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M&A-Markt Die Rückkehr der Mammut-Deals

Unternehmen kaufen und fusionieren so oft wie nie seit der Finanzkrise. Hält der Boom am M&A-Markt auch 2015 an? Wir haben uns umgehört.

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Die größten Deals der Unternehmensgeschichte
Platz 1072,0 Mrd. Dollar zahlte der Kabelkonzern Comcast für AT&T Broadband (2001). Quelle: dapd
Platz 972,6 Mrd Dollar zahlte der Versicherer Travelers Group für Citicorp (1998). Quelle: REUTERS
Platz 872,7 Mrd Dollar zahlte der Mobilfunkkonzern AT&T für BellSouth (2006). Quelle: AP
Platz 774,6 Mrd Dollar zahlte der Ölmulti Royal Dutch Petroleum für Shell Transport & Trading (2004). Quelle: dapd
Platz 676,0 Mrd Dollar zahlte der Pharmakonzern Glaxo Wellcome für SmithKline Beecham (2000). Quelle: AP
Platz 5 78,9 Mrd Dollar zahlte der Ölkonzern Exxon für Mobil (1998). Quelle: AP
Platz 489,2 Mrd Dollar zahlte der Pharmamulti Pfizer für Warner-Lambert (1999). Quelle: AP

Das beratungsintensive und teure Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (mergers and acquisition, kurz M&A) großer Unternehmen floriert wieder fast wie zu Zeiten vor der Finanzkrise. Im vergangenen Jahr hat Deutschland den stärksten M&A-Markt seit der Lehman-Pleite erlebt, zeigt der vierteljährlich erscheinende Index der Anwaltskanzlei Allen & Overy.

Beflügelt von lockerer Finanzierung dank expansiver Geldpolitik der Zentralbanken waren auch Megadeals im Milliardenvolumen zu beobachten. Der weltweite M&A-Index des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW und des Wirtschaftsdatenspezialisten Bureau van Dijk befindet sich bereinigt ebenfalls auf dem höchsten Stand seit Oktober 2008.

So kaufte der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck für mehr als 13 Milliarden Euro den Laborausrüster Sigma-Aldrich, während der Konkurrent Bayer für über 14 Milliarden Dollar den Geschäftsbereich rezeptfreier Medikamente von Merck & Co. aus den USA übernahm. Der Technologiekonzern Siemens hingegen verkaufte für drei Milliarden Euro seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen BSH Bosch und Siemens Hausgeräte an den Joint-Venture-Partner Bosch.

In die oberste Gewichtsklasse gehört auch der angekündigte Zusammenschluss der beiden Immobilienriesen Deutsche Annington und Gagfah, die Mietwohnungen im Volumen von zusammengezählt 21 Milliarden Euro verwalten. Dickster Deal in Europa war der im April 2014 angekündigte Zusammenschluss der beiden Zementmischer Holcim und Lafarge im Volumen von fast 26 Milliarden Dollar (siehe unten).

Die zehn größten M&A-Deals in Europa 2014

Wie geht es im frisch angelaufenen Jahr 2015 weiter? „Nach einem signifikanten Anstieg des Dealvolumens 2014 und sogar einer Verdopplung der Volumina für Deutschland stehen die Zeichen am internationalen M&A-Markt auch für 2015 positiv“, sagt Sven Wahle, der bei der Unternehmensberatung Accenture für das M&A-Geschäft sowie Carve Outs in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich ist. Mit Carve Outs bezeichnet der Branchenjargon Veräußerungen ganzer Geschäftsbereiche durch diversifizierte Konzerne, die sich auf diesem Weg von Randaktivitäten trennen.

Prominente Carve Outs gingen jüngst in Form der Abtrennung des Chemiegeschäfts von Bayer über die Bühne oder beim Verkauf der kriselnden Lichtsparte des niederländischen Elektronikkonzerns Philips. Im laufenden Jahr sind laut Accenture-Experte Wahle etwa bei Banken in Europa zahlreiche Konsolidierungen zu erwarten. Auch aus der stark fragmentierten Telekommunikationsbranche könne sich weiteres Deal-Volumen ergeben.

„Der Umbau des Energiesektors und die Überarbeitung der Geschäftsmodelle der Branche dürften ebenfalls zahlreiche Fusionen und Übernahmen nach sich ziehen“, erwartet Wahle. Den Anfang hat bereits der Energieriese E.On mit seiner Ende 2014 überraschend angekündigten Aufspaltung gemacht.

Trend setzt sich 2015 fort

Der im vergangenen Jahr extrem ausgefallene Anstieg von Megadeals im Volumen von mehr als 10 Milliarden Dollar wird nach Ansicht der Accenture-Experten auch 2015 als Trend anhalten. Gründe seien das weltweit vergleichsweise positive Wirtschaftsklima und bessere Finanzierungsbedingungen angesichts derer die Firmen ihre jahrelange Zurückhaltung bei strategischen Zukäufen aufgeben.

Das Niveau liegt laut Accenture aber immer noch deutlich unter dem Level der Mega-Deals aus den Vorkrisenjahren 2006 und 2007, in denen ein Überschwang am M&A-Markt herrschte.

Das sind die teuersten Übernahmen des Jahres
AstraZeneca - Pfizer Quelle: REUTERS
Time Warner Cable- Comcast Quelle: AP
Allergan - Valeant Pharma Quelle: dpa
Lafarge - Holcim Quelle: dpa
SFR - Bouygues Quelle: REUTERS
Forest Laboratories - Actavis Quelle: AP
SFR - Altice Quelle: AP

Die vom ZEW-Zephyr M&A-Index des Bureau van Dijk (BvD) gemessene hohe Zahl an Marktgerüchten zu Fusionen und Übernahmen lässt eine Fortsetzung dieser Entwicklung erwarten. Nach Ansicht von BvD-Experte Tobias Spanka ist weiter viel freies Kapital für Firmenkäufe verfügbar, zugleich seien in einzelnen Märkten Strukturveränderungen nötig.

Mammuttransaktionen vom Schlage Bosch und Siemens, Bayer und Merck oder Deutsche Annington und Gagfah finden auch deshalb große Beachtung, weil sie als psychologische Eisbrecher für den gesamten Markt dienen. „Das durch diese Transaktionen gestärkte Vertrauen der Marktteilnehmer führte zu einem deutlichen Ansteigen der M&A-Aktivitäten auch im unteren und mittleren Marktsegment, und eben diese sind für einen nachhaltigen Aufschwung des M&A-Marktes unerlässlich“, sagt Allen & Overy-Partner und M&A-Experte Hartmut Krause. Auch Allen & Overy geht davon aus, dass der 2014 gestartete Boom im laufenden Jahr anhält.

Bei deutschen Unternehmen schlagen dabei vor allem ausländische Investoren als Käufer zu. „Der angelsächsische Raum bestimmt noch immer den M&A-Markt in Deutschland“, sagt Steve Roberts, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Investoren aus den USA und Großbritannien seien gemeinsam für mehr als ein Drittel aller grenzüberschreitenden Deals im Zusammenhang mit dem hiesigen Markt verantwortlich.

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Die lang erwartete Übernahmewelle durch chinesische Käufer fällt dagegen deutlich niedriger aus. Zwar steigt die Zahl der Akquisitionen mit Chinabezug deutlich. Deren Anteil an den Transaktionen von Investoren aus Schwellenländern liegt laut PwC bei über zwei Dritteln.

Da sich BRIC-Staaten aber vorwiegend auf die Übernahme kleiner und mittlerer deutscher Unternehmen fokussieren, machen die Deals mit Beteiligung Brasiliens, Russlands, Indien und Chinas nur 2,3 Prozent des Volumens aller Transaktionen aus.

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