WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Mehr Daten - mehr Geld "Springer wird zur Vertriebsmaschine"

Seite 4/6

"Die Erfassung von jedermann"

Abgesehen von erklecklichen Erlösen eröffnen die Daten, die Kunden auf diesen Portalen hinterlassen, Springer noch viel weiter gehende Möglichkeiten. Zum Beispiel so: John möchte in den Sommerferien mit Gattin und zwei Kindern in die USA reisen. Er besitzt einen Toyota Yaris, Baujahr 2007, den er mittelprächtig findet, vermutlich deshalb hat er kürzlich eine Testfahrt im VW Passat gemacht. Seinen Fotoapparat, eine Canon 7D, will er verkaufen. Das alles weiß nicht nur Johns Nachbar in der netten Eckersbergs gate in Oslo, wo er Eigentum besitzt. Das weiß auch die Internet-Firma Finn.no, die zum Schibsted-Konzern gehört. Schibsted gibt in Norwegen und Schweden Tageszeitungen heraus und besitzt europaweit Online-Portale.

Zwar lebt John nur auf dem Papier – doch in ihren Präsentationen machen Schibsted-Manager keinen Hehl daraus, was ihnen auch fürs wahre Leben vorschwebt: "Die Erfassung von jedermann, aller Güter und Dienstleistungen und wie sie auf dem Marktplatz interagieren." Die Daten für ein solches Profil hat ihnen John beim Online-Shopping auf den Schibsted-Plattformen frei Haus geliefert.

Nicht so radikal wie die "Sun"

Medienriesen wie Schibsted und Springer können dies bei Werbekunden zu Geld machen. Denn die setzen zwar auch auf Reichweite, nämlich die Zahl der Kontakte, die sie per Printanzeige oder Online-Werbung erreichen. Gleichzeitig versuchen sie, maßgeschneiderte Zielgruppen und auch einzelne Kunden anzusprechen, um aus Werbegeld direkt Erlöse zu machen. Die Daten dafür liefert bei Springer nun auch "Bild plus", das Döpfner Anfang Juni startete. Die Berliner gehen beim Herablassen der Bezahlschranke weit weniger radikal vor als ihre Kollegen von der Londoner "Sun": Die machen von August an ihre komplette Homepage zur Zahlzone.

Online-Anzeigen wachsen. Springers Umsatz im Digitalsegment im ersten Quartal 2013

Springer dagegen will die Online-Reichweite seiner wichtigsten Cashcow schützen und schränkte erst mal nur die Zahl der frei lesbaren Artikel ein. Einzelne Texte und Interviews sind seitdem mit einem Plus-Symbol gekennzeichnet. "Plus" heißt zahlen – je nach Abo-Umfang zwischen 4,99 Euro und 14,99 Euro im Monat.

Den Lesern ein Gesicht geben

Zusätzlich zu den Vertriebserlösen bekommt Springer für sein wichtigstes Produkt, dessen Auflage seit Jahren schrumpft und derzeit bei rund 2,4 Millionen täglich verkauften Exemplaren liegt, erstmals Adressen und Daten von Lesern. "Für ,Bild‘ ist die Einführung von Bild plus eine große Chance, weil wir es bislang in der Mehrheit mit unbekannten Kioskkäufern und Nutzern zu tun hatten", sagt "Bild"-Digital-Geschäftsführerin Donata Hopfen. "Jetzt haben wir die Chance, unsere Leser kennenzulernen und ihnen Gesichter zu geben." Davon profitieren auch Werbekunden: Wer seine Nutzer kennt, könne ihnen "immer spezifischere, gezielte Angebote machen".

Da kommt einiges zusammen. Der Vorstandschef der britischen Tageszeitung "Daily Mail" sagte kürzlich, der "Mail"-Online-Auftritt bringe es monatlich weltweit auf 119 Millionen Unique User (unterschiedliche Besucher): fast zehn Mal so viele wie bei Bild.de. Insgesamt sammle die "Mail" in zehn Tagen gut 50 Milliarden Informationen über 43 Millionen Menschen – Daten, die sich monetarisieren lassen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%