Milliardenschwere Start-ups "Unicorns vermehren sich wie Karnickel"

Das globale Wachstumskapital ist auf Rekordkurs, vor allem in den USA und Asien. Europa rutscht dagegen ab. Deutsche Gründer werden nur spärlich bedacht. Obwohl der derzeit aktivste Investor in Deutschland sitzt.

Die wertvollsten Startups der Welt
Ein Ranking des Wall Street Journal weist 30 Startups aus, die bereits nach wenigen Geschäftsjahren von ihren Risikokapitalgebern mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden – in der Spitze sogar mit bis zu zehn Milliarden Dollar. Die zehn wertvollsten Startups in umgekehrter Reihenfolge. Hinweis: Betrachtet wurden Unternehmen, in die Risikokapitalgeber in den vergangenen drei Jahren investiert haben und die noch nicht börsennotiert sind. (Quelle: Statista, wsj.com) Quelle: dpa
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Das Wachstumskapital für Jungunternehmen fließt so reichlich wie seit der Dot.com-Pleite nicht mehr. Eine aktuelle Studie des auf Wachstumskapital spezialisierten Marktforschungsunternehmen CB Insights und dem Wirtschaftsprüfer KPMG sieht bereits die 100-Milliarden-Dollar-Marke für 2015.

"Im vergangenen Jahr wurden weltweit 88,3 Milliarden Dollar Wachstumskapital investiert", sagt CB Insights-Chef Anand Sanwal. "Nun wurden bereits im ersten Halbjahr fast 60 Milliarden Dollar ausgeben." 

Doch das Geld ist ungleich verteilt: Es wird in immer weniger Unternehmen gesteckt, die dafür umso höhere Bewertungen erzielen. In diesem Jahr gab es bereits über 100 Runden, die mindestens 100 Millionen Dollar schwer waren, davon allein 61 im zweiten Quartal.

Sogenannte Unicorns – Start-ups, die mindestens eine Milliarde Dollar wert sind - sind schon lange keine Ausnahme mehr. "Die Unicorns vermehren sich wie die Karnickel", scherzt Sanwal. Weltweit gibt es über 100. Im zweiten Quartal kamen 24 neue hinzu. Wegen dieser Fülle ist bereits eine neue Superbrut entstanden, die sogenannten Decacorns, also Jungunternehmen, die ihren Geldgebern mindestens zehn Milliarden Dollar wert sind. Zu ihnen zählen die Bettenbörse Airbnb, der Logistikdienstleister Uber und seit neuestem der Bürovermieter Wework.

Die zehn besten Ratschläge für Unternehmer
Hab Spaß„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“ Quelle: dpa
The Winner shares it allSteuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt. Quelle: dpa
Nutze alle RessourcenHaben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen. Quelle: dpa
Manchmal hilft nur: Zähne zusammenbeiß en!Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“ Quelle: dpa
Glück ist eine Einstellungssache„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist. Quelle: dpa
Glaub an dich Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“ Quelle: dpa
Gib dein Wissen weiter Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“ Quelle: dpa
Verändere das Spiel der KönigeWas hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“ Quelle: dpa
Finde deine AntwortenSind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentiellen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“ Quelle: dpa
Versuchen ist gut, machen ist besserReiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“. Quelle: dpa

Auch weltweit ist das Geld ungleich verteilt. Der Löwenanteil fließt noch immer in die USA. CB Insights erwartet, dass in diesem Jahr 70 Milliarden Dollar Wachstumskapital in US-Unternehmen gesteckt werden, nach 56,4 Milliarden Dollar in 2014.

Eine beeindruckende Summe. Aber noch weit entfernt von der Rekordsumme aus dem Jahr 2000 mit 100 Milliarden Dollar, in heutigen Dollars rund 138 Milliarden. 

Auf Platz zwei liegt Asien, das Europa wegen seinen Wachstumsmärkten in China und Indien immer stärker abhängt. In den letzten fünf Quartalen wurden 33,5 Milliarden Dollar investiert. In Europa hingegen im gleichen Zeitraum nur knapp 13 Milliarden Dollar.

Während der Marktführer USA im zweiten Quartal 19 Milliarden Dollar einheimste, musste sich der alte Kontinent mit drei Milliarden Dollar begnügen. Davon entfielen ein Drittel auf nur zwei Unternehmen -  den Musikstreaming-Anbieter Spotify mit 526 Millionen Dollar und den Internet-Provider neWeb mit 500 Millionen Dollar.

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Der bedeutendste europäische Markt ist weiterhin Großbritannien, das ein Drittel aller Deals an Land zieht. Deutschland rutschte im zweiten Quartal ab. Nach beachtlichen 1,2 Milliarden Dollar in den ersten drei Monaten des Jahres fiel die Summe auf 401 Millionen Dollar. Davon gingen 110 Millionen Dollar an die Lieferdienste Delivery Hero und 100 Millionen Dollar an Foodpanda. Der attraktivste Standort für Jungunternehmen bleibt Berlin mit 23 Finanzierungen für insgesamt 300 Millionen Dollar im zweiten Quartal, gefolgt mit weitem Abstand von München (vier Finanzierungen mit 48,5 Millionen Dollar) und Frankfurt (vier Finanzierungen mit 8,2 Millionen Dollar).

Zumindest ein Superlativ bleibt den Deutschen: Der High-Tech Gründerfonds aus Bonn, der vom Staat und der Industrie finanziert wird, ist derzeit der aktivste Investor in Europa. Einen Vorteil hat Europa. Zwar steigen auch hier die Bewertungen. Doch sie sind bescheiden im Vergleich zu den USA und Asien. "Besonders US- Wagnisfinanzierer haben deshalb ihre Aktivitäten in Europa verstärkt", weiß Sanwal. Das könnte auch andere ausländische Geldgeber ermuntern, es ihnen gleich zu tun.

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