WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Medienbranche Springer und ProSieben sprechen über Fusion

Die deutschen Medienkonzerne Axel Springer und Prosiebensat.1 verhandeln über eine Fusion. Käme ein solcher Deal zustande, würde ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 14 Milliarden Euro entstehen.

Quelle: dpa

Axel Springer und ProSiebenSat.1 prüfen nach Informationen von Insidern einen Zusammenschluss zu einem neuen deutschen Mediengiganten. Auch gegenüber der WirtschaftsWoche wurden diese Gespräche bestätigt. Es gäbe solche Absichten, allerdings seien die Gespräche noch in einem sehr frühen Stadium, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Ein zweiter Insider sagte, ein möglicher Deal sei eher eine Frage von Monaten als von Wochen. Friede Springer, die Großaktionärin des Verlags, sei über die Gespräche unterrichtet. ProSiebenSat.1 hat keine dominierenden Aktionäre mehr, seit die Finanzinvestoren KKR und Permira ihre Anteile komplett an die Börse brachten.

Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf Eingeweihte, den Plänen zufolge solle der Fernsehkonzern bei einem Zusammenschluss die Führungsrolle übernehmen. Die beiden Unternehmen lehnten zunächst Stellungnahmen zu den Informationen ab. Inzwischen teilte Axel Springer mit, dass man sich "zum Wahrheitsgehalt von Marktspekulationen grundsätzlich nicht" äußere.

Dennoch arbeite Axel Springer unverändert an dem Ziel, "die Kontinuität der Kontrolle durch die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co./Friede Springer langfristig sicherzustellen und Wachstumsoptionen zu erschließen". "Deswegen entbehren Spekulationen bezüglich der Abgabe dieser Kontrolle jeder Grundlage", sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Aktien der beiden Unternehmen schossen zu Handelsbeginn in die Höhe: Die Anteilsscheine von Axel Springer kletterten um rund drei Prozent nach oben, die Aktie von ProSiebenSat.1 um rund das Doppelte.

Umsätze der größten Medienkonzerne der Welt

Dem Bundeskartellamt liegt bislang keine Anmeldung für eine Fusion zwischen den Medienhäusern Axel Springer und ProSiebenSat.1 vor. Dies sagte am Dienstag ein Sprecher der Behörde. Das Kartellamt müsste einen Zusammenschluss überprüfen. Sollte dieser den Wettbewerb erheblich behindern, kann die Behörde die Fusion untersagen oder unter Auflagen genehmigen. Im Interview mit der WirtschaftsWoche sagte der Wettbewerbs-Ökonom Justus Haucap, dass er unter den heutigen Bedingungen eine Fusion der Medienkonzerne für möglich halte.

Einer anderen Medien-Fusion hat das Kartellamt am Dienstag zugestimmt: Die Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) aus Mainz kann die Darmstädter Echo Medien GmbH übernehmen. Beide Häuser hatten die geplante Übernahme bereits im Februar bekanntgegeben. Da beide Verlage in Rüsselsheim eigene Lokalausgaben produzieren, musste sich die Echo-Gruppe aus kartellrechtlichen Gründen jedoch zunächst vom „Rüsselsheimer Echo“ trennen.

Erster Versuch vor zehn Jahren scheiterte

Bereits vor rund zehn Jahren hatte der damalige Zeitungskonzern Axel Springer einen Zusammenschluss mit der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 versucht. Das Vorhaben scheiterte allerdings am Widerstand des Bundeskartellamts und der Medienaufsicht, der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Zu groß wären nach ihrer Ansicht die Markmacht und die Meinungsmacht eines Konzerns gewesen, der unter anderem Deutschlands größte Boulevardzeitung "Bild" und einige der größten Privatsender des Landes vereint hätte.


3014 gewann Axel Springer allerdings einen jahrelangen Rechtsstreit gegen die KEK. Das Bundesverwaltungsgericht entschied, eine Übernahme des TV-Konzerns wäre medienrechtlich unbedenklich gewesen. Mit dem juristischen Sieg stieß Springer die Tür für ein Zusammengehen wieder ein Stück weit auf. Dennoch dürften die regulatorischen Hürden auch für den neuen Anlauf hoch sein.

Axel Springer erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut drei Milliarden Euro. ProSiebenSat.1 kam auf 2,9 Milliarden Euro. Die gemeinsame Marktkapitalisierung beträgt knapp 15 Milliarden Euro. Springer hatte einen Großteil seiner Zeitungen an den Regionalzeitungskonzern Funke ("WAZ") abgegeben, ist aber nach wie vor einer der größten Verleger des Landes. Sowohl Springer als auch ProSiebenSat.1 haben in den vergangenen Jahren ihr Digitalgeschäft massiv ausgebaut und zählen zu den größten Internetportalbetreibern Deutschlands. ProSiebenSat.1 teilt sich den deutschen Privatfernsehmarkt fast allein mit dem Erzrivalen RTL Group aus dem Hause Bertelsmann.

Die 20 besten Marken im Internet

Ob eine Fusion der beiden Konzerne zum jetzigen Zeitpunkt erfolgreicher sein könnte, bleibt abzuwarten. In den vergangenen Jahren haben beide Konzerne ihr Geschäftsmodell stark digitalisiert. So kaufte ProSiebenSat.1 erst im Juni 80 Prozent des Verbraucherportals Verivox. Axel Springer verkaufte verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter die legendäre Hörzu, um ebenfalls in Onlineplattformen zu investieren - darunter die Jobbörse Stepstone und die Immobilienplattform Immonet.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%