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Nachhaltigkeit Luftfahrtbranche verkauft sich schlecht

Mit ihrem neuen Nachhaltigkeitsbericht will die Lufthansa den wachsenden Gegenwind der Umweltpolitiker kontern. Doch am Ende braucht sie wie die ganze Flugbranche vor allem eine neue Öffentlichkeitsarbeit.

Lufthansa-Chef Christoph Franz Quelle: dpa

Es ist natürlich eine gute Idee, dass Lufthansa-Chef Christoph Franz den neuen Nachhaltigkeitsbericht der Fluglinie heute Nachmittag persönlich vorstellt. Es zeigt: die nach Umsatz weltgrößte Airline nimmt die wachsende Kritik der Umweltpolitiker ernst und investiert trotz aller Sparprogramme viele Milliarden, um die Natur immer weniger stark zu belasten. Und dann ist es natürlich auch eine schöne Abwechslung für Franz, der ansonsten fast den ganzen Tag mühsam um Konzeption und Umsetzung des neuen Sparprogramms Score ringt.

Doch am Ende ist das offenbar nicht genug. Schließlich stellt die Lufthansa ihren Balance genannten Bericht nun seit 1994 vor. Doch der Druck ist in all den Jahren ständig gewachsen. Fast keinem Thema widmet sich die Umweltorganisation Greenpeace mit so viel Liebe wie den schädlichen Nebenwirkungen der Fliegerei. Wohl auch deshalb ist der Rückhalt der Flugbranche besonders in der deutschen Politik ständig gesunken.

Überlegungen zur Unternehmenskommunikation

Das zeigte nicht zuletzt am vergangenen Wochenende, als die Münchner Bürger den geplanten Bau einer dritten Bahn an ihrem Flughafen stoppten. Und das lag nicht zuletzt daran, dass Flughafengesellschaft und Lufthansa als größter Kunden nicht mal die bayerische Landesregierung überzeugen konnten, sich nach Kräften für den Ausbau einzusetzen. Der CSU-Spitze war der Ausbau am Ende offenbar weniger wichtig als Münchens Oberbürgermeister Christian Ude richtig eins auszuwischen und ihn in seiner Rolle als möglichen Ministerpräsidenten zu schädigen. Und von der Bundesregierung hat die Branche ohnehin wenig zu erwarten, wie die wachsende Steuerlast durch die Luftverkehrsabgabe zeigt.

Als erfahrener Manager von Veränderungen sollte Franz vielleicht auch einmal das Auftreten seines Unternehmens, ja der ganzen Branche in dieser Frage überdenken. Bisher setzte die Branche vor allem darauf, ihre technologischen Fortschritte zu zeigen, also wie viel leiser und sparsamer Fliegen geworden ist und noch werden wird. Dann kam eher kleinlaut die wirtschaftliche Bedeutung der Branche und ihre Rolle als Jobmaschine. Und ganz am Ende vielleicht noch, dass ein weitgehender Verzicht auf den Flugverkehr keine Lösung ist, weil er nicht nur im Prinzip das Ende vom Sommerurlaub am Mittelmeer bedeutet, sondern auch der weltweiten Arbeitsteilung und unseres Wohlstandes.

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