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Musik-Streaming Wie sich das Verhältnis der Musikindustrie zu Spotify verändert hat

Popsängerin Taylor Swift prangerte den Streamingdienst Spotify 2014 öffentlich an. Quelle: AP

Vor drei Jahren galt Spotify als Fluch der Musikindustrie, Künstler wie Taylor Swift boykottierten die Plattform wegen ihrer Gratis-Kultur. Mittlerweile sind die Musiker zum Streaming-Marktführer zurückgekehrt. Aber nicht, weil sie besser bezahlt werden.

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„Musik ist Kunst, und Kunst ist wichtig und selten. Wichtige, seltene Dinge sind wertvoll. Und wertvolle Dinge sollten bezahlt werden.“ So begründete Taylor Swift 2014 ihren Boykott des Musikstreaming-Diensts Spotify in einem Gastbeitrag für das "Wall Street Journal". Sie kritisierte vor allem die kostenlose Version der Streaming-Plattform und die verschwindend geringen Umsatzanteile, die pro abgespieltem Song an die Künstler gingen.

Zweieinhalb Jahre hielt die Popsängerin ihren Boykott durch. Einige große Künstler schlossen sich ihr an: die Band Coldplay, die Sängerin Adele oder der Radiohead-Frontmann Thom Yorkes kritisierten die Plattform öffentlich und zogen ihre Alben zurück.

Doch die Welle des öffentlichen Protests ebbte schnell wieder ab. Coldplay, Radiohead und Adele haben ihre Musik längst wieder eingestellt. Megastar Taylor Swift verkündete im Juni vergangenen Jahres, alle ihre Songs seien ab sofort wieder auf sämtlichen Streaming-Diensten verfügbar. Das Münchner Jazzlabel ECM, das lange Zeit als standfestester Gegner von Streaming-Diensten galt, gab im November nach und öffnete sich für den Streaming-Markt.

Bleibt die Frage nach den Gründen für den Sinneswandel. Bekamen die Künstler plötzlich mehr Geld von Spotify? Oder haben sie angesichts der Übermacht des schwedischen Anbieters schlicht klein beigegeben?

An Spotify kommt niemand vorbei

Fakt ist: Widerstand ist auf lange Sicht zwecklos. Spotify ist weltweit Marktführer im Musik-Streaming. Mehr als 140 Millionen Menschen nutzen die Plattform, davon sind etwa 60 Millionen zahlende Abonnenten. Laut Bundesverband der Musikindustrie ist Streaming mittlerweile das zweitstärkste Umsatzsegment nach der CD. Niemand kann den Streaming-Diensten auf Dauer entgehen, wenn er Erfolg haben will – vor allem bei jungen Fans.

Das sind die Player auf dem Musik-Streaming-Markt

An der Antipathie vieler Künstler gegen Spotify und andere Gratis-Streaming-Plattformen hat sich wenig geändert. Am Mittwochmorgen wurde bekannt, dass der Musikverlag Wixen Music Publishing, der unter anderem Lizenzen an Songs wie „Free Fallin'“ von Tom Petty und „Light My Fire“ von The Doors besitzt, Spotify verklagt. Die auf Autoren- und Künstlerrechte spezialisierte US-Gesellschaft wirft dem Streamingdienst vor, tausende Lieder zu verbreiten, ohne Lizenzgebühren an die Autoren zu zahlen. Wixen fordert deshalb Schadensersatz in Höhe von mehr als 1,6 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro). Spotify wollte sich zu der Klage bislang nicht äußern.

Plattenfirma bekommt 600 Euro für 100.000 Klicks

Die Meldung hat den Musiker Ekki Maas überrascht: Er hatte bislang den Eindruck, der Kampf gegen Spotify sei verloren. Der Bassist des Indie-Pop-Quartetts Erdmöbel hatte 2014 beschlossen, seine Musik von der Plattform zu nehmen. „Wir dachten damals, wir könnten Teil einer größeren Bewegung werden, die sich gegen die schlechte Bezahlung von Musikern stark macht“, sagt er rückblickend. Aber nur sehr wenige hätten mitgemacht. „Wir haben irgendwann klein beigegeben.“

Spotify hat im vergangenen Jahr Deals mit mehreren großen Plattenfirmen abgeschlossen – unter anderem mit Taylor Swifts Label Universal Music. Seitdem sind manche neue Alben von Universal-Künstlern zunächst zwei Wochen nach Veröffentlichung ausschließlich zahlenden Premium-Abonnenten zugänglich, bevor sie kostenlos gestreamt werden können.

Ähnliche Absprachen sollen mit den beiden großen Labels Sony Music Entertainment und Warner Music getroffen worden sein. Dabei hatte Spotify immer argumentiert, man brauche Gratisversionen, um Nutzer zu binden und später für kostenpflichtige Abo-Modelle zu gewinnen.

Bei den Künstlern kommt noch immer wenig an

Damit ist der Streamingdienst zumindest teilweise auf die Forderungen der Musikindustrie eingegangen. Und die großen Plattenfirmen, die jahrelang mit illegalen Raubkopien im Netz zu kämpfen hatten, freuen sich über steigende Gewinne durch Streaming. Davon komme bei den Künstlern allerdings sehr wenig an, sagt Ekki Maas, der eine eigene kleine Plattenfirma besitzt. „Wir bekommen für 100.000 Klicks gerade einmal 600 Euro von Spotify.“ Musiker, die bei einem großen Label sind, erhalten davon wiederum nur einen geringen Anteil.

Die Deals mit den drei großen Labels nützen also weniger den Künstlern selbst, sondern sollen vor allem Investoren Sicherheit geben. Medienberichten zufolge plant Spotify einen Börsengang, daher muss der Streaming-Anbieter sicherstellen, dass die Musik der beliebtesten Künstler dauerhaft verfügbar ist.

Für Musiker Maas stecken die großen Plattenfirmen ohnehin mit den Streaming-Diensten unter einer Decke. „Universal, Warner und Sony sollen selbst Anteile an den Streaming-Plattformen halten“, sagt er. Wenn Spotify höhere Gewinne erzielt, profitieren die Plattenfirmen also auch davon. „Nur die Künstler werden mit Kleckerbeträgen abgespeist – obwohl es ohne sie die Musik gar nicht gäbe.“

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