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Mängel in der ITNach BaFin-Ärger: McKinsey eilt der Allianz zur Hilfe

Seit Monaten ringt die Allianz mit Mängeln in ihrer IT, die gar die Finanzaufsicht BaFin beanstandete. Nun soll McKinsey helfen, die Probleme abzuarbeiten – um noch mehr Ärger mit der BaFin zu vermeiden.Lukas Zdrzalek 12.10.2023 - 20:05 Uhr

Die BaFin hat IT-Mängel bei der Allianz beanstandet, nun sollen die Berater von McKinsey bei der Abarbeitung helfen. 

Foto: dpa

Man darf davon ausgehen, dass Oliver Bäte sich für einen ziemlich guten Manager hält. Andernfalls hätte er sich jüngst kaum dafür eingesetzt, dass sein Vertrag als Allianz-Vorstandschef verlängert wird – mit Erfolg übrigens. Der Aufsichtsrat gewährte Bäte Anfang Oktober eine Vertragsverlängerung bis 2028. Angesichts von Bätes mutmaßlicher Selbstwahrnehmung ist es deshalb nur folgerichtig, dass der oberste Allianzer nun mal wieder auf eine Beratung setzt, die sich nicht nur für ziemlich gut hält, sondern gemeinhin auch als ziemlich gut gilt: nämlich McKinsey. Zumal Bäte dereinst selbst anderthalb Jahrzehnte bei der Beratung wirkte, ehe er 2008 zur Allianz wechselte.

Allein: Der Anlass für die Zusammenkunft der ziemlich guten Typen ist nicht allzu gut. Im Gegenteil, er ist gar richtiggehend schlecht. Bäte hat nämlich ein Problem – und zwar schon seit Monaten: Es trägt den Namen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin. 

Die einst so zahme Bonner Behörde, die seit dem Wirecard-Skandal zum Raufbold geworden ist, hat Deutschlands größten Versicherer in den vergangenen Monaten mal so richtig an die Kandare genommen, die IT-Systeme des Konzerns einer gründlichen Prüfung unterzogen – und ist auch gleich fündig geworden. Die Aufseher sollen Bätes Mannschaft eine ganze Reihe von Versäumnissen in der IT attestiert haben, wie die WirtschaftsWoche bereits im März berichtet hatte. Nun muss der Konzern diese Mängel abarbeiten, und hier kommen die „Meckies“ ins Spiel.

Die BaFin fand schwere IT-Mängel

Denn: Offenbar kann die Allianz die Mängel zeitnah nicht allein abarbeiten. Deshalb soll McKinsey nun genau dabei unterstützten und darf sich über einen dementsprechend hübschen Auftrag vom Ex-Kollegen Bäte freuen, wie Allianz-Insider berichten. So soll McKinsey nicht nur in Mannschaftsstärke, sondern gleich in doppelter Mannschaftsstärke bei dem Versicherer eingefallen sein, also mit rund 20 Leuten – für die Maßstäbe einer Beratung eine durchaus üppige Personalausstattung.

Nicht nur bei der Größe, auch bei der Wahl der McKinsey-Mitarbeiter hat sich die Allianz nicht lumpen lassen: Darunter sollen gar Spezialisten aus der Schweiz und den USA sein, berichten Szenekundige. Sicher: Die Berater-Bande dürfte die Allianz wohl eine ganze Stange Geld kosten. Dennoch dürfte es keinen Zweifel geben, dass das McKinsey-Engagement richtig ist. Erstens, weil die IT-Mängel eben doch bisweilen schwerwiegend sein sollen. Die BaFin-Prüfer sollen etwa moniert haben, dass Mitarbeiter unter Umständen unerlaubterweise auf sensible Systeme zugreifen konnten. Zudem sollen die Aufseher eine teils mangelhafte Steuerung der IT-Projekte beklagt haben. Und neben der Schwere der Mängel existiert noch ein zweiter guter Grund für den „Meckie“-Einsatz: Die Zeit, um die Mängel abzustellen, ist knapp.

BaFin drohte Allianz mit Kapitalzuschlag

Der Versicherer will wesentliche Versäumnisse nun bereits bis Ende dieses Jahres abarbeiten. Dabei hatten Bäte und seine Leute eigentlich darauf gehofft, zahlreiche Probleme erst im Laufe des kommenden Jahres abstellen zu müssen. Doch mit dieser Planung war Bonn nicht so richtig zufrieden. Die Aufseher waren über die Mängel derart erbost, dass sie der Allianz angedroht haben sollen, sie könnten von dem Versicherer höhere Kapitalreserven verlangen. 

Schließlich können aus IT-Mängeln Gefahren für einen Finanzkonzern entstehen, die sich, sofern sich diese Risiken realisieren, mit mehr Kapital eher überstehen lassen. Doch für jeden Versicherer, insbesondere aber für einen früheren „Meckie“-Mann wie Bäte, würde es gewiss einem Horrorszenario gleichgekommen, wegen solcher Probleme mehr Kapital vorhalten zu müssen: Schließlich lässt sich mit dem Geld auch etwas Besseres anstellen.

Die Allianz hat sich deshalb dazu entschieden, zahlreiche Mängel dann doch rascher abzuarbeiten, eben bis zum Jahresende. Und siehe da: Bätes Beschleunigungs-Beschluss soll der BaFin so gut gefallen haben, dass der Kapitalzuschlag vom Tisch sein soll. Zu all dem wollen übrigens weder die Allianz noch McKinsey oder die BaFin Stellung nehmen.

Allein: Einen Persilschein sollen die Aufseher dem Versicherer auch noch nicht ausgestellt haben. Sollten Bäte und McKinsey, anders als gemeinhin angenommen, doch keinen ziemlich guten Job machen, könnte die Behörde ihr Ansinnen wieder hervorholen. Und doch noch Extra-Kapital verlangen.

Lesen Sie auch: Die irre Wutrede des Allianz-Chefs: „Zeigt mir die Leute“, die aus Excel „eine Qual gemacht haben“

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