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„Mit professionellen Standards nicht vereinbar“ Beitragswächter kritisieren ARD wegen neuer Wetterzentrale scharf

Exklusiv
Quelle: dpa

Experten gehen in einer bisher unveröffentlichten Sonderuntersuchung über die Wetterberichterstattung im Ersten scharf ins Gericht mit den Intendanten der ARD.

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Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) geht in einer bislang nicht veröffentlichten Sonderuntersuchung über die Wetterberichterstattung im Ersten scharf ins Gericht mit den Intendanten der ARD. Das berichtet die WirtschaftsWoche, die die Untersuchung einsehen konnte.

Die von den Bundesländern bestellten unabhängigen Experten kritisieren die Vorgehensweise der Senderchefs bei der Zusammenlegung der bislang auf zwei Anbieter verteilten Wetterberichterstattung. Diese sei mit „mit professionellen Standards nicht vereinbar“ gewesen, rügen die KEF-Gutachter laut WirtschaftsWoche. Ein Wirtschaftlichkeitsvergleich von zwei um den Auftrag konkurrierenden Angeboten auf einer einheitlichen Grundlage sei „unterblieben“. Es sei daher nicht auszuschließen, so die Experten, dass sich das letztlich unterlegene Angebot „als wirtschaftlich günstiger erwiesen hätte“. Die ARD weist die Vorwürfe zurück und widerspricht der Darstellung und Bewertung durch die KEF.

Die ARD-Intendanten hatten im Februar 2019 entschieden, beim Hessischen Rundfunk (HR) ein „Wetterkompetenzzentrum“ einzurichten, das die gesamte Wetterberichterstattung für das Erste bündelt. Seit Anfang 2020 kommen etwa „Wetter vor Acht“ und der Wetterbericht in den „Tagesthemen“ aus Frankfurt. Bislang hatte das ARD-Tochterunternehmen Cumulus Media in München diese Sendungen produziert. Bei ihrer Entscheidung zugunsten des HR habe die ARD Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit „in eklatanter Weise“ zuwidergehandelt, heißt es im Umfeld der KEF.

Auf die Kritik der Beitragswächter stieß zudem, dass drei der neun Landesanstalten in ihren Regionalprogrammen auf eine Refinanzierung der Wetterberichte durch Sponsoring verzichten. Durch die Weigerung von WDR, NDR und BR entgingen der ARD mögliche Werbeeinnahmen in Höhe von 2,4 Millionen Euro im Jahr. Mit ihnen könnten die Anstalten ihre Gesamteinnahmen durch Wettersponsoring verdoppeln, schreiben die Experten in ihrem Bericht und fordern die drei Sender dazu auf, ihre Position zu überdenken.

Die Untersuchung ist Bestandteil des 22. KEF-Berichts, den die Kommission am 20. Februar in Berlin den Bundesländern übergeben wird. In dem Gutachten wird die KEF auch ihre endgültige Empfehlung für die Höhe des Rundfunkbeitrags abgeben, der ab 2021 gültig sein soll. Im November 2019 hatte die KEF in einer vorläufigen Empfehlung die Anhebung des Beitrags von derzeit 17,50 Euro im Monat auf 18,36 Euro genannt. Über die Beitragshöhe entscheiden am Ende die Landtage der 16 Bundesländer.

Mehr zum Thema: Lesen Sie hier die ausführliche Geschichte über das Wetter-Chaos der ARD und was es über den Zustand der Sendeanstalt verrät.

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