Nachrichtenmagazin Büchner neuer Doppel-Chef beim Spiegel

Der Noch-Chefredakteur der dpa, Wolfgang Büchner, verantwortet zukünftig die Print- und Online-Version des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Vor welchen Herausforderungen er und das Magazin stehen.

Wolfgang Büchner wird neuer Chefredakteur des Nachrichtenmagazins

Will sie in Zukunft mal beim "Spiegel" nach dem Rechten sehen, hat es Julia Jäkel nicht weit: Wenn sie stramm geht, gelangt sie zu Fuß in gut 20 Minuten von der Zentrale des Verlags Gruner+Jahr zum "Spiegel"-Hauptquartier an der Ericusspitze in Hamburg. Die beiden Häuser, vor wenigen Wochen für ein Beben in der Medienbranche sorgten, verbindet weit mehr als ihre Lage mit Hafenblick.

Welche Unternehmen den Laden dicht machen
RenaDer Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten. Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“. Quelle: dpa
Münchener AbendzeitungSie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters
Zamek Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen. Quelle: dpa
Strauss InnovationFür die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die
Kaiser GmbHDrei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt. Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´:
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen:
Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies:

Gruner hält 25,5 Prozent an der Spiegel-Gruppe. Und um die will sich Jäkel, die mit dem Segen von Mehrheitseigner Bertelsmann gerade zur alleinigen Chefin bei Gruner ("Stern", "Geo") aufsteigt, künftig selbst kümmern. Immerhin einen Haken machen kann Jäkel nun schon mal hinter eine der wichtigsten Personalien auf ihrer Agenda: Heute gab der Spiegel Verlag bekannt, dass Wolfgang Büchner, bislang noch als Chefredakteur in Diensten der Nachrichtenagentur dpa neuer Chefredakteur für "Spiegel" und Spiegel Online wird. Auf Jäkels Liste dürften jedoch weitere Posten stehen, so vor allem die Fahndung nach Einsparmöglichkeiten und die Zusammenarbeit etwa in der Anzeigenvermarktung.

Das scheint nötig. Denn der Jahresumsatz der Spiegel-Gruppe sank 2012 auf 307 Millionen Euro. Auch der Gewinn - 2011 laut Bundesanzeiger noch 43 Millionen Euro - dürfte geschrumpft sein. Ein Grund ist der Auflagenrückgang beim "Spiegel" (siehe Grafik). Ein weiterer ist das zehnprozentige Minus 2012 bei den Anzeigen. Die Gruppe will nun sparen, hat zuletzt 40 von 120 Mitarbeitern der Film- und Fernsehsparte Spiegel-TV gekündigt, weitere Trennungen sollen folgen. Ende Mai wird der Wochentitel "New Scientist" eingestellt.

Auflage und Umsätze schwinden. (zum vergrößern bitte anklicken)

Jäkel wird auch auf eine Entscheidung drängen, wie eng die 230 Redakteure des darbenden Printtitels mit ihren gut 130 Kollegen des erfolgreichen Web-Angebots Spiegel Online, das manche im Haus mehr als Konkurrenten betrachten, zusammenarbeiten. In dem Zusammenhang stellt die Berufung Büchners klar Weichen: Er ist in Personalunion Chef des gedruckten Magazins wie auch des erfolgreichen Online-Auftritts. Büchner wird entsprechend ein gehöriges Wörtchen mitsprechen, wenn es um die in vielen deutschen Verlagshäusern geführte Debatte geht, ob und wie eine Online-Bezahlschranke eingeführt wird und wie Magazin- und Online-Redaktionen künftig zusammenarbeiten.

Über diesem lange schwelendem Streit verlor der "Spiegel" vor wenigen Wochen seine bisherigen Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron. Deren Entlassung war jedoch eher Symptom für die Lage als hilfreiche Medizin. Denn tatsächlich geht es der Konkurrenz kaum anders: "Die Zeit der Titel mit Millionenauflage neigt sich dem Ende zu", sagt Christof Baron, Deutschland-Chef der Mediaagentur Mindshare. "Gleichzeitig geht die Erosion im Werbemarkt weiter."

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