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Markt in Aufruhr Die Zukunft der Taxibranche

Daimler schluckt MyTaxi, der US-Fahrdienst UberPop wird einstweilig verboten – wie geht es jetzt weiter in der umkämpften Taxibranche?

Foto von einer Taxi-Schlange. Quelle: imago

Die vergangene Woche war turbulent wie selten im deutschen Taxigewerbe: Erst verbot das Landgericht Frankfurt in einer einstweiligen Verfügung auf Antrag von Taxi Deutschland – ein Zusammenschluss hiesiger Taxizentralen – den Fahrdienst Uber bundesweit. Laut Gericht verstößt die App UberPop zur Vermittlung von Fahrgästen an private Fahrer gegen das Personenbeförderungsgesetz, da die von Uber vermittelten Fahrer keinen Personenbeförderungsschein besäßen.

Tags darauf sorgte Autoriese Daimler für einen Paukenschlag: Die Tochter Moovel schluckt den populären Buchungsdienst MyTaxi komplett. Zuvor hielt Daimler rund 20 Prozent. Mit MyTaxi können Fahrgäste ein Taxi per Smartphone direkt beim Fahrer ordern statt über die Zentrale.

Die WirtschaftsWoche beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Umwälzungen im bisher stark regulierten Taxigewerbe.

Welche Folgen hat Daimlers Übernahme von MyTaxi?

Daimler will „im Schulterschluss mit dem Taxigewerbe“ die Internationalisierung des Dienstes vorantreiben: „Wir glauben, dass es einen großen Bedarf an einem sicheren wie hochqualitativen Personentransport gibt“, sagt Marcus Spickermann, Geschäftsführer der Daimler-Tochter Moovel. MyTaxi solle in Moovel integriert werden, erläutert Spickermann, dabei aber die Gesetze einhalten – ein Seitenhieb auf den umstrittenen Fahrdienst Uber: „Ein regulierter Markt hat durchaus seine Stärken.“

Mit zehn Millionen Downloads der App und 35 000 Fahrern in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Spanien, Polen und den USA sieht sich MyTaxi derzeit als Marktführer. Reisende kommen mithilfe der App binnen zwei Minuten an ein Taxi, Taxifahrer schneller an neue Kunden. Sie zahlen dafür eine Provision zwischen 3 und 15 Prozent. Die Höhe kann der Fahrer selbst bestimmen: Je höher die Provision, desto schneller kommt der nächste Auftrag rein.

MyTaxi hatte ursprünglich vor, Taxizentralen überflüssig zu machen. Inzwischen versteht man sich eher als Dienstleister: „Wir wollen die Zentralen mit unserem Dienst eher stärken als schwächen“, sagt Moovel-Geschäftsführer Spickermann. So ist daran gedacht, den Gesellschaften Daten über Nutzerverhalten und Fahrzeiten zur Verfügung zu stellen, die die Auslastung der Fahrzeuge verbessern und die Planung der Einsätze erleichtern könnten.

Was ist Daimlers Ziel?

Die größten Carsharing-Anbieter
Car2Go (Daimler)Kundenzahl: 160.000 Fahrzeugzahl: 42.000 Städte: München, Hamburg, Ulm/Neu-Ulm, Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Köln, Stuttgart, Wien, Birmingham, London, Amsterdam, Lyon, Austin, San Diego, Washington D.C., Portland, Miami, Seattle, Toronto, Vancouver, Calgary Wie es funktioniert: Mobil: Fahrzeuge stehen im Stadtgebiet und können überall abgestellt werden. Ortung über Smartphone oder Internet Anmeldegebühr: Einmalig zwischen 9 und 19 Euro Nutzungskosten: Zwischen 24 und 29 Cent pro Minute, höchstens 12,90 Euro pro Stunde Extras: Benzin und Parkgebühren inkl. Fahrzeugtypen: Smart, 600 E-Smarts Quelle: dpa
DriveNow (BMW)Städte: Berlin, München, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Wien, San Francisco Nutzer: über 350.000 Autos: 2950 Automodelle: BMW 1er, BMW X1, BMW ActiveE, MINI, MINI Cabrio, MINI Clubman, MINI Countryman Fixkosten: Anmeldung 29 Euro (derzeit 19 Euro mit 30 Minuten Fahrtguthaben) Reservierung eines Autos: 2x15 Minuten vor Fahrt kostenfrei möglich Fahrtkosten pro Minute: 0,31 Euro; BMW X1 und Mini Cabrio (01.04.-31.10.): 0,34 Euro; günstigere Preise ab 0,24 Euro je Minute in Spar-Paketen möglich Parkkosten pro Minute¹: 0,15 Euro (Montags bis Freitags 0:00 bis 6:00 Uhr kostenfrei) Kosten pro Kilometer: inklusive bis 200 km, je Mehrkilometer 29 Cent Kosten Kurzfahrt²: 3,72 Euro Kosten Stadtfahrt³: 17,75 Euro Versicherung: Haftpflicht und Kaskoversicherung inklusive (Selbstbehalt bei selbstverursachten Unfällen maximal 750 Euro; kann gegen gebühr reduziert werden) Anmeldung (Internet): de.drive-now.com ¹Kosten, die für das Parken anfallen, wenn die Fahrt nicht beendet wird ²Beispiel 5 Kilometer in 12 Minuten ³Beispiel: Hin und Rückfahrt, je 10 Kilometer und je 25 Minuten Fahrt und 15 Minuten parken Quelle: Unternehmen Quelle: Presse
Flinkster (Bahn)Kundenzahl: 215.000 Fahrzeugzahl: 2.800 Städte: 140 Städte Wie es funktioniert: Stationsbasiert: mehr als 800 Ausleih- und Rückgabeorte, z.B. an allen großen ICE-Bahnhöfen Anmeldegebühr: Einmalig 50 Euro, Bahncard-Inhaber kostenlos Nutzungskosten: Kleinwagen 2,30 Euro pro Stunde plus 18 Cent pro Kilometer Extras: Benzin und Strom inkl. Fahrzeugtypen: Kleinwagen bis Transporter, mehr als 100 E-Fahrzeuge Quelle: Screenshot
Quicar (VW)Kundenzahl: 4.000 Fahrzeugzahl: 200 Städte: Hannover Wie es funktioniert: Persönlich zur Quicar Station gehen oder online, per Smartphone-App oder über die Hotline die nächste der 50 festen Ausleihe- und Rückgabeorte auswählen und ein freies Auto aussuchen Anmeldegebühr: Einmalig 25 Euro, für Schüler, Studenten und Azubis zahlen 15 Euro Nutzungskosten: Erste halbe Stunde 6 Euro, danach pro Minute 20 Cent, Parktarif 10 Cent pro Minute, 10 Stunden ab 30 Euro Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Golf Blue Motion, VW up!, VW Beetle, Golf Cabrio, Passat Variant, Sharan, Caravelle, Transporter Quelle: Screenshot
Book N DriveKundenzahl: 10.00 Fahrzeugzahl: 2.500 bundesweit, davon 330 im Rhein-Main-Gebiet Städte: Darmstadt, Frankfurt am Main, Mainz, Oberursel, Offenbach, Rüsselsheim und Wiesbaden Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: Je nach gewähltem Paket kostenlos oder 29 Euro Nutzungskosten: Je nach Paket: Kleinwagen ab 1,50 Euro pro Stunde plus 16 Cent pro Kilometer Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Kleinwagen bis Transporter, in Kooperation mit Flinkster bietet Book N Drive in vielen Städten Elektro-Autos an Quelle: Screenshot
CambioKundenzahl: 50.000 Fahrzeugzahl: 1500 Städte: 14 Städte, z.B. Köln, Bonn, Berlin Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: Einmalig ab 30 Euro, plus monatliche Grundgebühr ab 2 Euro Nutzungskosten: Pro Stunde zwischen 1,90 und 5,40 Euro, plus 23 bis 42 Cent pro Kilometer Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Von Smart bis Transporter, auch Mitsubishi E-Fahrzeuge Quelle: Pressebild
Carpooling.com/Mitfahrgelegenheit.deKundenzahl: 4,7 Mio. Nutzer Fahrzeugzahl: rund 900.000 Angebote Städte: Ganz Europa Wie es funktioniert: Mitfahrgelegenheiten im Internet finden Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: ca. 5 - 8 Euro pro 100 Kilometer Extras: keine Fahrzeugtypen: alle Quelle: Pressebild

Die Plattform Moovel verfolgt das Ziel, Mobilitätsangebote intelligent miteinander zu vernetzen – Taxen, Leihwagen, auch Busse, Bahnen und private Mitfahrgelegenheiten. Moovel soll langfristig eine Art „Amazon der Mobilität“ werden, wie Chef Spickermann sagt. Das Carsharing-System Car2go sei ebenso ein Baustein wie das Pilotprojekt Park2gether, das Parkplatzbesitzer und -suchende per Online-Börse zusammenbringt, sowie jetzt MyTaxi. Über Moovel gewinnt Daimler eine Unmenge von Informationen. Die können etwa die Entwicklung von Elektroautos oder die Auslastung von Taxiflotten oder Parkhäusern optimieren. Zudem ist das Taxigewerbe einer der wichtigsten Märkte für Mercedes-Pkw.

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