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Michael O’Leary Überflieger Ryanair?

Ryanair-Chef Michael O’Leary möchte die Ticketpreise deutlich senken und Metropolflughäfen anfliegen. Seine Expansionsstrategie könnte der deutschen Konkurrenz schwer zusetzen.

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Flugzeuge der Ryanair in Dublin: Die irische Fluggesellschaft möchte ihr Geschäft in Deutschland ausweiten. Quelle: dpa

Michael O’Leary ist für seine Aufmerksamkeit heischenden Auftritte bekannt. Im März 2003 mietete der Ryanair-Chef einen Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg, schlüpfte in eine Kampfmontur inklusive Stahlhelm und fuhr vor den Sitz des Konkurrenten Easyjet. Dort kündigte er medienwirksam an, er werde die Öffentlichkeit von Easyjets „hohen Preisen“ befreien.

Mittlerweile versucht O’Leary laut eigener Aussage „weniger kontrovers“ zu sein. Auf markige Aktionen mag der Ire verzichten, eines ist aber geblieben: Seiner Konkurrenz möchte er immer noch mit niedrigen Preisen die Kunden abspenstig machen. Nun will er die mittleren Ticketpreise von derzeit 45 auf 25 Euro senken. „Der niedrige Ölpreis wird uns im kommenden Jahr helfen, wir planen, diese Kostenersparnis an unsere Kunden weiterzugeben.“

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    Gleichzeitig drängt Ryanair auf die großen Metropolflughäfen. Bisher steuerte die irische Fluggesellschaft vor allem abgelegene Luftplätze wie Memmingen, Frankfurt-Hahn oder Düsseldorf-Weeze an. O‘Leary möchte das ändern: „Vor zwei oder drei Jahren hat keiner der großen deutschen Airports mit uns gesprochen. Jetzt merken sie, dass sie mit uns arbeiten müssen.“

    Deutschland ist Schlüsselmarkt

    Die Expansionsstrategie der Iren könnte der deutschen Konkurrenz gefährlich werden. „Air Berlin und Lufthansa kann man nur angreifen, wenn man in die Metropolen fliegt“, meint der renommierte Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Bisher steuerte Ryanair nicht die gemessen am Passagieraufkommen größten deutschen Flughäfen an - München und Frankfurt am Main. Beide Luftplätze vereinigen rund 48 Prozent des bundesweiten Passagieraufkommens auf sich. Ist das Unternehmen also an einem oder beiden Airports aktiv, würden die deutschen Fluggesellschaften unter gehörigen Preisdruck geraten.

    Der Fachwebseite „anna aero“ bestätigte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs am Dienstag, dass sein Unternehmen Gespräche mit Metropolflughäfen in Deutschland führt. „Wir sprechen mit jedem außer Frankfurt.“ Die großen Flughäfen sind für Ryanair nicht nur wegen des erhöhten Passagieraufkommens attraktiv. An den Metropolflughäfen verreisen mehr Geschäftsleute, die höhere Preise für Flugtickets bezahlen.

    Ryanair könnte in den nächsten Jahren die deutsche Flugbranche gehörig aufwirbeln. In diesem Jahr hat das Unternehmen lediglich einen Marktanteil von rund 8,3 Prozent am deutschen Billigfliegermarkt und liegt damit hinter Germanwings (38,3 Prozent) und Air Berlin (35,5). Der Anteil für die gesamte Verkehrsflugbranche beträgt laut Ryanair-Angaben sogar nur rund fünf Prozent - deutlich weniger als in Großbritannien (17 Prozent), Spanien (18) oder Italien (26). Deutschland ist für Ryanair darum zu einem Schlüsselmarkt geworden. „Immer wenn wir ein neues Flugzeug für unsere Flotte geliefert bekommen, ist unser erster Gedanke, ob wir es in Deutschland einsetzen können“, meint Jacobs.

    Profiteur ist der Passagier

    Die Iren machen bei ihren Wachstumsabsichten keinen Hehl daraus, dass sie von den Schwächen der deutschen Konkurrenz profitieren möchten. Jacobs erklärt: „Wir erwarten ein ziemlich schnelles Wachstum und beabsichtigen - wegen der anhaltenden Probleme der Lufthansa und Air Berlin - die Chance auf Wachstum in Deutschland zu nutzen.“ Die Lufthansa führt momentan Tarifverhandlungen mit Piloten und Bodenpersonal. Air Berlin arbeitet an einem Sanierungskonzept, um wieder Gewinne einzufahren.

    Vor allem auf den Marktanteilen von Air Berlin dürfte das Hauptaugenmerk der Iren liegen. Dort fuhr man im ersten Quartal einen Verlust von 210 Millionen Euro ein und erwägt Stellen zu streichen. Ryanair meldet dagegen Rekordzahlen. So stieg der Gewinn im Jahr 2015 um 66 Prozent auf 867 Millionen Euro, die Zahl der Fluggäste um elf Prozent auf 90,6 Millionen. Der Aktienkurs des Unternehmens erhöhte sich im vergangenen Jahr sogar um rund 85 Prozent.

    Übernahme von Entschädigungen?

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      Dass etablierte Fluggesellschaften wie Lufthansa ihre Langstreckenflüge an Verbindungen von Ryanair anpassen, wie das Ryanair-Chef O’Leary hofft, und dabei die Risiken bei Gepäckverlust oder Verspätungen übernehmen, hält Cord Schellenberg für wenig wahrscheinlich. Normalerweise zahlt die verspätete Airline Entschädigungen an die Passagiere. Ryanair greift außerdem gerne zu unkonventionellen Werbemethoden, die bei der Konkurrenz nicht gut ankommen. So konnte man auf den Flugzeugen schon „Bye bye Latehansa“ lesen.

      Kampf der Billigflieger

      Profiteur des Vorstoßes von Ryanair ist letztendlich der Fluggast. Er kann aus einer großen Zahl von Anbietern wählen und bezahlt auf der Kurzstrecke Niedrigpreise. „Die Liberalisierung der Luftverkehrsbranche, die in den Achtziger Jahren begann, schlägt nun voll durch“, erklärt Schellenberg. Seit 1997 dürfen Fluggesellschaften frei zwischen allen EU-Mitgliedsstaaten fliegen, seit 1993 können sie ihre Preise frei gestalten. Die Lufthansa sieht Schellenberg in einer Zwickmühle: Einerseits machen ihr die Golf-Airlines auf der Langstrecke zu schaffen, andererseits Billigflieger wie Ryanair auf der Kurzstrecke. „Auf der Kurzstrecke hat der Fluggast seine Loyalität zur Disposition gestellt.“

       

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