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Nachtflugverbot Nachtflugverbot bleibt und birgt Gefahren

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Ein gutes Geschäft für die Lufthansa

Die größten Flughäfen Europas
Platz 8: London Gatwick Quelle: AP
Platz 9: Barcelona El Prat Quelle: dapd
Platz 8: Fiumicino, Rom Quelle: Reuters
Platz 6: Istanbul, Atatürk-Airport Quelle: REUTERS
Platz 6 München Quelle: dpa
Platz 5: 49,7 Millionen: Madrid-Barajas Quelle: Reuters
Platz 4: Amsterdam - Schiphol Quelle: Reuters

Denn als Preis für die Einschränkung bekamen Airlines und Airport ja die Erlaubnis zu wachsen.  Die Flugbranche verzichtete am Ende auf die gut 50 Nachtflüge, die sie vorher hatte. Dafür bekam sie in jeder der verbliebenen 18 Stunden jeweils gut 40 mögliche Flüge dazu. Das ist alles andere als ein schlechtes Geschäft für Lufthansa und den Flughafen. Will die Lufthansa in Zukunft bestehen gegen die Wettbewerber vom persischen Golf wie Emirates, Linien aus Fernost oder die grundsanierten US-Linien, braucht sie vor allem ein dichteres Flugnetz. Weil die Konkurrenten allesamt niedrigere Kosten haben, kann Lufthansa nur bestehen, wenn sie ihre höheren Preise durch ein besseres Angebot für die Kunden rechtfertigen.

Da ihr das mit ihrem gerade im Vergleich zu Emirates oder Singapore Airlines vergleichsweise bescheidenen Bordservice nicht gelingt, muss sie über eine kürzere Reisezeit punkten. Das bedeutet mehr Flugziele ohne Umsteigen anfliegen. Und wo es ohne Flugzeugwechsel nicht geht, muss der ohne lange Wartezeiten von statten gehen. Dazu braucht die Lufthansa mehr Flüge und die bekommt sie durch die neue Landebahn in Frankfurt.

Beispiel Heathrow: Stagnation

Wie die Alternative „Nachtflüge, aber kein Ausbau“ ausgesehen hätte, lässt sich in Teilen täglich am Londoner Flughafen Heathrow sehen. Der stagniert, weil er seit Jahren nicht mehr gewachsen ist und aus jetziger Sicht auch keine Chance hat‚ jemals ein neue Bahn zu bekommen. Darum muss British Airways als größte Linie in Heathrow neue Start- und Landezeiten auf den überfüllten Pisten teuer kaufen, wie zuletzt durch die Übernahme der Lufthansa-Tochter BMI. Doch weil das System ständig an der Belastungsgrenze arbeitet, reicht oft schon ein mittleres Gewitter und das fein austarierte System aus Zubringern und Anschlüssen bricht zusammen.

Auch der Flughafen Frankfurt möchte auf keinen Fall zu Gunsten der Nachtflüge seinen Ausbau  auch nur ein bisschen einschränken. Wer mit Vorständen der Flughafen-Muttergesellschaft Fraport mal vertraulich spricht, bekommt irgendwann einen Satz zu hören wie: Nachtflüge bringen uns vor allem Ärger und Tagflüge vor allem Gewinn. Denn das Geld verdient heute kein Flughafen mehr mit den Gebühren für Starts und Landungen. Das Geld bringen zum einen die Passagiere mit ihren Einkäufen im Duty-Free-Shop und die Unternehmen, die am Flughafen Büros oder Hotelzimmer mieten.

Nachts fliegt nur die Fracht

In der Nacht hingegen fliegt vor allem Fracht, weil außer ein paar Urlaubern kein Passagier morgens um drei oder vier losfliegen will. Doch an Paletten und Containern verdient der Flughafen vor allem, indem er den Grund und Boden oder am besten gleich die ganzen Hallen an die Spediteure und Abfertiger vermietet. Doch die Logistikfirmen müssen salopp gesagt ihre Infrastruktur weiter mieten, auch wenn die nachts ruht.

Und wenn die Frachtfirmen abziehen, weil sie ohne Nachtflug kein Geld mehr verdienen? Kein großes Problem. Dann baut der Flughafen anstelle der Hallen neue Hotels  und Büros.

Somit ist am Ende mit dem Paket Flughafenausbau/Nachtflugverbot allen gedient – wenn es nicht weiter verschärft wird und der Flughafen statt von 23 Uhr bis 5 Uhr nun von 22 bis 6 Uhr dicht machen muss. Danach sieht es zwar derzeit nicht aus. Doch diese Forderung ist im Rhein-Main-Gebiet heute deutlich populärer als vor zehn Jahren beim Mediationskompromiss. Das wäre dann in der Tat ein ernstes Problem. Vor allem für die Lufthansa, deren Kosten deutlich steigen würden, weil sie ihre teuren Flugzeuge länger am Boden lassen müsste und für den gleichen Flugplan ihre Flotte wohl um mindestens 40 Flugzeuge im Wert von mehreren Milliarden Euro erweitern müsste.

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Einen Vorgeschmack davon hat die hessische Verwaltung ja schon klammheimlich gegeben. Sie streicht rigoros allen Flugzeugen die Starterlaubnis, die nicht bis 23 Uhr abgehoben haben. Darum geht offiziell schon eine halbe Stunde vorher kein Flug mehr. Schließlich brauchen die Maschinen vom Terminal bis zur Bahn in der Regel 20 Minuten und mehr. Und wenn dann noch wegen ein paar verzögerter Zubringer die Türen erst verspätet zugehen, muss die Maschine am Boden bleiben – und Lufthansa & Co. ihre Passagiere mit Vollpension teuer im Hotel unterbringen. So bleibt zu hoffen, dass nun auch Lufthansa und Fraport zugeben, dass sie mit dem Verzicht auf Nachtflüge leben können. Denn die nächtliche Stille schafft dann hoffentlich auch wieder ein wenig Vertrauen in die Flugbranche insgesamt und die hessische Politik.

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