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Mit dem Flieger ins Büro Wie man im Silicon Valley Dienstreisen per Flugzeug handhabt

Egal ob Sergej Brin und Larry Page oder Jeff Bezos: Die Größen der amerikanischen Tech-Branche finden stets ebenso pragmatische wie kreative Lösungen - auch beim Fliegen.

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Mit einer Dassault Falcon ähnlich dieser reist Amazon-Boss Jeff Bezos. Quelle: imago images

Von Sergej Brin und Larry Page, die gemeinsam Google gründeten, geht die Legende, dass sie sich einst über die Ausstattung des Firmenjets in die Haare bekommen hatten. Konzernchef Eric Schmidt, den die beiden gewissermaßen als Erwachsenen vom Dienst geholt hatten, schlichtete: Jeder soll sein eigenes Bett bekommen, so breit, wie er es eben wolle – und nun solle man wieder über etwas anderes reden.

Klar, in der amerikanischen Tech-Branche finden sie stets ebenso pragmatische wie kreative Lösungen. Selbst wenn es nur darum geht, zum nächsten wichtigen Meeting zu jetten.

Auch für Jeff Bezos ist die Zeit der Genügsamkeit vorbei. Der Amazon.com-Gründer, der lange in einem Honda Accord, Baujahr 1996 zur Arbeit fuhr, ist inzwischen einer der größten Grundbesitzer der USA, besitzt Villen in Seattle, Beverly Hills und Washington. Und nutzt eine Dassault Falcon 900 EX als Privatjet, deren Unterhalt er allerdings über seine eigene Investmentgesellschaft finanziert.

Rein technisch verstößt Bezos damit nicht einmal gegen ein ehernes Prinzip aus den Anfangstagen seines 1994 gegründeten Unternehmens: Alle Mitarbeiter, inklusive Top-Management, müssen aus Kostengründen Holzklasse fliegen, auch auf internationalen Strecken. Wer sich das nicht zumuten will, kann upgraden, allerdings aus eigener Tasche. Da Bezos Tausende seiner Mitarbeiter dank des Höhenflugs der Amazon-Aktie zu Millionären gemacht hat, gibt es viele, die sich das auch leisten können.

IBM hat sich Amazon zum Vorbild genommen. Nach der Finanzkrise von 2008 änderte der Technologiekonzern seine Reisebestimmungen. Zuvor durfte auf Geschäftsreisen über acht Stunden Business gebucht werden, nun ist für jedermann Economy vorgeschrieben.

Wesentlich kulanter ist da Jim Goodnight, Gründer und Chef des Softwarekonzerns SAS. Der ehemalige Statistikprofessor setzte früh auf die Auswertung von Daten und ist dank seiner von Banken und Regierungen genutzten Algorithmen zu einem der reichsten Menschen der Welt aufgestiegen. Der 74-Jährige ist stolz darauf, dass sein Unternehmen seit Jahren zu einem der besten Arbeitgeber der USA gekürt wird. Der Firmenpatriarch, der einen Börsengang stets abgelehnt hat, betreibt eigene Kindergärten, offeriert Fitness-Studios und Arztpraxen.

Normale Mitarbeiter im Privatjet

Wie selbstverständlich nimmt Goodnight auf Geschäftsreisen auch normale Mitarbeiter in seinen Privatjets mit. Vier Maschinen – darunter eine Boeing 737 und eine Cessna 750 Citation X sowie ein Helikopter – gehören zur Firmenflotte. „Seine Mitarbeiter außergewöhnlich zu behandeln, zahlt sich auch geschäftlich aus“, proklamiert Goodnight und verweist auf seine Attraktivität als Arbeitgeber.

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Im Ringen um die besten Talente haben viele Techkonzerne ihre allzu strengen Reisevorschriften inzwischen gelockert. Laut einer Umfrage der „Society for Human Resource Management“ aus Alexandria im US-Bundesstaat Virginia erlaubten im Jahr 2011 nur 13 Prozent der US-Unternehmen Business Class für internationale Geschäftsreisen, fünf Jahre später waren es schon mehr als 17 Prozent.

Andere Techies suchen sich noch kreativere Lösungen. Peter Diamandis etwa, Gründer der X-Prize-Stiftung, der Singularity University in Kalifornien und zahlreicher Start-ups, setzt sich einfach selbst ans Steuer seines Flugzeuges. „Ich habe eine Cirrus SR22 Turbo“, sagt er. „Sie spart mir regelmäßig einige Stunden Fahrt mit dem Auto.“

Ein Blick in die Luxus-Kabine
WirtschaftsWoche-Redakteur Johannes Steger (rechts) unterhält sich mit Carsten Michaelis, Vize-Europa-Chef von Netjets. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Darum geht es: Am Frankfurter Flughafen wartet eine Cessna Citation Latitude auf unseren Redakteur. Für manche ist eine Airbus A380 die Königin der Lüfte, für andere die private Cessna. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Einsteigen, bitte: Statt über die Gangway geht es über einen schwarzen Teppich in den Flieger. Lange Wartezeiten am Gate gibt es auch nicht: 15 Minuten vor dem Abflug am Airport anzukommen reicht völlig aus. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Statt aus kaltem, grauem Kunststoff sind viele der Oberflächen im Privatjet mit dunklem Holz vertäfelt. So war es zumindest in unserem Exemplar – gegen Aufpreis erfüllen die Flugzeugbauer viele Kundenwünsche. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Sie haben vergessen, sich am Gate eine Zeitung zu greifen oder gar am Kiosk zu kaufen? Kein Problem, die Auswahl an Bord sollte für die meisten Flüge reichen. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Bequemer Ledersessel statt dünner Folterbank, richtiger Dreipunktgurt statt einfachem Hüftgurt: Die Kabine des Jets ist durch und durch hochwertig – das zeigt sich auch in Details wie der gepolsterten Ablage. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Die Jubiläumsausgabe zum 90-jährigen Bestehen der WirtschaftsWoche darf an Bord natürlich nicht fehlen. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Diamandis wohnt nur ein paar Minuten vom Flughafen in Santa Monica entfernt. Von dort fliegt er regelmäßig nach Moffett Field, einem Flughafen bei Mountain View, an dem die Singularity University ihren Sitz hat. Statt sieben Stunden per Auto oder drei per Linienflug braucht Diamandis nur eineinhalb Stunden. „Wenn ich lande“, sagt er, „springe ich aus dem Flugzeug und spaziere ins Büro.“

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