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Mehr Daten - mehr Geld "Springer wird zur Vertriebsmaschine"

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Der Umbau zur Vertriebsmaschine

Im November legt Springer die Redaktionen seiner Boulevardzeitungen

Auch dazu dient der Deal mit der WAZ: Die beiden Verlage haben vereinbart, zwei Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, für Vermarktung und Vertrieb von gedruckten und digitalen Medien. Darin wollen sie Aktivitäten und Know-how bündeln. Springer übernimmt die Mehrheit und die unternehmerische Führung.

"Döpfner baut Springer um zu einer Vertriebsmaschine", sagt Christof Baron, Europachef der Mediaagentur Mindshare in Frankfurt, "und in der dient der Journalismus vor allem als Lockmittel." Eines, das möglichst wenig kosten soll: Zwar will der Verlag nicht bestätigen, dass 200 Stellen allein bei der noch hoch profitablen "Bild"-Gruppe gefährdet seien. Zwar heuert er hochkarätige Schreiber für Blätter wie die "Welt" an. Doch klar ist, dass Döpfner intern immer stärker umbaut.

Weniger Vielfalt

Die "Welt" sowie die nun verkauften "Abendblatt" und "Morgenpost" teilen sich im Hauptteil längst Artikel. Die Redakteure von "Computer Bild" und ihren Beibooten wurden kostensenkend ausgelagert in eine nicht tarifgebundene Gesellschaft. Und im November legt Springer die Redaktionen seiner Boulevardzeitungen "B.Z." und "Bild"-Berlin zusammen. Fazit: weniger Vielfalt für die Leser.

Das Portfolio der Funke Mediengruppe

Das könnte den nun verkauften Blättern auch bei ihrem neuem Arbeitgeber blühen. Denn die Eigentümerfamilie hat sich bei der Komplettübernahme der WAZ-Gruppe 2011 kräftig verschuldet. Christian Nienhaus, Chef der Funke Mediengruppe, wie der WAZ-Konzern heute offiziell heißt, zahlt denn auch vom Kaufpreis erst mal nur 660 Millionen Euro. Die restlichen 260 Millionen Euro stundet Springer den Essenern über mehrere Jahre. "Den Mitarbeitern steht ein knüppelhartes Schrumpfprogramm bevor", warnt der Walldorfer Medienexperte Peter Turi. "Welche Verheerungen das verursacht, ist bei der WAZ-Gruppe zu besichtigen."

Die hatte zu Jahresbeginn die Redaktion der "Westfälischen Rundschau" mit 120 Stellen geschlossen. Seitdem wird das Blatt mit Inhalten von Schwesterblättern wie "WAZ" und "Westfalenpost" bestückt.

Multimediagetriebene Technikexperten, die möglichst viele Medienkanäle simultan mit Inhalten befüllen, statt recherchierende Redakteure – darauf läuft Döpfners Konzept offenbar hinaus.

Geld verdienen mit Kundendaten

Döpfners digitales reich. Die Internet-Geschäfte des Springer Verlags

Wichtiger Schritt der Digitaloffensive ist das jüngst gestartete Experiment, "Bild"-Online-Leser für Artikel unter dem Schlagwort "Bild plus" zur Kasse zu bitten. Mit dem Anpfiff der Fußball-Bundesliga am 9. August, über die "Bild.de" in einer Art Sportschau exklusiv online berichten darf, soll das Projekt Fahrt aufnehmen.

Springer geht es dabei um weit mehr als den Versuch, im Internet mit Journalismus Geld zu verdienen. So soll "Bild plus" Springer mit Namen und Adressen von Tausenden Lesern versorgen – einen Schatz, der sich mit Daten verknüpfen lässt, über die Springer als einer der größten Betreiber von Anzeigen-, Preisvergleichs- und Werbeportalen wie Immonet, Stepstone, Idealo oder Kaufda längst verfügt. Denn hier verdient Döpfner vor allem seine digitalen Dollar und nicht mit journalistischen Texten.

Seit der Jahrtausendwende haben Verlage in Deutschland Milliarden Euro im Anzeigengeschäft verloren. Die Konkurrenz aus dem Internet saugte Stellenanzeigen ebenso ab wie Immobilien- und Auto-Offerten. Parallel schrumpfen die Auflagen.

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