1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Dienstleister
  4. Männerbild im Wandel: Was hat die Werbung von Gillette gebracht?

Männerbild im Wandel„Eine Wikinger-Karikatur mit Kinderwagen“

Rasierer im Mülleimer, massenhaft „Likes“ bei YouTube – was der umstrittene Werbespot der Marke Gillette gebracht hat und wie sich das Männerbild in der Werbung verändert. Ein Gespräch mit Werbeagentur-Manager Rüdiger Goetz.Peter Steinkirchner 22.03.2019 - 12:47 Uhr

Wie verändert sich das Männerbild in der Werbung?

Foto: imago images

WirtschaftsWoche: Herr Goetz, brauchte es erst die MeToo-Kampagne, die das Fehlverhalten zahlreicher Männer anprangert, um auch in der Werbung ein Umdenken in Gang zu bringen, ob sie nicht viel zu lange Geschlechterklischees bedient hat?
Rüdiger Goetz: Es entspricht dem Zeitgeist, dass sich das Männerbild ändert – vermutlich weniger in der bewussten Abgrenzung zur aktuell toxischen Männlichkeit der MeToo-Kampagne, sondern ist eher begründet in einer generellen Liberalisierung des präferierten Männerbilds. Der kantige Held oder „Artificial Dressman“, das ist schon lange nicht mehr das dominierende Idealbild für Männer, vielmehr gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Stereotypen. Insofern ist das ein überfälliger Realitäts-Check.

Zur Person
Goetz leitet seit 2005 als Mitglied der Geschäftsführung von der Werbeagenturgruppe Grey in Düsseldorf die Unit KW43 BRANDDESIGN. KW 43 ist eine strategische Designagentur mit Schwerpunkt auf Corporate Design und Corporate Identity. Goetz‘ Kollegen von Grey in New York hatten jüngst für Aufsehen gesorgt mit der Neupositionierung der Rasierermarke Gillette und einem Werbespot, der sich für ein neues Männerbild stark macht.

Wie sieht die Realität denn aus, wie stimmig ist denn das Bild, das der moderne Mann heute von sich vermittelt? Gibt es überhaupt das eine Bild?
Wenn man sich die Protagonisten des neuen urbanen Männerbildes betrachtet, etwa den Kreuzberger Hipster oder den modernen Stockholmer, entdeckt man einen verblüffenden Gegensatz: Sie schieben vormittags engagiert einen Kinderwagen durch den Park, sind aber gleichzeitig stark tätowiert und tragen Rauschebart. Auf der einen Seite eine Karikatur des alten Wikingers, auf der anderen einen femininen Lebensstil, was Körperpflege, Freizeitverhalten und die Rolle innerhalb der Familie betrifft. Es ist spannend, wie sich diese Extreme in einem Lebensmodell zusammenfinden.

Finden die Extreme sich denn wirklich zusammen? 
Die Männer bekommen teilweise ein komplementäres Bild vermittelt: Sei der verantwortungsvolle und engagierte Vater, aber gleichzeitig auch beruflich erfolgreich und wirke betont männlich. Die Renaissance des Bartes lässt vermuten, dass auch die sexuelle Selektion durch die moderne Frau durchaus noch durch Bilder archaischer Maskulinität beeinflusst wird.

Neandertaler war gestern

Wie die Werbung den Mann neu definiert

von Peter Steinkirchner

Welche Rolle spielt bei all dem die Werbung?
Die Werbung prägt die Gesellschaft indem sie bestehende Strömungen verstärkt. Dabei nutzt sie stark wirkende Stereotypen, selbst, wenn sie vielleicht gesellschaftspolitisch nicht wirklich sinnvoll sind. Sie verkaufen aber einfach leichter. Nach wie vor sind es meist gängige Klischees, so eine Art visueller Zucker, die ermöglichen, dass Menschen möglichst schnell auf Botschaften reagieren und damit die eingesetzten Kosten optimal amortisieren.

Neu ist, dass Unternehmen Kunden gegenüber mit ihrer Haltung zu gesellschaftlichen Fragen punkten wollen; die Gillette-Mutter Procter & Gamble etwa setzt einen Teil ihrer Werbemilliarden offenbar gezielt ein, um Meinungen und Haltungen in der Gesellschaft zu beeinflussen – steht Konzernen das zu?
Kommerzielle Kommunikation von Unternehmen...

... also Werbung...
...wäre mit ihren hohen Werbeausgaben in der Lage, polarisierende Botschaften durchzusetzen. Das, was da von Procter & Gamble kommt, ist daher sicher ermutigend. Ein Unternehmen, das sein Werbegeld für eine Botschaft einsetzt, um ein progressives Gesellschaftsbild, zu transportieren, ist erst einmal nicht verkehrt.

BrandIndex

Wie Verbraucher auf Gillettes neues Männerbild reagieren

von Philipp Schneider

Die Kampagne für Gillette, die Mitte Januar für so viel Aufregung gesorgt hat, stammt von Ihren Agenturkollegen von Grey in New York – hat die aus Ihrer Sicht und vor allem aus der von Procter & Gamble nur für Ärger gesorgt oder hat sie für die Marke auch was gebracht?
Tatsächlich war es bisher ein bemerkenswerter Erfolg. Trotz, oder vermutlich sogar wegen der sehr kontrovers geführten Debatte, die von der Kampagne ausgelöst wurde. Die Ergebnisse sprechen für sich: 110 Millionen direkte „Views“ und bis zu 18 Milliarden indirekte Kontakte durch Presseberichte. Zudem zählt der Spot schon jetzt zu einem der Werbespots mit den meisten „Likes“ in der Geschichte von Youtube. Aber auch neben der allgemeinen Aufmerksamkeit für die Marke, zeichnet sich eine sehr positive Bilanz für die qualitative Wahrnehmung ab. So verzeichnet Gillette einen deutlichen Anstieg der Aufmerksamkeit, Sympathie und Kaufbereitschaft bei der jungen Zielgruppe – und das ist eines der erklärten strategischen Ziele der neuen Kommunikation. Dass mutige gesellschaftliche Botschaften und kommerzieller Erfolg sich nicht widersprechen müssen, empfinde ich als sehr motivierend. Ich würde sagen: Bitte mehr davon.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick