Möglicher Lohn-Betrug Vapiano will Manipulationsvorwürfe prüfen

Überstunden sind in der Gastronomie keine Seltenheit. Bei der Restaurantkette Vapiano soll die Arbeitszeit der Beschäftigten in einigen Fällen nicht korrekt abgerechnet worden sein, um den Gewinn der Filiale zu steigern.

Vapiano soll bei der Zeiterfassung betrogen haben. Quelle: dpa

Die Restaurantkette Vapiano will Vorwürfen nachgehen, dass in einigen Betrieben Arbeitszeit-Angaben von Beschäftigten zu deren Lasten manipuliert wurden. Die „Welt am Sonntag“ hatte berichtet, geleistete Arbeitsstunden – auch von Auszubildenden – seien nach Informationen ehemaliger Mitarbeiter nachträglich am Computer kleingerechnet worden.

Dadurch habe man den Gewinn der jeweiligen Filiale höher getrieben in der Erwartung, dass die betroffenen Mitarbeiter das nicht bemerken. Denn die Manipulation sei für die Einzelnen nur gering gewesen: Pro Arbeitstag wurden einige Minuten abgezogen, so dass im Monat maximal ein bis zwei Stunden pro Mitarbeiter fehlten. In der Summe über alle Angestellten könnten jedoch stattliche Beträge zusammenkommen.

Laut dem Bericht soll es in bis zu neun der insgesamt 66 Vapiano-Restaurants in Deutschland ein Fehlverhalten von Schicht-, Restaurant- oder Bezirksleitern in Bezug auf Arbeitszeitregelungen und Stempelzeiten gegeben haben. Sechs ehemalige Angestellte sagten per Eidesstattlicher Versicherung aus, die Zeiten entweder selbst abends per Hand am Computer gekürzt oder dies mitbekommen zu haben.

Die Methoden zur Manipulation werden - laut der Zeitung - von neuen Restaurantchefs oder Schichtleitern gleich in den ersten Arbeitstagen "bei einer Zigarette vor der Tür" erklärt. Ein ehemaliger Mitarbeiter schätzte, dass etwa in einem Drittel aller Betriebe, die Vapiano selbst betreibe, so gearbeitet werde.

Umsatzstärkste Unternehmen der Systemgastronomie in Deutschland 2014

Der designierte Vorstandschef, der in Bonn ansässigen Kette, Jochen Halfmann, erklärte in einer Stellungnahme, das mache ihn betroffen. Er habe eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer „schonungslosen und rückhaltlosen“ Aufklärung der Vorfälle beauftragt. „Bei aufgedecktem Fehlverhalten werden wir personelle Konsequenzen ziehen“, versicherte Halfmann.

Neues Zeiterfassungssystem soll Abhilfe schaffen

Der derzeitige Chef Gregor Gerlach betonte, Vapiano arbeite mit einem für die Gastronomie ohnehin sehr hohen Personalkostenanteil von 35 Prozent: „Es gäbe also eigentlich gar keinen Grund für etwaige Tricksereien bei Arbeits- und Stempelzeiten.“

Vapiano kündigte darüber hinaus an, noch in diesem Jahr eine unabhängige Vertrauensstelle einzurichten. Sollte es Beschwerden geben, können sich Mitarbeiter – auch anonym – an diese wenden.

Zudem wolle die Restaurantkette für einen sechsstelligen Betrag ein neues Zeiterfassungssystem einführen, das „unter anderem Änderungen an Stempelzeiten noch nachvollziehbarer dokumentieren soll“.

Das Unternehmen mit Sitz in Bonn erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 385 Millionen Euro. Zu den Eignern gehören die Tchibo-Erben Günter Herz und Daniela Herz-Schnoeckel. Bei deren Investmentgesellschaft Mayfair, die 40 Prozent an Vapiano hält, will sich bislang niemand zum Investment äußern.

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