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Mega-Deal rückt näher T-Mobile und Sprint stehen vor Fusion

Die Mega-Fusion kommt doch zustande. Quelle: dpa

Die Telekom-Tochter T-Mobile US und ihr Konkurrent Sprint wollen gemeinsam den Marktführern Verizon und AT&T einheizen. Klappt es dieses Mal mit dem Milliarden-Bündnis?

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Die Deutsche Telekom steht Insidern zufolge vor einer milliardenschweren Fusion ihrer Tochter T-Mobile US mit dem kleineren Rivalen Sprint. Die Verhandlungen stehen laut mit dem Vorgang vertrauter Personen kurz vor dem Abschluss. Womöglich werde der Zusammenschluss der Nummer drei mit der Nummer vier auf dem US-Mobilfunkmarkt bereits an diesem Sonntag bekanntgegeben. Allerdings könnten die Gespräche noch in letzter Minute scheitern, sollte der Telekom keine endgültige Einigung mit der japanischen Sprint-Mutter Softbank gelingen. In den vergangenen vier Jahren sind bereits zwei Anläufe unternommen worden, um die beiden US-Mobilfunkanbieter zu verschmelzen. Erst im November war ein Versuch wegen Unstimmigkeiten über die Machtverhältnisse in dem gemeinsamen Unternehmen fehlgeschlagen.

Den Insidern zufolge zeichnet sich nun ab, dass die Deutsche Telekom an dem kombinierten Konzern etwas mehr als 40 Prozent halten wird. Zugleich sollen die Bonner aber die Stimmrechtskontrolle haben und könnten damit die neue Gesellschaft in der Bilanz behalten. Der Finanzdienst Bloomberg erfuhr von Insidern, dass die Deutsche Telekom bei einer Einigung zudem 69 Prozent der Stimmrechte erhalten könnte. „Wir kommentieren grundsätzlich keine Medienberichte“, hieß es dazu am Samstag bei der T-Mobile-Mutter Telekom in Bonn. Für die Telekom ist die Stimmrechtskontrolle wichtig, schließlich hat sich das US-Geschäft zu einem Umsatzgaranten entwickelt. Bislang ist der ehemalige Staatskonzern mit 63 Prozent an T-Mobile US beteiligt. Softbank hält 84,7 Prozent an Sprint.

Telekom-Chef Timotheus Höttges hat ein Zusammengehen mit Sprint nie ganz abgehakt. "Ich werde keine Tür zuschlagen. Man trifft sich im Leben immer zweimal", hatte er nach dem Scheitern der Fusionsbemühungen im November gesagt. Die beiden US-Mobilfunkanbieter und ihre Mutterkonzerne wollten sich nicht zu den Informationen äußern.

Der Deal hat enorme Dimensionen: Zusammen bringen die Unternehmen es auf einen Börsenwert von mehr als 80 Milliarden US-Dollar. Ein gemeinsamer Konzern hätte mehr als 127 Millionen Kunden und könnte die US-Marktführer Verizon und AT&T stärker unter Druck setzen. T-Mobile US hat sich bereits einen Namen als Angreifer gemacht, der den Platzhirschen mit aggressiven Preisen Kunden abspenstig macht. Auch könnten beide Mobilfunkanbieter die anstehenden finanziellen Belastungen durch Investitionen in Netze gemeinsam besser schultern.

Knackpunkt Kartellbehörden

Selbst wenn sich die Telekom und Softbank auf eine Fusion ihrer beiden Töchter einigten, könnte das Geschäft noch von den Wettbewerbshütern blockiert werden. Ein erster Versuch wurde 2014 abgeblasen, nachdem die Regierung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama Kartellbedenken angemeldet hatte. Sie pochte darauf, dass es in den USA weiter vier landesweit tätige Anbieter geben müsse.

Den Insidern zufolge könnte Sprint im Zuge des Deals mit 26 Milliarden Dollar bewertet werden. Am Freitag schoss der Aktienkurs der Firma um mehr als acht Prozent in die Höhe. Der Börsenwert von T-Mobile US stieg um 0,7 Prozent auf 55 Milliarden Dollar.

Analysten schätzen die Wahrscheinlichkeit diesmal höher ein, dass es zu einer Hochzeit kommt. Eine Verbindung würde beiden Unternehmen auch zu einer besseren Position beim Aufbau der Netze für die Zukunftstechnologie 5G verhelfen. Dafür werden hohe Investitionen fällig. Sprint besitze große Anteile des für 5G wichtigen 2,4-Gigahertz-Frequenzbands, sagte Analyst Bill Menezes vom Marktforscher Gartner. Gemeinsam könnten die Firmen ihren 5G-Aufbau deutlich beschleunigen. Ein solches Netz wird benötigt, damit riesige Datenmengen in Echtzeit transportiert und somit Milliarden Geräte vernetzt werden können. Das ist beispielsweise in der Industrie 4.0 und dem autonomen Fahren nötig.

Bei der Frage, mit welcher Bewertung Sprint in eine Fusion gehen soll, gingen die Berichte auseinander. Laut den von CNBC zitierten Kreisen sollen 6,5 Dollar je Aktie veranschlagt werden. Damit würde sich ein Gesamtwert von rund 26 Milliarden Dollar ergeben - das würde in etwa dem aktuellen Börsenwert entsprechen. Bloomberg berichtete hingegen von nur 6,1 Dollar pro Aktie, womit Sprint auf rund 24 Milliarden Dollar taxiert würde. T-Mobile brachte es zuletzt auf einen Börsenwert von rund 55 Milliarden Dollar.

Die US-Tochter des Bonner Telekom-Konzerns war die vergangenen Jahre auf der Überholspur, so dass Sprint sich jetzt mit der Rolle des Junior-Partners begnügen müsste. Für die Telekom ist das Happy End in dieser Partnersuche zugleich auch ein Schlussstrich unter ein US-Abenteuer, das zeitweise einem teuren Missverständnis glich.

Denn lange war die 2001 vom damaligen Telekom-Chef Ron Sommer für horrende 40 Milliarden Euro eingekaufte US-Sparte ein Sorgenkind. Neben lückenhafter Netzabdeckung beutelte den kleinen Mobilfunker etwa, dass man das beliebte iPhone von Apple nicht im Angebot hatte - die Kunden liefen in Scharen zur Konkurrenz über. 2011 scheiterte ein Verkaufsversuch an den Platzhirsch AT&T.

Die Unternehmen befänden sich in den letzten Zügen der Verhandlungen, bereits am Sonntag könne der Deal bekanntgegeben werden. Für Gegenwind beim Sprint-Deal könnten jedoch noch die Wettbewerbshüter sorgen, die die Fusionspläne schon einmal durchkreuzt hatten.

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