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Neue Routen bei Norwegian Jetzt kommen die Billigflüge auch für Langstrecken

Der Edelbilligflieger und sein Chef Björn Kjos wollen nach Skandinavien nun ganz Europa und die Langstrecke erobern. Helfen sollen besserer Service und ungewöhnliche Sparideen. Mit elf neuen Routen nach Spanien, wo Norwegian dank seiner vielen Flüge aus ihrer skandinavischen Heimat schon sehr stark ist, soll der Erfolgskurs fortgesetzt werden. Ab Ende Oktober fliegt Norwegian aus Hamburg und Köln nach Malaga, Alicante, Gran Canaria and Tenerifa sowie ab München nach Malaga, Alicante und Teneriffa.

Letzter Revolutionär - Norwegian hat die Kosten seit 2002 um 70 Prozent gedrückt. Quelle: Presse

Beim ersten Treffen ist es oft nicht ganz leicht, in Björn Kjos einen ernsthaften Geschäftsmann zu sehen. Sein Sakko ist schon mal ein wenig ausgeleiert, der Hemdkragen etwas fadenscheinig, das Muster der Krawatte passt weder zum Hemd noch zum Sakko. Dazu kommentiert der 66-Jährige jeden dritten Satz mit einem durchdringenden Lachen.

In Europas Flugbranche unterschätzt den Chef und größten Aktionär des skandinavischen Billigfliegers Norwegian allerdings keiner mehr. Kjos hat die Linie aus Oslo in elf Jahren vom kleinen Regionalflieger zum drittgrößten Flugdiscounter in Europa gemacht, mit 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz und gut 2500 Mitarbeitern. Dabei hat er in Skandinavien Marktführer SAS niedergerungen, die britische Billiglinie Easyjet weitgehend vertrieben und den irischen Geizflieger Ryanair klein gehalten.

Die größten Billigflieger Europas
Die von deutschen Flughäfen aus startenden Billigflieger sind nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teurer geworden. Je nach Fluglinie lagen die Durchschnittspreise für einen einfachen Flug im vergangenen Herbst zwischen 70 und 140 Euro brutto, wie das Forschungsinstitut berichtete. Im vorangegangenen Sommer hätten sie noch bei 50 bis 130 Euro gelegen. Insgesamt nutzten im ersten Halbjahr 2014 der Studie zufolge knapp 31 Millionen Passagiere Angebote sogenannte Low Cost Carrier. Im Sommerflugplan 2014 bedienten sie insgesamt 722 Strecken in und ab Deutschland - ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch verlief die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Die meisten Günstigflieger-Passagiere verzeichneten die Berliner Flughäfen. Auch die Airports Hamburg und Köln/Bonn konnten ihr Passagieraufkommen steigern. Starke Rückgänge gab es dagegen auf Regionalflughäfen wie Weeze oder Hahn, wo sich die gesunkene Präsenz von Ryanair bemerkbar machte. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz zehn: Air Baltic mit 25 FlugzeugenDie lettische Fluggesellschaft Air Baltic belegt mit 25 Flugzeugen, darunter fünf Boeing 737–500, acht Boeing 737–300 und zwölf Q-400 NextGen Platz zehn. Quelle: Presse
Platz neun: Aer Lingus mit 50 FlugzeugenMit 50 Flugzeugen liegt Air Lingus auf Rang neun. Zu der Flotte der irischen Fluggesellschaft zählen je drei Boeing 757-200, Airbus A330-200, Airbus A321-200, jeweils vier Airbus A319-100 und Airbus A330-300 und 33 Airbus A320-200. 2015 sollen außerdem neun Flugzeuge vom Typ Airbus A350-900 an die Fluglinie ausgeliefert werden. Quelle: dpa
Platz acht: Wizz Air mit 54 FlugzeugenDie ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an. Wizz Air verfügt über eine junge Flotte mit Flugzeugen vom Typ Airbus 320. Alle 54 Flugzeuge werden von V-2500-Motoren von International Aero Engine betrieben. Quelle: dapd
Platz sieben: Jet2 mit 55 FlugzeugenDie britische Billig-Airline Jet2 gibt es erst seit 2002, trotzdem hat sie mit 55 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit den 23 Boeing 737-300, einer Boeing 737-300F, sieben Boeing 737-300QC und jeweils zwölf Boeing 737-800 und Boeing 757-200 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an. Quelle: Presse
Platz sechs: Germanwings mit 57 FlugzeugenGermanwings schafft es mit einer Flotte von 57 eigenen und 23 Eurowings-Flugzeugen auf Platz sechs unter den Top 10 der europäischen Billig-Airlines. Ab Frühjahr 2015 sollen 64 eigene Flugzeuge der Typen A319 und A320 sowie 23 durch Eurowings betriebene Regionalflugzeuge für Germanwings im Einsatz sein. Quelle: dpa/dpaweb
Platz fünf: Flybe mit 62 FlugzeugenDie britische Airline Flybe betreibt mit 45 Maschinen die größte Flotte an Bombadier DashQ8-400 Maschinen weltweit. Hinzu kommen noch elf Maschinen vom Typ Embraer 175 (vier weitere sind bestellt) sowie sechs Jets vom Typ 195. Flybe hat seinen Sitz in Southhampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an. Quelle: Presse

Trotz beachtlicher Wachstumsraten von jährlich gut 20 Prozent schaffte Norwegian auch 2012 eine Rendite vor Steuern von fast fünf Prozent und schrieb in diesem Jahr sogar im bei Fluglinien traditionell schwächsten ersten Quartal erstmals einen operativen Gewinn. "Das ist angesichts der hohen Spritpreise und der schwachen Konjunktur ein kleines Wunder", urteilen die Analysten des britischen Branchendienstes Anna.aero.

Damit hat sich Kjos erst warmgelaufen. Vor einem Jahr hat er den mit gut 250 Airbus- und Boeing-Flugzeugen plus 150 Kaufoptionen größten Auftrag einer europäischen Fluglinie unterschrieben. Damit will Kjos das europäische Festland erobern. Nach einer Basis auf den Kanaren plant er für 2013 zusätzliche Drehkreuze in Spanien und im von Easyjet und Ryanair beherrschten Billigmekka London.

Billig nach Bangkok

Im Mai folgt dann der große Knall: Als erste europäische Airline startet Norwegian Billigflüge auf der Langstrecke. Zwar kann Kjos die ersten Routen von Oslo und Stockholm nach New York und Bangkok nicht mit dem komfortablen Boeing-Sparjet 787 bedienen: Den bekommt er nach den Batterieproblemen frühestens im Juli. Doch die laut Insidern später geplanten Routen nach Fort Lauderdale in Florida, China, Malaysia oder zu Inseln im Indischen Ozean fliegt die 787.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Der Kurs ist riskant, weil Norwegian Emirates aus Dubai oder Easyjet angreift, die dank solider Finanzen länger gegenhalten können als bisherige Hauptgegner wie SAS oder Finnair. "Doch Björn und sein Team sind gut vorbereitet", urteilt Peter Harbison, Chef des Marktforschers Centre for Aviation mit Hauptsitz in Sydney.

Wichtigste Stütze für die Expansion ist Norwegians starke Stellung in Nordeuropa. Hier fliegen die Menschen viel wegen der langen Strecken und weil sie im Winter der Düsternis entfliehen wollen. Weil besonders in Norwegen dank des Rohstoffbooms die Einkommen hoch sind, geben die Kunden für höheren Komfort auch mehr aus.

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