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Neue Strategie Was bringt Spohrs Plan der Lufthansa?

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Was fehlt? Ist der Plan misslungen? Und die Gewerkschaften?

Was fehlt bei Spohrs Umbauvorhaben?

Aus Sicht von Beratern sollte die Lufthansa zum einen ihre vorhandenen Stärken besser nutzen, statt neue Kunden mit Kampfpreisen zu locken. „Lufthansa steht wie keine zweite Linie für Zuverlässigkeit, Sicherheit und Effizienz“, lobt Shakeel Adam, Inhaber der auf die Flugbranche spezialisierten Beratung Aviado Partners aus Eschborn bei Frankfurt. „Deswegen hat sie mehr gut zahlende Firmenkunden als andere Fluglinien und kann auch anspruchsvolle Privatreisende besser überzeugen – und nicht, weil sie künftig einen Fünf-Sterne-Service bietet.“

Um mehr Geld zu verdienen, rät Adam zu mehr kleinen Flugzeugen. Bislang setzt die Lufthansa wie fast alle Fluglinien auf möglichst große Jets, weil das die Kosten pro Passagier drückt. Doch die Jumbos mit 400 Plätzen und mehr sorgen wegen ihrer höheren Betriebskosten nur dann für mehr Gewinn, wenn eine Linie diese zusätzlichen Plätze auch tatsächlich teuer verkaufen kann.

Carsten Spohr: Pilot und Lufthansa-Kenner

Das gelingt der Lufthansa aber nur begrenzt, wie die wachsende Zahl an Sonderangeboten und Schnäppchen im Vielfliegerprogramm Miles & More zeigen. „Kleinere Maschinen mit gut 300 Plätzen kann die Lufthansa dagegen zu einem großen Teil mit besser zahlenden Geschäftsreisenden oder Urlaubern füllen“, sagt Berater Adam. „Am Ende bleibt pro Flug mehr übrig als bei einer großen Maschine, wo die 80 zusätzlichen Reisenden mit ihren Tickets die Mehrkosten nicht decken.“

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Ist Spohrs Plan also misslungen?

Nein. Denn neben den Billiglinien hat Spohr auch eine modernere Unternehmenskultur angekündigt und dabei mit vielen Gewohnheiten gebrochen. Er will nicht nur bis zu zwei Führungsebenen abschaffen. Statt der bisherigen Praxis, alle zwei, drei Jahre mit großem Aufwand ein neues Sparprogramm zu starten, will der 47-Jährige den Konzern auf permanente Revolution trimmen und, so Spohr, „kontinuierlich neue Ideen generieren“. Die soll ein eigenes Innovationszentrum in Berlin aushecken.

Zudem investiert Spohr eine halbe Milliarde Euro in einen Innovationsfonds, ohne ihn wie sonst üblich präzise bestimmten Projekten zuzuordnen. Und er wird den Einheitsservice im Lufthansa-Fluggeschäft nach dem Vorbild Germanwings durch mehr zukaufbare Extras ergänzen. All dies fordern Experten schon seit Langem (siehe etwa die große Studie in der WirtschaftsWoche Heft 44/2012). „Selbst wenn Spohr nicht immer die richtigen Antworten hat, so stellt er doch endlich die richtigen Fragen“, so ein Insider.

Werden die Gewerkschaften bei dem Umbau mitziehen?

Am Ende wird ihnen keine Wahl bleiben. Zwar hat die Pilotenvereinigung Cockpit die Pläne erwartungsgemäß als „Frontalangriff mit den entsprechenden Konsequenzen“ zurückgewiesen. Doch am Ende wissen die Gewerkschaften von ihren Vertretern im Aufsichtsrat, wie ernst die Lage der Lufthansa ist und dass Ex-Pilot Spohr – trotz seiner viel beschworenen Nähe zu den Arbeitnehmern – ohne Zugeständnisse künftig noch mehr Jobs zu Töchtern außerhalb Deutschlands verlegen wird.

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