Medienbranche Aus für "Wall Street Journal Deutschland"

Das US-Medienhaus Dow Jones gibt die deutsche Version des "Wall Street Journals" zum Jahresende auf. Investiert wird lieber in "digitale Zukunftsbereiche". Auch in den USA und der Türkei gibt es Einsparungen.

Zentrale des „Wall Street Journal“ in New York: Der deutsche Ableger wird eingestellt. Quelle: dpa

Der Chefredakteur des „Wall Street Journals“ (WSJ), Gerard Baker, hatte die Aufgabe, die traurige Nachricht zu überbringen. „Dow Jones“ wird die deutsche Webseite „WSJ.de“ sowie die türkische Web-Ausgabe schließen, ließ er die Mitarbeiter am Mittwoch wissen. Beide Angebote gehörten nicht zum Kerngeschäft des Verlags, erklärte Dow-Jones-Chef William Lewis in einer weiteren internen E-Mail.

Doch damit nicht genug: In den USA werden „WSJ Radio“ und Sonntagsbeilagen in Partner-Zeitungen eingestellt. Betroffen von der Sparaktion sind insgesamt 50 bis 60 Arbeitsplätze meldet die US-Ausgabe der Webseite des Wall Street Journals selbst.

Lewis begründet das Aus mit Investitionen in digitalen Zukunftsbereichen, wofür in anderen Bereichen zurückgefahren werde. Das „Wall Street Journal“ werde sich auf den amerikanischen Heimatmarkt konzentrieren.

Als Beispiele für konkrete Investitionen in die Zukunft nennt Lewis die neugestartete iPad-App, eine Kooperation mit dem Onlinedienst Evernote, die digitale Expansion des Wirtschafsmagazins „Barrons“ nach Asien und den ausgebauten Konferenzbereich im Technologiesektor.

Die größten deutschen Medienkonzerne (Umsatz 2013)

Das „Wall Street Journal“ hatte sich Ende 2013 vom langjährigen journalistischen Aushängeschild Walt Mossberg und seiner Konferenzserie „All ThingsD“ getrennt und führt das lukrative Konferenzgeschäft nun alleine weiter.

Das deutsche Portal „WSJ.de“ war erst 2012 gestartet, gehört aber schon nicht mehr zum digitalen Zukunftsmarkt. Das Angebot, eine Mischung aus kostenlosen und kostenpflichtigen Wirtschaftsnachrichten, konnte sich offenbar nicht bei den Konsumenten durchsetzen. Der Mediendienst „Meedia“ berichtet, dass es während der gesamten Laufzeit nur einmal gelang, mehr als eine Million Nutzer in einem Monat zu erreichen.

Zum Jahresende wird der Betrieb der Seite eingestellt. Nach dem Ende der gedruckten „Financial Times Deutschland“, erschienen in Kooperation mit „Gruner + Jahr“, ist das Aus von „Wall Street Journal Deutschland“, die auf eine gedruckte Ausgabe in der Landessprache verzichtet hatte, der zweite Rückzug einer namhaften Medienmarke aus dem angelsächsischen Bereich.


WSJ-Chefredakteur bedankt sich per Twitter mit Seitenhieb

Ralf Drescher, Chefredakteur von „WSJ.de“, bedankte sich per Twitter für die vielen „lieben Worte und guten Wünsche“, die im Laufe des Tages eingegangen waren, allerdings nicht ohne sich einen kleinen Seitenhieb zu verkneifen: „Hättet Ihr mal alle ein Abo des WSJ Deutschland gekauft“, stellt er augenzwinkernd fest.

Seit Jahren versuchen Wirtschaftsmedien weltweit, die richtige Balance zwischen freien, werbefinanzierten Inhalten und Bezahlangeboten zu finden. Die amerikanische Mutter „Wall Street Journal“ gilt als Vorbild im Bereich bezahlter Inhalte, aber auch sie konnte offenbar das Rezept nicht über die Hauptausgabe hinaus ausweiten. Insgesamt berichtete der Wirtschaftsverlag Dow Jones & Companies einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent für das dritte Quartal 2014.

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Medienmogul Rupert Murdoch hatte das Verlagshaus des „Wall Street Journals“ 2007 für mehr als fünf Milliarden Dollar gekauft und dabei einen nach Medienbeobachtern viel zu hohen Preis bezahlt, was letztlich zu Abschreibungen in Milliardenhöhe führte. 2007 schrieb das „Wall Street Journal" einen kleinen Verlust, was von den professionellen Wirtschaftsdiensten aufgefangen werden musste.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2008 brach dann bei dem Unternehmen das Werbegeschäft ein, so wie bei vielen anderen Medien. Von diesen Einbrüchen erholte sich das „Wall Street Journal“ nur langsam.

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