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Millionenschaden 4000 Stunden Bahn-Verspätungen durch Metallklau

4000 Stunden Verspätung soll der Diebstahl von Kabeln und Metallteilen der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr angerichtet haben. Das Unternehmen sei 2012 2.700 Mal Opfer von Metalldieben geworden.

Wo die Rohstoffdiebe zuschlagen
Kabeldiebe haben im vergangenen Jahr bundesweit in 720 Fällen Kupferkabel der Deutschen Telekom gestohlen. Dabei entstand ein Schaden von 1,1 Millionen Euro. Jetzt will sich das Bonner Unternehmen im großen Stil zur Wehr setzen. Die Telekom markiert deshalb ihre Telefon- und Datenkabel mit künstlicher DNA. Das Unternehmen setzt unter anderem ferngesteuerte Mini-Hubschrauber ein, um die Markierungsflüssigkeit auf überirdische Kabel aufzubringen. In der Flüssigkeit, die von Spürhunden erschnüffelt werden kann, befinden sich neben der künstlichen DNA auch winzige Metallplättchen mit dem Logo der Telekom und einem bestimmten Code. Damit können Ermittler mit Hilfe eines Taschenmikroskops auch den Streckenabschnitt feststellen, in dem das Kabel ursprünglich verwendet wurde. Rückstände der DNA in der Markierungsflüssigkeit kann nach Angaben der Telekom sogar noch nachgewiesen werden, wenn die Kupferdrähte entmantelt und eingeschmolzen werden. Ein einziges unbeschädigtes Molekül reiche für den Nachweis aus. „Wir legen eine Spur, die eindeutig zu uns zurückverfolgt werden kann“, sagte Rüdiger Caspari, Leiter Technische Infrastruktur der Telekom. Bei Tätern seien die DNA-Spuren für längere Zeit auf der Kleidung, im Auto, auf Handschuhen, der Haut oder dem eingesetzten Werkzeug nachweisbar und könnten auch nicht abgewaschen werden. Quelle: dpa
Im Februar 2012 ist die Deutsche Telekom mit anderen betroffenen Unternehmen und Verbänden eine Allianz eingegangen, um mittels künstlicher Kupfer-DNA gemeinsam gegen dieMetalldiebstähle zu kämpfen. Dazu gehören die Deutsche Bahn, die Stromversorger RWE und Vattenfall sowie die Verbände der Deutschen Metallhändler (VDM) und Stahrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV). Die Unternehmen wehrten sich nicht ohne Grund. Bei Telekom, RWE und der Bahn verdoppelten sich die Schäden durch Kupferdiebe allein im vergangenen Jahr auf 20 Millionen Euro. Quelle: dapd
Bei dem Metalldiebstahl handelt es sich aber keineswegs um ein deutsches Phänomen: Seit die Rohstoffpreise deutlich anstiegen, haben auch die Metalldiebstähle zugenommen. Ermittler schätzen den Schaden EU-weit auf knapp neun Milliarden Euro. Quelle: dpa
Auch die Deutsche Bahn setzt auf künstliche DNA - und das mit einigem Erfolg. Den Angaben der Bahn zufolge wurden im vergangenen Jahr 558 Täter auf dem Gebiet der Bahn geschnappt. Wegen des Kupferklaus sind bei der Deutschen Bahn im Jahr 2012 mehr als 17.000 Züge ausgefallen oder viel zu spät gefahren. Insgesamt bescherten die Rohstoffe dem Unternehmen 4000 Stunden Verspätung. Mit ihrem leicht zugänglichen 34.000 Kilometer umfassenden Schienennetz ist die Bahn ein beliebtes Opfer - vor allem Kabel von Oberleitungen, aber auch Schienenstücke und sogar Schrauben werden gestohlen. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Metalldiebstähle zwar um etwa zehn Prozent auf 2700 zurück. Der Schaden aber stieg auf 17 Millionen Euro an. „Die Diebe setzen für ein paar Euro ihr Leben aufs Spiel und verursachen dabei nicht nur einen großen materiellen Schaden für die Bahn, sondern schaden vor allem unseren Kunden“, sagte der Leiter der Konzernsicherheit bei der Deutschen Bahn, Gerd Neubeck. Quelle: dapd
Auch bei RWE reduzierte sich 2012 zwar die Zahl der Buntmetalldiebstähle, die Schadenssumme aber stieg auf mehr als 2,1 Millionen Euro. Regionale Schwerpunkte seien Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Quelle: REUTERS
Deutlich schlimmer waren die Diebstähle aber im Jahr 2011: Im Frühjahr begann eine regelrechte Diebstahlserie. Die Spuren führten oftmals nach Südosteuropa. Quelle: AP
Köln, 12. Januar 2011Vier Unbekannte versuchen, aus Aluminium gefertigte, mobile Schutzwände gegen Hochwasser zu entwenden. Die Täter entkommen nach einem Handgemenge mit Sicherheitskräften. Quelle: AP

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung entstand dadurch allein ein Materialschaden von 17 Millionen Euro. Die Diebe würden für ein paar Euro ihr Leben aufs Spiels setzen und dabei nicht nur einen großen materiellen Schaden für die Bahn anrichten, sondern vor allem den Kunden schaden, sagte Gerd Neubeck, Leiter der Konzernsicherheit bei der Deutschen Bahn. 17.000 Züge hätten sich um insgesamt 240.000 Minuten verspätet. Das Blatt beruft sich dabei auf Zahlen eines Sicherheitsbündnisses, das die Bahn im Juli 2012 gemeinsam mit anderen Unternehmen gegründet hat.

Bahn im Test: Gute Zugbegleiter, schlechte Informationspolitik
Sauberkeit der Bahnhöfe (2,3)Zwei Drittel der Befragten sind mit der Sauberkeit deutscher Bahnhöfe zufrieden: 52,7 Prozent der Befragten bewerteten die Sauberkeit als gut, 14,2 Prozent als sehr gut. Durchschnittlich erhalten die deutsche Bahnhöfe in puncto Sauebrkeit die Schulnote 2,3. Am saubersten scheint es im Osten zu sein, dort gab es im Schnitt eine 1,9. Ganze 30,7 Prozent bewerteten die Sauberkeit mit „sehr gut“, lediglich 9,1 Prozent vergaben in Westdeutschland diese Note. Doch auch die dortigen Bahnhöfe müssen sich mit der schlechtesten Durchschnittsnote von 2,5 nicht verstecken. Quelle: dapd
Ausstattung der Züge (2,4)40 Jahre hat die IC/EC-Flotte der Deutschen Bahn durchschnittlich auf dem Buckel. Das spiegelt sich auch in den Umfrage-Ergebnissen wieder: Während die ICE-Ausstattung durchschnittlich eine 2,2 erhielt, war es bei den restlichen Zugarten lediglich eine 2,7. Während 69,9 Prozent der Befragten die ICE-Ausstattung mit „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten, waren es bei den ICE und EC lediglich 44,1 Prozent. Vergangenes Jahr hat die Deutsche Bahn immerhin 27 neue Doppelstock-Züge für den Fernverkehr bestellt, die ab Ende 2013 auf den Schienen rollen sollen. Im Schnitt reichte es für alle Züge immerhin für die Note 2,4. Quelle: dpa
Sauberkeit der Zugtoiletten (2,8)Die Zugtoiletten müssen laut VCD dringend sauberer werden. Weniger als die Hälfte der Befragten sieht die Toiletten der Fernverkehrszüge nämlich als sauber an – 47,5 Prozent gaben ihnen die Noten „sehr gut“ oder „gut“. Deutlich unter dem Durchschnitt liegen die IC/EC-Toiletten mit 37,3 Prozent und der Note 3,1. Die ICE-Toiletten bewerteten 52,3 Prozent positiv (Note 2,7). Deshalb fordert der VCD, dass die Toiletten in kürzeren Abständen und auch während der Fahrt gereinigt werden. Quelle: AP
Zugbegleiter (2,1)Die Mehrheit der Befragten findet das Personal in Fernverkehrszügen kompetent und freundlich. 24,4 Prozent bewerteten es mit „sehr gut“, 53,7 Prozent mit „gut“ – insgesamt gab es eine 2,1. Diese Durchschnittsnote gab es für alle Fernverkehrszüge, also IC, EC und ICE. Quelle: dpa
Servicepersonal für Speisen und Getränke (2,3)Das Zugpersobnal, das sich in Fernverkehrszügen um Essen und Trinken kümmert schnitt zwar auch gut ab, aber einen Tick weniger als die Zugebegleiter. Sie erhielten eine Durchschnittsnote von 2,3 Prozent. Die Kellner, Köche und Barkeeper in IC und EC schnitten jedoch mit 2,5 schlechter ab, als ihre Kollegen im ICE (2,3). Quelle: AP
Verständlichkeit der Durchsagen am Bahnhof (2,5)17,9 Prozent der Befragten erlebten zwischen April und September eine verspätete Abfahrt, in der Hauptverkehrszeit waren es sogar 27,9 Prozent. Die Lautsprecherdurchsagen, die darauf hinweisen, sind jedoch oftmals nicht verständlich. Der VCD nennt dafür entweder eine zu laute Geräuschkulisse oder schlechte Lautsprecher als Gründe. Immerhin 57,5 Prozent verstehen die Durchsagen in Deutschland gut oder sehr gut – dafür gibt es die Gesamtdurchschnittsnote 2,5. Am besten verstehen Bahnreisende die Durchsagen in Norddeutschland, dort gaben ihnen 63,3 Prozent der Befragten die Noten „gut“ oder „sehr gut“ (Durchschnittsnote 2,4). Schlechter zu verstehen, sind die Durchsagen im Westen mit der Note 2,6: 55,6 Prozent verstehen sie dort zwar gut oder sehr gut, 44,4 geben ihnen jedoch nur die Noten „befriedigend“ oder schlechter. Quelle: dpa

Allerdings sind die Zahlen der geklauten Kabel im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken: Damals waren 3.000 Diebstähle von Kupferkabeln und anderen Leistungssträngen am Streckennetz der Bahn gezählt worden. 2011 lag der Schaden in den ersten neun Monaten bei elf Millionen Euro, während es 2010 noch 5,8 Millionen waren - Personalkosten für Ermittlungen, Reparaturen und Schäden durch Zugausfälle sind nicht mit eingerechnet. Die Deutsche Bahn geht dagegen vor: Kabel und andere Metallteile werden mit künstlicher DNA markiert, damit sie sich leichter als Diebesgut identifizieren lassen. Ein Weiterverkauf der Kabel wird dann unmöglich, da die DNA mit dem bloßen Auge nicht zu sehen, und sich nur mit UV-Licht nachweisen lässt. Womöglich würden alternative Rohstoffe eingesetzt, die für Diebe weniger interessant seien. Den Angaben der Deutschen Bahn zufolge wurden im vergangenen Jahr 558 Täter auf dem Gebiet der Bahn geschnappt.

Seit die Rohstoffpreise deutlich anstiegen, haben auch die Metalldiebstähle zugenommen. Ermittler schätzen den Schaden der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge EU-weit auf knapp neun Milliarden Euro. Mit ihrem leicht zugänglichen 34 000 Kilometer umfassenden Schienennetz ist die Bahn ein beliebtes Opfer - vor allem Kabel von Oberleitungen, aber auch Schienenstücke und sogar Schrauben werden gestohlen.
Doch nicht nur die Bahn, auch Telekommunikationsunternehmen und Energieversorger verzeichnen enorme Schäden - auch für ihr Image. Bei RWE etwa reduzierte sich zwar die Zahl der Buntmetalldiebstähle, die Schadenssumme aber stieg auf mehr als 2,1 Millionen Euro. Regionale Schwerpunkte seien Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

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