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Mehr Daten - mehr Geld "Springer wird zur Vertriebsmaschine"

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Bild ködert mit Fußball

Lockstoff Fußball. Mit Bundesliga-Berichten will

Wie das geht, verriet "Financial Times"-Manager Casper de Bono dem "Guardian". So habe der Online-Auftritt FT.com für eine Fluglinie Adressen von Lesern zusammengestellt, die sich innerhalb der vergangenen 90 Tage von vier unterschiedlichen, von der Airline bedienten Städten aus auf den FT-Seiten eingeloggt hatten. Diesen schickte die Linie auf sie zugeschnittene Angebote. Die "FT" hatte bereits 2006 eine Bezahlschranke vor ihren erfolgreichen Internet-Auftritt gestellt und sammelt seitdem Daten ihrer Kunden.

Lockt die britische Finanzzeitung ihre Klientel mit Wirtschaftsinhalten, soll bei Bild.de neben Unterhaltung und Ratgeberthemen vor allem Fußball Kunden ködern. Bisher hält sich Springer mit Zahlen über zahlende Bild-plus-Leser zurück. Die Zahl der Besuche (visits) auf Bild.de allerdings ist seit der Einführung um gut acht Prozent auf immer noch stolze 249 Millionen im Monat gesunken. Der Bundesliga-Start soll Bild plus nun den Durchbruch bringen.

Bundesliga wird zum Produkt

Springer hatte 2012 für geschätzte 24 Millionen Euro der Deutschen Fußball-Liga für vier Jahre das Recht abgekauft, samstags ab 18.15 Uhr – also noch vor der ARD-Sportschau – Spielberichte gegen Bezahlung online zu zeigen. Den Fan kostet das zusätzlich zum Bild-plus-Abo 2,99 Euro im Monat. "Die Bundesliga-Clips sind am Wochenende kostenpflichtig und ab Montag für alle zur Nutzung frei", sagt Hopfen und schwärmt: "Die Bundesliga wird bei Bild plus zu einem interaktiven Produkt, Nutzer können beispielsweise die Reihenfolge der Spielberichte selbst aussuchen."

Bild plus und andere redaktionelle Angebote allerdings sollen offenbar nicht nur klassische Sportredakteure bespaßen: Konzernweit sucht Springer derzeit 150 IT-Spezialisten jeglicher Couleur, vom "iOs-Developer" bis zum "COO für neue digitale Contentplattformen" mit Schwerpunkt Entertainment. Und auch "Bild"-Chef Diekmann fahndet nach neuen Köpfen.

In Stellenanzeigen hieß es: "Ihr wisst, wie BILD morgen aussieht und funktioniert? Ihr wollt der Zukunft des digitalen Journalismus Euren Stempel aufdrücken?" Das sorgt intern für Unruhe. Denn spätestens seit Diekmann zurück ist aus Palo Alto fürchten viele in der Redaktion größere Umbauten. Diekmann strebe bei "Bild" flachere Hierarchien an, heißt es, weniger Ressortleiter wolle er haben, stattdessen mehr technikaffine Leute.

"Ein Jahr im Netz ist wie zehn Jahre im Print"

Die will auch Manfred Hart. Der Bild.de-Chef sitzt im 16. Stock des Berliner Springer-Hauses fast Tür an Tür mit Diekmann und preist die neuen Möglichkeiten: "Wir hatten kürzlich eine Kollegin beim Hochwasser in Passau, da kannst du nicht mehr unterscheiden, ob der Film mit einer Kamera gedreht wurde oder mit dem iPhone."

Als Hart vor sechs Jahren Online-Chef wurde, gab es weder iPhone, iPad noch Facebook: "Für mich war ein Jahr im Netz wie zehn Jahre in Print! Das ist ein permanenter dynamischer Prozess." Einer mit Folgen für die Redaktion. Denn er brauche nun Leute, die Geschichten für die Online-Welt komplett anders aufbereiten, sagt Hart: "Wir haben beim multimedialen Storytelling aufgerüstet, dabei setzen wir vor allem auf technikaffine Mitarbeiter." Natürlich müsse der Inhalt erst mal vom Redakteur gedacht werden: "Aber auch ein Grafiker oder Web-Designer kann heutzutage Geschichten journalistisch erzählen."

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