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Mehr Daten - mehr Geld "Springer wird zur Vertriebsmaschine"

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Der Schwenk kam spät

Medien-Experten erwarten, dass Funke-Gruppen-Chef Nienhaus den von Springer übernommenen Blättern ein knüppelhartes Sparprogramm verordnet Quelle: dpa

Verlage gingen auf Sparkurs und eröffneten neue Geschäftsfelder. Inzwischen haben sich die erfolgreicheren zu "multimedial agierenden Medienunternehmen" entwickelt, so der Dortmunder Medienforscher Horst Röper. Große Regionalverlage wie die WAZ-Gruppe sind in Geschäftsfeldern wie Anzeigenblätter, Radio und Fernsehen unterwegs: "Der Begriff Zeitungsverlag ist anachronistisch", sagt Röper.

Meist blieben sie zu nah am Kerngeschäft – eine Erkenntnis, die Springer-Chef Döpfner erst nach zwei spektakulären Fehlschlägen dämmerte. Erst verbot ihm das Kartellamt 2006, den TV-Konzern ProSiebenSat.1 zu kaufen. Ein Jahr später erlebte Springer ein Debakel beim Versuch, mit der PIN Group einen Konkurrenten zur Deutschen Post aufzubauen. Das Abenteuer brockte Springer Abschreibungsbedarf von gut einer halben Milliarde Euro ein.

Der Schwenk zurück kam vergleichsweise spät. Während etwa der norwegische Medienkonzern Schibsted aus Oslo bereits seit fast 20 Jahren maßgeblich ins Netz investiert, dem eigenen Kerngeschäft lieber selbst mit kostenlosen Online-Rubriken-Portalen Konkurrenz machte und heute als Vorreiter der Branche gilt, hatte Döpfner allenfalls erkannt, wie sexy "digital" klingt.

Der digitalste Medienkonzern

Der Springer-Chef nutzte das Schlagwort vor allem dazu, Beteiligungen an TV-Sendern in der Türkei, die eigene TV-Produktion oder Radiobeteiligungen flugs zu "Digitalgeschäft" zu erklären. Die Branche reagierte zunächst mit Spott: "Der Döpfner schreibt demnächst noch digital über den Paternoster im Stammhaus", höhnte ein hochrangiger Medienmanager. Mittlerweile hat Döpfner sein Leitthema gefunden: "Wir bringen das ursprüngliche Geschäft der Zeitung – Inhalte, Werbung und Rubrikenanzeigen – ins Internet", sagte er kürzlich der "Süddeutschen Zeitung", "wir wollen der digitalste Medienkonzern werden."

Digitale Treiber. Umsatz und Gewinnentwicklung von Springer

Die Web-Offensive hat sich Springer binnen fünf Jahren mehrere Hundert Millionen Euro kosten lassen. Deutschlands größtes Zeitungshaus übernahm schlüsselfertige Internet-Unternehmen in Reihe, deren Geschäftsmodell und Technik man nun in Nachbarländer exportiert: Kleinanzeigen-Portale wie Stepstone, Autokauf24 und Immonet, den digitalen Prospektverteiler Kaufda, dazu Totaljobs in Großbritannien, Seloger (Immobilien/Frankreich), Carwale (Autos/Indien) und die Vermarktungsgesellschaft Zanox. Unter dem früheren Journalisten Döpfner mutiert das einstige Randgeschäft des Medienhauses aus Anzeigenverkauf und Vermarktung nun zu dessen Kern.

Die Gewinnmarge steigt

Das Gros der Verbraucher, die ein Auto oder eine Wohnung suchen, fahndet bereits im Netz. Davon profitiert Springer: Die Gewinnmarge vor Steuern und Abschreibungen lag im Geschäftsfeld Digital Classifieds, also digitale Annoncen, 2012 bei 41,3 Prozent und damit weit über dem Konzernschnitt von 16,5 Prozent.

Etwas magerer war 2012 die Rendite im Bereich Journalistische Portale und andere digitale Medien mit gut 23 Prozent. Zu dem Bereich gehören die Web-Auftritte von "Bild" und "Welt", Online-Plattformen wie die Frauenseite Aufeminin.com oder die polnische Nachrichtensite Onet.pl, aber auch Preisvergleichsseiten wie Idealo oder der digitale Prospektversender Kaufda.

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