Mobilfunk-Discounter Drillisch Schulterschluss mit Dommermuths United Internet

Die Mobilfunk-Discounter Drillisch und United Internet beenden ihre Fehden und machen künftig gemeinsame Sache. Für den deutschen Telekommunikationsmarkt hat das weitreichende Folgen.

Gründer und Vorstandsvorsitzender der United Internet, Ralph Dommermuth. Quelle: AP

Für Ralph Dommermuth, der erfolgsverwöhnte Gründer und Vorstandschef von United Internet, war es die bitterste Niederlage. Alles hatte er in die Waagschale geworfen, um als Gewinner aus der Fusion zwischen Telefonica und E-Plus hervorzugehen. Um die Wettbewerbshüter gnädig zu stimmen, musste Telefonica bis zu 30 Prozent seiner Netzkapazitäten an einen Konkurrenten ohne Infrastruktur kostengünstig abtreten. Felsenfest ging Dommermuth damals davon aus, dass er den Zuschlag bekommt.

Doch auf der Zielgeraden fingen ihn die Brüder Choulidis, die Mitbegründer von Drillisch, noch ab. Dommermuth schrieb einen bösen Brief an die Brüsseler EU-Kommission: Mit seinen 1,9 Millionen Kunden und einem Marktanteil von 1,2 Prozent sei Drillisch der schwächste Spieler und deshalb nicht in der Lage, eine stärkere Rolle auf dem deutschen Mobilfunkmarkt zu spielen. Den Brief schrieb Dommermuth vor einem Jahr.

Gestern Abend hat Dommermuth den Grundstein gelegt, die Niederlage doch noch in einen, wenn auch ziemlich teuren Sieg zu verwandeln. United Internet kaufte ein weiteres Aktienpaket, etwa neun Prozent der Drillisch-Anteile, und steigt mit mittelbar knapp 21 Prozent zum größten Aktionär von Drillisch auf. An der Börse hatte das Aktienpaket einen Wert von rund 200 Millionen Euro. Angaben über den Kaufpreis machte United Internet aber nicht.

Dommermuth will damit sicherstellen, dass seine Tochtergesellschaft 1&1 weiterhin Zugriff auf kostengünstige Mobilfunk- und Festnetz-Infrastrukturen bekommt. Im Festnetz hat er das durch die Übernahme von Versatel erreicht, im Mobilfunk soll offenbar Drillisch diese Rolle übernehmen.

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Für den deutschen Telekommunikationsmarkt hat der Schulterschluss weitreichende Folgen: Drillisch baut derzeit durch den Kauf der Billigmarke Yourfone und des Filialisten "The Phone House" eine eigene Shopkette auf. Die könnten künftig auch die Produkte von 1&1 in ihr Sortiment aufnehmen. Gleichzeitig könnte auch ein Plan aufleben, an dem sich United Internet und Drillisch schon einmal verhoben haben.

Gemeinsam wollten die beiden vor acht Jahren den größten deutschen Service Provider im Mobilfunk, die Freenet AG, mit ihren mobilcom-debitel-Shops übernehmen.

Nach endlosen Tauziehen scheiterten die Verhandlungen schließlich. Schon damals hatte sich United Internet mit Drillisch verbündet und war Anteilseigner bei Drillisch geworden. Das Paket wurde dann aber wieder abgestossen.

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