Nach Germanwings-Tragödie De Maiziere prüft verschärfte Ausweispflicht

Innenminister de Maiziere will Konsequenzen aus dem Germanwings-Unglück ziehen und eine Ausweispflicht auf Flügen im Schengen-Raum prüfen. Man habe hier ein "riesiges Sicherheitsproblem". Unterdessen wurde die Zahl der deutschen Opfer nach unten korrigiert.

Innenminister Thomas de Maiziere Quelle: dpa

Als Konsequenz aus der Flugzeugkatastrophe in Frankreich will Bundesinnenminister Thomas de Maiziere einem Bericht zufolge eine Ausweispflicht auf allen Flügen im Schengen-Raum prüfen. Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine habe man bei den Passagieren und Besatzungsmitgliedern überprüft, ob sie den Behörden als sogenannte Gefährder bekannt gewesen seien, sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung laut Vorabmeldung vom Donnerstag. "Wir mussten aber feststellen, dass zunächst gar nicht klar war, wer überhaupt in dem Flugzeug saß."

Grund sei der Wegfall der Grenzkontrollen nach dem Schengener Abkommen, mit dem die Identität der Fluggäste nicht systematisch kontrolliert werde, wurde de Maiziere zitiert. "Wenn ein Passagier sein Ticket an jemand anderen abtritt, wird nur der Name des ersten Passagiers erfasst. Das ist ein riesiges Sicherheitsproblem, und wir müssen ernsthaft überlegen, ob das in Zukunft wirklich noch so bleiben kann."

Die Namen von Besatzungsmitgliedern und Passagieren wurden de Maiziere zufolge nach dem Absturz überprüft, weil die Behörden "wissen wollten, ob es sich um einen Terroranschlag handelt".

Beim Absturz des Airbus A320 in den französischen Alpen kamen am vergangenen Dienstag 150 Menschen ums Leben. Den Ermittlungen zufolge sperrte der Co-Pilot den Flugkapitän aus dem Cockpit aus und führte die Katastrophe bewusst herbei. Das Motiv ist unklar. Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Mann vor Jahren suizidgefährdet. Für den Unglückstag war er zudem krankgeschrieben - warum, wurde unter Berufung auf die ärztliche Schweigepflicht nicht bekanntgegeben.

Die Fakten zum Germanwings-Absturz

Unter den Toten waren nach neuesten Angaben 72 statt 75 Deutsche. Das Auswärtige Amt begründete am Mittwoch die Korrektur der Zahl damit, dass es zunächst noch Unklarheiten bei den Passagieren mit doppelter Staatsangehörigkeit gegeben habe.

Als Konsequenz aus dem Absturz prüfen "Bild" zufolge deutsche und französische Experten auch, ob der Mechanismus zum Schutz der Cockpittür geändert werden soll. Bisher ist es möglich, die Tür von innen komplett zu verriegeln, so dass ein Eindringen auch für Crewmitglieder unmöglich ist. Dieser Mechanismus wurde wegen der Anschläge vom 11. September 2001 eingeführt. Damals stürmten Extremisten in die Cockpits und übernahmen die Kontrolle über die Flugzeuge.

Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa hat den Angehörigen der Opfer bereits langfristige Hilfe versprochen. „Wir helfen nicht nur diese Woche. Wir möchten solange helfen, wie Hilfe benötigt wird“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch bei einem erneuten Besuch mit Germanwings-Chef Thomas Winkelmann an der Unglücksstelle in den französischen Alpen, wo er auch den Helfern vor Ort dankte. Auf Fragen gingen Spohr und Winkelmann nicht ein. Anschließend trafen sie in Marseille noch mit Angehörigen von Opfern zusammen.

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Am Unglücksort trafen auch zwei Bundeswehr-Hubschrauber ein. Sie sollen sich ab Donnerstag an den Bergungsarbeiten beteiligen. Die Besatzungen bestehen aus je drei Soldaten. Zusätzlich sind drei Wartungskräfte dabei. Frankreich hatte um die Hilfe der Bundeswehr gebeten. Auch ein Ermittlerteam aus Düsseldorf kam an der Absturzstelle an. Mit den vier deutschen Polizisten flogen die vier französischen Ermittler, die die Arbeit in Düsseldorf bisher unterstützten. Zum deutschen Team gehört ein Spezialist des Landeskriminalamts für lasergestützte Tatortvermessung und digitale Spurenkarten.

An der Absturzstelle wurden derweil weiter persönliche Gegenstände der Toten gesichert. Die Bergung der Opfer war nach Angaben der Gendarmerie am Dienstag abgeschlossen worden. Außerdem ging die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter.

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