WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Nächtliche Vandalen Deutsche Bahn will Graffiti-Sprüher mit Drohnen filmen

Drohnen lassen sich für alles Mögliche einsetzen - auch jenseits der umstrittenen militärischen Nutzung als Kampfinstrument. Nun will die Bahn damit gegen nächtliche Vandalen vorgehen.

Wo die Rohstoffdiebe zuschlagen
Kabeldiebe haben im vergangenen Jahr bundesweit in 720 Fällen Kupferkabel der Deutschen Telekom gestohlen. Dabei entstand ein Schaden von 1,1 Millionen Euro. Jetzt will sich das Bonner Unternehmen im großen Stil zur Wehr setzen. Die Telekom markiert deshalb ihre Telefon- und Datenkabel mit künstlicher DNA. Das Unternehmen setzt unter anderem ferngesteuerte Mini-Hubschrauber ein, um die Markierungsflüssigkeit auf überirdische Kabel aufzubringen. In der Flüssigkeit, die von Spürhunden erschnüffelt werden kann, befinden sich neben der künstlichen DNA auch winzige Metallplättchen mit dem Logo der Telekom und einem bestimmten Code. Damit können Ermittler mit Hilfe eines Taschenmikroskops auch den Streckenabschnitt feststellen, in dem das Kabel ursprünglich verwendet wurde. Rückstände der DNA in der Markierungsflüssigkeit kann nach Angaben der Telekom sogar noch nachgewiesen werden, wenn die Kupferdrähte entmantelt und eingeschmolzen werden. Ein einziges unbeschädigtes Molekül reiche für den Nachweis aus. „Wir legen eine Spur, die eindeutig zu uns zurückverfolgt werden kann“, sagte Rüdiger Caspari, Leiter Technische Infrastruktur der Telekom. Bei Tätern seien die DNA-Spuren für längere Zeit auf der Kleidung, im Auto, auf Handschuhen, der Haut oder dem eingesetzten Werkzeug nachweisbar und könnten auch nicht abgewaschen werden. Quelle: dpa
Im Februar 2012 ist die Deutsche Telekom mit anderen betroffenen Unternehmen und Verbänden eine Allianz eingegangen, um mittels künstlicher Kupfer-DNA gemeinsam gegen dieMetalldiebstähle zu kämpfen. Dazu gehören die Deutsche Bahn, die Stromversorger RWE und Vattenfall sowie die Verbände der Deutschen Metallhändler (VDM) und Stahrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV). Die Unternehmen wehrten sich nicht ohne Grund. Bei Telekom, RWE und der Bahn verdoppelten sich die Schäden durch Kupferdiebe allein im vergangenen Jahr auf 20 Millionen Euro. Quelle: dapd
Bei dem Metalldiebstahl handelt es sich aber keineswegs um ein deutsches Phänomen: Seit die Rohstoffpreise deutlich anstiegen, haben auch die Metalldiebstähle zugenommen. Ermittler schätzen den Schaden EU-weit auf knapp neun Milliarden Euro. Quelle: dpa
Auch die Deutsche Bahn setzt auf künstliche DNA - und das mit einigem Erfolg. Den Angaben der Bahn zufolge wurden im vergangenen Jahr 558 Täter auf dem Gebiet der Bahn geschnappt. Wegen des Kupferklaus sind bei der Deutschen Bahn im Jahr 2012 mehr als 17.000 Züge ausgefallen oder viel zu spät gefahren. Insgesamt bescherten die Rohstoffe dem Unternehmen 4000 Stunden Verspätung. Mit ihrem leicht zugänglichen 34.000 Kilometer umfassenden Schienennetz ist die Bahn ein beliebtes Opfer - vor allem Kabel von Oberleitungen, aber auch Schienenstücke und sogar Schrauben werden gestohlen. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Metalldiebstähle zwar um etwa zehn Prozent auf 2700 zurück. Der Schaden aber stieg auf 17 Millionen Euro an. „Die Diebe setzen für ein paar Euro ihr Leben aufs Spiel und verursachen dabei nicht nur einen großen materiellen Schaden für die Bahn, sondern schaden vor allem unseren Kunden“, sagte der Leiter der Konzernsicherheit bei der Deutschen Bahn, Gerd Neubeck. Quelle: dapd
Auch bei RWE reduzierte sich 2012 zwar die Zahl der Buntmetalldiebstähle, die Schadenssumme aber stieg auf mehr als 2,1 Millionen Euro. Regionale Schwerpunkte seien Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Quelle: REUTERS
Deutlich schlimmer waren die Diebstähle aber im Jahr 2011: Im Frühjahr begann eine regelrechte Diebstahlserie. Die Spuren führten oftmals nach Südosteuropa. Quelle: AP
Köln, 12. Januar 2011Vier Unbekannte versuchen, aus Aluminium gefertigte, mobile Schutzwände gegen Hochwasser zu entwenden. Die Täter entkommen nach einem Handgemenge mit Sicherheitskräften. Quelle: AP

Die Deutsche Bahn will Graffiti-Sprüher künftig mit Hilfe kleiner Kamera-Drohnen aus der Luft jagen. In den kommenden Wochen solle die neue Technik getestet werden, bestätigte ein Sprecher des bundeseigenen Konzerns einen Bericht aus der „Bild am Sonntag“. Mit Wärmebildkameras sollen Sprüher etwa auf Abstellanlagen für Züge aufgespürt und gefilmt werden.
„Wir müssen neue Wege bei der Graffiti-Bekämpfung gehen“, sagte der Sicherheitschef der Bahn, Gerd Neubeck, dem Blatt. Allein im vergangenen Jahr habe die Bahn etwa 14.000 Graffiti erfasst. Der entstandene Schaden liege bei 7,6 Millionen Euro.

Die Bahn in Zahlen

Der Flugschreiber der Drohnen solle alle Aufnahmen inklusive Standortdaten gerichtsfest dokumentieren, um Täter juristisch belangen zu können, hieß es. Der neue Hightech-Spürhund mit Logo der Bahn koste 60 000 Euro. In 150 Metern Höhe könne er mit bis zu 54 Kilometern pro Stunde fast geräuschlos fliegen und Ausschau halten. Per Autopilot seien bis zu 40 Kilometer lange Strecken möglich.
Werde das Gerät manuell gelenkt, betrage der Flugradius nur 500 Meter. Dies sei etwa bei Schwerpunkteinsätzen denkbar, sagte der Sprecher. Aus Datenschutzgründen sollten die Drohnen zunächst nur im Luftraum über Bahn-Gelände eingesetzt werden.

Mit Hilfe der Drohnen könnten größere Flächen in kürzerer Zeit überwacht werden, sagte der Sprecher. Die Drohnen könnten auch für die Wartung von hohen Brücken oder auf Großbaustellen wie Stuttgart 21 eingesetzt werden - kurz: überall dort, wo es um luftige Höhen oder große Flächen gehe.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Die kleinen Aufklärer in Rot können laut Bahn 80 Minuten lang fliegen. Das Team, um eine solche Drohne zu bedienen, bestehe aus einem Piloten am Boden und einem sogenannten Operator, der die gemachten Wärmebilder einsehe.
Unbemannte Fluggeräte werden immer beliebter. Es gibt vielfältige Einsatzmöglichkeiten, etwa auch als Transportmittel für kleine Lasten. Umstritten ist insbesondere die militärische Nutzung von Kampfdrohnen, die von den USA unter anderem zur gezielten Tötung von Terroristen eingesetzt werden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%