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Nach Facebook-Datenskandal Cambridge Analytica rutscht in die Insolvenz

Cambridge Analytica Quelle: dpa

Die Londoner Analysefirma Cambridge Analytica sieht sich in dem Datenskandal zu Unrecht von den Medien verunglimpft. Nach dem Verlust Dutzender Kunden bleibe nur noch die Insolvenz. Facebook sucht Distanz.

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Die britische Firma im Zentrum des Skandals um die Nutzung privater Daten von Facebook-Nutzern, Cambridge Analytica, meldet nach eigenen Angaben Konkurs an und schließt. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung beschwerte sich das Datenunternehmen über eine „unfaire negative Medienberichterstattung“. Es sei für Aktionen „verunglimpft“ worden, die legal und allgemein akzeptiert in der Online-Werbung seien.

Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt von Ermittlungen um die Sammlung privater Daten von Facebook-Nutzern, mit denen psychologische Profile eines großen Teils der US-Wählerschaft erstellt wurden. Das gelang dem Unternehmen mithilfe einer App, die sich als Persönlichkeitstest präsentierte. Sie sammelte die Daten nicht nur der Teilnehmer, sondern auch von zig Millionen Facebook-Nutzern in deren Freundeslisten.

Cambridge Analytica soll in Verbindung mit dem Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gestanden und möglicherweise wesentlich zu seinem Sieg bei der Wahl 2016 beigetragen haben. Trumps Team hatte erklärt, die Daten und Profile nicht genutzt zu haben.

Facebook macht jetzt auch auf Dating

„Die Belagerung durch die Medien-Berichterstattung hat praktisch alle Kunden und Zulieferer des Unternehmens vertrieben“, hieß es in der Erklärung von Cambridge Analytica. „In Ergebnis dessen ist entschieden worden, dass sie (die Firma) nicht länger existenzfähig ist.“ Das Insolvenzverfahren sei in Großbritannien beantragt worden. Zudem solle Insolvenzschutz bei einem New Yorker Bundesgericht beantragt werden.

Zugleich teilte das Unternehmen mit, eine von ihm beauftragte Ermittlung habe gezeigt, die Vorwürfe würden „nicht von Fakten getragen“. Dennoch ermitteln in der Sache die britischen Datenschützer. Der Hauptvorwurf gegen Cambridge Analytica lautet demnach, unautorisiert persönliche Daten erworben zu haben.

Die Enthüllung hatte weltweites Aufsehen ausgelöst. Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste vor dem Kongress Rede und Antwort stehen und versprach einen besseren Privatsphärenschutz. Nach der Bekanntgabe der Insolvenz von Cambridge Analytica erklärte das soziale Netzwerk die Entscheidung habe keinen Einfluss auf sein eigenes Vorgehen. „Es ändert nichts an unserer Verpflichtung und Entschlossenheit, zu verstehen, was genau passiert ist und sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal geschieht.“

Der Chef der Washingtoner Lobbygruppe Center for Digital Democracy sagte indes, Kritik an Facebooks Privatsphäre-Einstellungen werde nicht abreißen. Die Praktiken von Cambridge Analytica stünden, auch wenn das Unternehmen ethische Grenzen überschritten habe, symbolisch für digitales, auf Daten abzielendes Marketing weltweit. Jeff Chester sagte, statt zu jubeln, dass eine Firma ihre gerechte Strafe bekommen habe, sollte vielmehr erkannt werden, dass noch viele weitere Unternehmen wie Cambridge Analytica auf kommerziellen und politischen Marktplätzen operierten.

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