatsächlichen Behandlungen deutlich höher liegen. Auch Hals-Nasen-Ohrenärzte korrigieren Nasen oder legen abstehende Ohren an. Und Allgemeinmediziner können Botox spritzen.

Der wachsende Markt lockt weitere Firmen an: das Start-up Medidate beispielsweise. 2014 als Vermittlungsportal gestartet, das Patienten und Schönheitsoperateure zusammenbringt, ist Medidate gerade dabei, sein Geschäft als „virtuelle Schönheitsklinik“ deutschlandweit aufzubauen.

Virtuell heißt, dass entsprechend geschulte Agenten interessierte Patienten per Internet und Telefon von der Vorbereitung bis zu Fragen der Nachsorge durch den Prozess führen. Medidate vermittelt den Termin für die Sprechstunde beim Partnerarzt und bucht den plastisch-ästhetischen Chirurg für die OP.

Darüber hinaus organisiert Medidate alles Notwendige rund um die OP - vom ausgestatteten Operationsraum bis zum Belegbett. „Belegbetten und Operationsräume gibt es in Deutschland genug. Die Kapazitäten sind häufig nicht ausgelastet“, sagt Medidate-CEO Sebastian Vohradnik. Vergangenen August startete Medidate mit einem ersten eigenen Standort, sprich Partnerklinik in Köln, mittlerweile ist das Unternehmen in zehn Städten Deutschlands präsent.

Gegründet von Betriebswirten mit Erfahrung in der Onlinevermarktung, wird Medidate von Wagniskapitalgebern wie unter anderem Earlybird finanziert und fachlich von einem Beirat von Medizinern unterstützt. Medidate erwartet in diesem Jahr einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich und will auch ins benachbarte deutschsprachige Ausland und später in die USA expandieren.

Dabei bleibt der Fokus vorerst auf dem Thema Operationen. Das Thema Botox und Behandlungen mit Fillern sei zwar sehr relevant für das Unternehmen und würde von den Patienten auch schon zahlreich genutzt, sagt CEO Vohradnik: „Aktuell haben wir allerdings eine so hohe Nachfrage nach inversiven Operationen, dass wir uns zunächst auf diesen Bereich fokussieren.”


Günstigangebote stoßen auf Skepsis

Die M1 Kliniken wiederum bieten in ihren Beauty-Zentren ausschließlich Unterspritzungen mit Botulinumtoxin und Hyaluronsäure an. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Behandlungen um 50 Prozent auf 150.000 gesteigert. Im Markt werden solche Behandlungen zu 300 Euro angeboten, bei M1 med Beauty zahlt man 99 Euro. Bei den chirurgischen OPs in der eigenen Klinik konzentriert sich das Unternehmen auf Fettabsaugung, Brustvergrößerung und Lidplastik. Diese Eingriffe werden 25 bis 30 Prozent günstiger als im Marktdurchschnitt angeboten.

Neben der Klinik in Berlin will das Unternehmen in Essen eine weitere aufbauen, aktuell arbeitet man dort mit Belegbetten. Finanziert werden die nächsten Schritte der Expansion dank einer Kapitalerhöhung, die im vergangenen Herbst 16,5 Millionen Euro einbrachte. Ziel von Brenske ist es, bis 2020 etwa 50 ambulante Zentren in Deutschland zu eröffnen. Auch eine Expansion nach Österreich und in die Schweiz ist geplant.

Die Analysten von First Berlin gehen davon aus, dass M1 Kliniken dank der Kapitalerhöhung die nötige Finanzkraft hat, um die laufende Expansion zu beschleunigen. Sie erwarten für 2019 einen Umsatz von mehr als 74 Millionen Euro. Die Analysten von GBC rechnen damit, dass M1 Kliniken 2019 sogar mehr als 80 Millionen Euro Umsatz erzielen kann, auch wenn sie dabei unterstellen, dass neue Standorte erst zwei Jahre nach Eröffnung das standortspezifische Umsatzniveau erreichen.

In der Zunft der Schönheitschirurgen werden solche günstigen Angebote mit Skepsis gesehen: „Bei börsennotierten Unternehmen als Anbieter ästhetisch-plastischer Eingriffe ist zu befürchten, dass der Shareholder Value im Zentrum des Interesses steht. Patienten sollten dringend klären, wer bei Problemen haftet und sich nicht von günstigen Preisen zu einem Eingriff verleiten zu lassen“, sagt Verbandspräsident Riccardo Giunta, Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen.

Bei M1 Kliniken sind die angestellten Ärzte über das Unternehmen versichert. Brenske betont den Qualitätsanspruch: Die Schönheitsoperationen in der Klinik würden von sehr erfahrenen Fachärzten für plastische und ästhetische Chirurgie ausgeführt und in den ambulanten Fachzentren beschäftige M1 ausschließlich approbierte Ärzte.

Man biete regelmäßige Fortbildungen an und die Komplikationsrate liege bei weniger einem Prozent. „Niedrigere Preise können wir anbieten, weil wir uns auf eine überschaubare Anzahl von Behandlungsformen spezialisieren und unter anderem über größere Einkaufsmengen günstigere Konditionen verhandeln könne“, sagt Brenske.

Bei Medidate haften die jeweiligen Ärzte. Aber das Unternehmen prüft nach, ob die plastisch-ästhetischen Chirurgen, mit denen man zusammenarbeitet, entsprechend ausreichend versichert sind. Dadurch, dass man wie andere Schönheitskliniken keine eigenen teuren OP-Kapazitäten vorhalten muss, will Medidate die Eingriffe ebenfalls günstiger anbieten als der Markt. Von der ursprünglichen Positionierung „Spitzenmedizin zu attraktiven Preisen“ will sich das Unternehmen aber verabschieden und künftig stärker den Qualitätsaspekt herausstellen.

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